Sport : 1. FC Union: Ende der Schlafmützigkeit

Karsten Doneck

Der Besucher auf der Tribüne des Karl-Liebknecht-Stadions gab sich als Anhänger der Gästemannschaft zu erkennen. Gerade hatte der heimische SV Babelsberg 03 nämlich den 0:2-Rückstand in ein 2:2 umgewandelt, da brüllte jener Mann mit Zornesröte im Gesicht: "Mensch, nun werdet doch mal wieder wach!" Sein Ruf verhallte irgendwo unter dem Tribünendach, erreichte die Adressaten auf dem Platz nicht mehr. Die Fußballer des 1. FC Union verloren die Partie noch 2:3. Von drei verschenkten Punkten war bei Union nachher die Rede.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Von zwölf möglichen Punkten hat Union in dieser Saison sieben geholt. Für einen Neuling in der Zweiten Liga gewiss nicht schlecht. Aber von Trainer Georgi Wassilew über Präsident Heiner Bertram bis hin zum letzten Ersatzspieler herrscht auch die Meinung vor: Es könnte ein bisschen mehr sein. Doch Union gönnte sich in den Spielen gegen Hannover 96 (1:1) und in Babelsberg, in denen die Optimalpunktzahl verspielt wurde, gedanklich jeweils eine Auszeit. Da war die Mannschaft, bereits in Führung liegend, für einige Minuten nicht im Bilde, befolgte taktische Vorgaben allzu lässig, wirkte unkonzentriert - und wurde dafür mit Gegentoren bestraft. "Man kann bei einem Vorsprung nicht so Larifari rumrennen", stellt Abwehrchef Steffen Menze selbstkritisch fest. Er fordert für die Partie heute (19 Uhr, Alte Försterei) gegen den SSV Reutlingen volle Konzentration - über die volle Distanz.

Georgi Wassilew hat gerade nach dem Spiel in Babelsberg, in dem Union in der letzten Viertelstunde eine 2:0-Führung kläglich verspielte, viele Gespräche mit den Spielern geführt. Und merkte dabei, dass er an Grenzen stößt. "Das abzustellen, ist ein langfristiger Prozess", sagt Wassilew.

Im Kopf ist so mancher Union-Profi möglicherweise noch gar nicht richtig in der Zweiten Liga angekommen. Kotrainer Klaus-Dieter Helbig registriert: "Wenn man in der Regionalliga mal nicht so konzentriert war oder seine Chancen nicht reingehauen hat, konnte man das wegstecken. In der Zweiten Liga geht das nicht." Da kann Mannschaftskapitän Menze nur zustimmen. "In der Zweiten Liga werden Fehler viel schneller bestraft", sagt er.

Auch Menze musste sich von Wassilew Schelte gefallen lassen. "Der Trainer hat mir auch ein paar Worte gesagt", erzählt er, schweigt aber über den Inhalt der ihm gemachten Vorwürfe. Indes gewann er die Erkenntnis: "Sich auf bestimmte Spielsituationen einzustellen, ist immer auch eine mentale Frage." Dass der 1. FC Union dieses Problem noch nicht in den Griff bekommen hat, führt indes zu keinerlei Aufgeregtheiten. Kotrainer Helbig vertraut da ganz und gar seinem unmittelbaren Vorgesetzten. "Der Chef", sagt er und meint Georgi Wassilew, "der macht das, was er macht, sowieso immer sehr akribisch." Dann darf der SSV Reutlingen heute wohl kaum auf eine schlafmützige Phase der Union-Elf hoffen.

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