Sport : 1. FC Union: Die schönste Hauptsache der Welt

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Einer, der sich "Alter Förster" nennt, stöhnt auf der Fan-Website des 1. FC Union: Man, mir blieb manchmal echt die Luft weg, so intensiv kamen alte Erinnerungen wieder hoch: Natürlich die Siege gegen den BFC, das 2:2 gegen Dynamo Dresden im strömenden Regen, zwischendurch mal wieder Aufstiegsrunde bei den damaligen Bauern von Energie Cottbus, FDGB-Pokal, Drittklassigkeit, Aktionen gegen den Konkurs, der Jammer vom verpassten Aufstieg in Osnabrück - und immer wieder Hoffnung. Olle Förster konnte genau nachvollziehen, seit wann er "unheilbar am Union-Virus erkrankt" ist - seit 27 Jahren. (Damals, 1973, war Union mal wieder aus DDR-Oberliga abgestiegen, aber für einen wahren Fan war das kein Grund, dem Verein den Rücken zu kehren. Im Gegenteil ...)

Jedes Mitglied der Union-Familie ist ein halbes Leben lang verdammt, alle 14 Tage durch Bäume und Büsche zum Stadion Alte Försterei zu laufen, voller Erwartungen beim Hin-, oft genug enttäuscht, traurig beim Rückweg durch die Waldungen der Wuhlheide. Doch der wahre Unioner hofft, solange er lebt, als leidgeprüfter Optimist scheint er aus jeder Niederlage neue Kraft fürs nächste Mal zu schöpfen, seine Hoffnung stirbt nie, und wenn ihm seine rot-weißen Jungs wirklich wieder den Gefallen tun, sich die Lunge aus dem Hals zu rennen und sogar zu siegen, könnte er ihnen die Töppen küssen: Bei Union ist Fußball die schönste Hauptsache der Welt.

Etwaige Erinnerungslücken bei den Stationen jahrzehntelanger tabellarischer Achterbahnfahrerei schließt das Buch "Und niemals vergessen - Eisern Union!". Jörn Luther und Frank Willmann haben nüchterne Chronik und Emotionen von Spielern und Zuschauern zu einer lesenswerten Tatsachenstory vermischt, in der sich drei Spielgestalter die Bälle zuschieben: die Mannschaft, die Fans und der Zeitgeist im Universum des Fußballgotts.

Zu den Urgroßmüttern der heutigen Mannschaft gehörte der SC Union Oberschöneweide, der, 1906 gegründet, am 7. August 1920 als Berliner Meister mit einem Spiel gegen den Deutschen Meister 1. FC Nürnberg (1:2) das Stadion An der Alten Försterei einweihte. So lange wird in der Wuhlheide gekickt - zu DDR-Zeiten als Motor Oberschöneweide, Motor Berlin, TSG Oberschöneweide, TSC Berlin, bis am 20. Februar 1966 die gute alte Union wieder auferstand, mit Jimmy Hoge, Ulli Prüfke, Wolfgang Wruck, denen bekannte Namen folgten: Mäcki Lauck, Wolfgang Matthies, Lutz Hendel, Karsten Heine, auch Marko Rehmer, Martin Pieckenhagen und Sergej Barbarez, die Union mit dem Trainer Frank Pagelsdorf ziehen lassen musste, um zu überleben.

Nun geschieht Großes an der Alten Försterei: Zum ersten Male erstrahlt Flutlicht in dem Stadion; aus den Unaufsteigbaren, denen immer am Ende irgendwie ein Punkt oder ein Törchen fehlt, sollen am Mittwoch die Unbezwingbaren werden, Sieger im Pokalspiel über den VfL Bochum und Hoffnungsträger auf dem Weg in Liga zwei. Was schreibt ein Fan auf Seite 223? "Und wenn es hundert Jahre bis zum Sprung in den Bundesliga-Fußball dauern sollte, Union wird nicht aufgeben, so lange es solche treuen Fans gibt." Aber möchte Treue nicht irgendwann einmal belohnt werden?

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