Sport : 1. FC Union: Die Verfolgten aus Köpenick

Es sind schwere Tage für den 1. FC Union aus Berlin: Im Uefa-Cup hat der Klub die zweite Runde erreicht, und der Ligaalltag ist auch alles andere als grau. Eigentlich darf das den Fans des Vereins gar nicht gefallen. Zu viele gute Nachrichten innerhalb eines Jahres. Aufstieg, Pokalfinale, möglicherweise der Durchmarsch in die Bundesliga, Dienstreisen durch halb Europa - all diese Erfolge könnten sich für den 1. FC Union als eher imageschädigend erweisen.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Seit jeher nämlich pflegen die Fans des derzeitigen Fußball-Zweitligisten ihr Bild von den Unterdrückten aus Köpenick. Einen Großteil ihres Selbstwertes beziehen sie sogar aus der Verfolgung durch die Obrigkeit: Wir lassen uns nicht unterkriegen, und wenn wir noch so viele Feinde haben. Mächtige Feinde: den Erich-Mielke-Staat, den DFB, die Banken. Und jetzt? Der DFB hat die Lizenz ohne Widerstand erteilt, der Verein muss nicht mehr wie früher als Bittsteller in den Kreditabteilungen buckeln, sondern kann gleich zur Kasse vorgehen, um sein Erspartes Gewinn bringend anzulegen. Und was das Schönste ist für alle Unioner: Der einst verhasste BFC Dynamo, die Ursache aller Unbilden zu DDR-Zeiten, verschwindet nun endgültig in der Bedeutungslosigkeit.

Lauter gute Nachrichten. Doch was wird aus dem 1. FC Union, wenn er keine Feinde mehr hat? Vermutlich ein ganz normaler Fußballverein. Nur, will das überhaupt jemand? Glücklicherweise besitzt die Uefa, der europäische Fußballverband, einen Sinn für Tradition. Einen, der sich doppelt bezahlt macht. Für die Uefa selbst, die dem 1. FC Union nach bekannter Willkür 6500 Mark abknöpft, aber auch für den Verein, der sich gleich mal wieder benachteiligt fühlen kann. Unter anderem "wegen schlechten Benehmens der Fans" beim Uefa-Cup-Rückspiel gegen Valkeakoski hat der Verband die Geldstrafe gegen Union verhängt. Eine Ungerechtigkeit sondergleichen. Wer trägt denn die Schuld an den Vorkommnissen? Das ist doch wohl die Uefa. Erst zwingt sie Union, im Jahnsportpark zu spielen, der alten Heimat des BFC Dynamo. Und dann erwartet sie an dieser unwürdigen Stätte auch noch gutes Benehmen. Wenn das nicht wieder mal von langer Hand geplant ist.

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