Sport : 1. FC Union - FC Haka Valkeakoski: Umweg über Finnland

Karsten Doneck

Das finnische Publikum verhielt sich äußerst reserviert. Einmal wurde es dann doch laut. Und zwar, als sich der Spieler mit der Nummer 30 anschickte, aufs Feld zu eilen. Seine Einwechslung veränderte zumindest kurzzeitig das recht distanzierte Verhalten der Einheimischen auf den Holztribünen im kleinen Fußballstadion von Valkeakoski: begeistertes Händeklatschen, manche applaudierten gleich stehend, einige verliehen ihrer Freude durch aufgeregte Rufe Ausdruck. Berkan Algan genießt beim Anhang des FC Haka Valkeakoski, dem Geger des 1. FC Union in der ersten Runde des Uefa-Cups, offenkundig große Sympathien. Was dann doch etwas verwundert. Schließlich kam der 24-jährige Mittelfeldspieler bei seinem neuen Arbeitgeber erst bei zwei Kurzeinsätzen zum Zuge. Berkans Gesamtspielzeit für Valkeakoski liegt derzeit bei rund einer Viertelstunde - zu wenig, um Heldenhaftes zu vollbringen. Eine Schulterverletzung hinderte ihn bisher daran, die FC-Haka-Fans öfter aus der Reserve zu locken.

Sein Name klingt zwar türkisch, doch Berkan Algan ist ein waschechter Hamburger Junge. Schon seit frühester Kindheit hat er bei verschiedenen Vereinen in Hamburg gekickt, besonders lange beim FC St. Pauli. Danach ging er zum Hamburger SV, fand seinen Platz bei den HSV-Amateuren in der Oberliga. Ein ehemaliger HSV-Profi war auf ihn aufmerksam geworden. "Rudi Kargus hat mich gelockt", erzählt Berkan Algan. Er ging auch mal aus Hamburg fort, versuchte sechs Monate lang sein Glück unter Trainer Peter Neururer beim 1. FC Köln, sammelte Erfahrung in der Türkei bei Bursaspor, wo er mit Kostadin Widolow, dem heutigen Spielmacher des 1. FC Union, in einer Mannschaft stand.

Den Durchbruch hat Berkan Algan nirgends geschafft. Andere hätten längst resigniert, sich für ein paar hundert Mark Nebenverdienst bei unterklassigen Klubs verdingt. Für Berkan ein abwegiger Gedanke. "Ein Spieler wechselt den Verein und ab und zu passt da eben etwas nicht zusammen. Das kommt vor. Dann ist ein Tapetenwechsel fällig", sagt er und Gleichmut klingt bei ihm durch.

Jetzt also Finnland: Valkeakoski, ein Städtchen mit 21 000 Einwohnern, 150 km nördlich von Helsinki. "Ich bin gefragt worden, ob ich dort spielen wolle, und irgendwie hörte sich das alles ganz gut an", sagt Berkan. Er unterschrieb einen Vertrag für zwei Monate. Zwei Monate, keine zwei Jahre. Eine ungewöhnlich kurze Zeit. "Ich will mich weiterempfehlen", nennt er seine Beweggründe, trotzdem beim FC Haka angeheuert zu haben. Klar, sein Klub steht im europäischen Wettbewerb, da steht ein Spieler mehr im Blickpunkt als bei den HSV-Amateuren. Wenngleich Hakas Chancen, über Union in Runde zwei vorzudringen, nach dem 1:1 im Hinspiel gering geworden sind. Das Rückspiel steigt morgen (17.30 Uhr, Jahnsportpark).

Anpassungsprobleme sind ihm fremd. Auch in Finnland. "Die Sprache ist schwierig, aber mit Englisch komme ich gut durch. Und die Leute hier sind nett und freundlich." Vor der Zukunft ist ihm nicht bange. "Entweder", sagt er, "komme ich im Fußball jetzt bald nach oben, oder ich studiere einfach weiter." Drei Semester Jura hat er schon hinter sich. Sein Kurzauftritt gegen den 1. FC Union blieb immerhin schon mal nicht ganz ohne Wirkung. Um diesen Berkan Algan zu stoppen, holte Unions Trainer Georgi Wassilew kurze Zeit später Stürmer Ferdinand Chifon vom Feld und brachte dafür mit Ivan Kozak einen Abwehrmann. Folge: Berkan fiel nicht weiter auf. Und das finnische Publikum konnte wieder ins Stoische verfallen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben