1. FC Union : Eisern wirtschaften

Union hat den größten Gewinn der Vereinsgeschichte erzielt, Schulden sind trotzdem noch zu tilgen.

Matthias Koch,Katrin Schulze

Berlin - So gelöst kam Dirk Zingler bisher nur daher, wenn er die Siege seines Lieblingsvereins feierte. Nicht aber, wenn es um die Bilanzen jenes Klubs ging, dem er gleichzeitig vorsteht. Am Freitag allerdings referierte er erstaunlich ruhig und locker über die Vorhaben und Bilanzen seiner Köpenicker. „Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn erzielt, den es bisher noch nicht gab“, sagte der Präsident des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Und grinste übers ganze Gesicht. Dabei ist es noch gar nicht all zu lange her, dass Zingler im Gewühl der Akten- und Schuldenberge den Überblick zu verlieren drohte.

Im Juli 2004, als er die Regie bei Union übernommen hatte, fand er, gelinde gesagt, ein ziemliches wirtschaftliches und infrastrukturelles Durcheinander vor – man könnte auch sagen, ein völliges Chaos. Gut fünf Jahre später blickt der Präsident bei der ordentlichen Mitgliederversammlung seines Klubs vor 617 Mitgliedern auf ein „überaus erfolgreiches Jahr“ zurück. „Alle Vereinsziele, die wir uns im vergangenen Jahr gesteckt hatten, sind erfüllt worden“, sagte Zingler. Knapp 440 000 Euro Gewinn haben die Unioner in ihrer abgelaufenen Drittliga-Saison erzielt, im laufenden Jahr kalkulieren sie mit fast doppelt so viel. Fernsehgelder und die gestiegenen Zuschauerzahlen machen’s möglich.

Dass Zinglers Klub mit den nun erwirtschafteten Geldern um sich werfen wird, ist jedoch nicht vorgesehen, denn zunächst müssen immer noch Verbindlichkeiten abgebaut werden. Etwa fünf Millionen Euro, die im Sommer 2010 fällig werden, schuldet Union dem Medienunternehmer Michael Kölmel. „Bis zum 30. Juni werden wir eine erhebliche Verbesserung unserer Schuldenbilanz aufweisen“, sagte der Präsident. Und: „Es geht darum, dass wir uns in der Zweiten Liga stabilisieren und etablieren.“

Bisher klappt das besser, als es sich Union vor der Saison ausgemalt hatte. Als aktuell Viertplatzierter lässt es sich leicht über Perspektiven diskutieren: In der Winterpause will der Verein sogar Gelder für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen.

Bei allen befreiend-positiven Nachrichten muss sich der Verein auch noch mit der Last seines ominösen ehemaligen Sponsors herumplagen. 220 000 Euro verlangen die Köpenicker aus der Zusammenarbeit mit der Firma International Sport Promotion, von der sich der 1. FC Union Ende August nach Bekanntgabe der Stasi-Vergangenheit des Aufsichtsratschefs getrennt hatte. Der Verein wähnt sich bei den Verhandlungen in einer guten Ausgangposition und ist sich auch seines Fehltritts mittlerweile offenbar bewusst. „Das war ein sehr ärgerlicher Vorgang“, hatte Dirk Zingler am Freitag selbstkritisch gesagt. Danach setzte der Präsident seinen Vortrag über die Zukunft des 1. FC Union rasch fort.

Um kurz vor 21 Uhr marschierte die Mannschaft unter stehenden Ovationen ein, Kapitän Marco Gebhardt hielt auf der Bühne eine kurze Rede. „Wir können sehr stolz sein auf das Erreichte im letzten Jahr“, sagte er. Einen Wunsch aber hatte er noch: „Es wäre schön, wenn die Fans zu den Spielen noch ein paar Leute mitbringen könnten.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar