1. FC Union gegen Sandhausen : Düwels erstes Endspiel?

Unions Trainer Norbert Düwel kämpft nach dem mieserablen Saisonstart mit aller Macht um seinen Job – ist das kommende Heimspiel gegen Sandhausen am Samstag seine letzte Chance?

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Keule, was sagst du dazu? Norbert Düwel und das Union-Maskottchen hatten am Spielfeldrand zuletzt kaum Anlass zum Jubel.
Keule, was sagst du dazu? Norbert Düwel und das Union-Maskottchen hatten am Spielfeldrand zuletzt kaum Anlass zum Jubel.Foto: imago/Bernd König

Zu Wochenbeginn hatte der 1. FC Union Berlin auf seinem offiziellen Facebook-Auftritt das Titelbild geändert. Auf der Fotomontage waren Teile des gefüllten Stadions An der Alten Försterei zu sehen. Im Vordergrund lag ein überdimensionaler Gegenstand auf dem Rasen. „#missionbremsklotz“ stand in weißer Schrift auf dem in Rot gehaltenen Klotz. Der Verein setzte damit ein Zitat von Präsident Dirk Zingler grafisch um. Zingler hatte sich kürzlich zur angespannten sportlichen Situation und den neuen Chefcoach Norbert Düwel im „Berliner Kurier“ geäußert. Düwel müsse jetzt zeigen, dass er Abstiegskampf kann. „Wir müssen den Trend der letzten zehn Monate stoppen, müssen mit jedem Spiel einen Bremsklotz in den Boden einhämmern“, hatte Zingler erklärt und damit Düwel wieder den Rücken gestärkt.

Saisonübergreifend gelangen Union im Jahr 2014 erst drei Siege in 24 Meisterschaftsspielen. Zingler hält Norbert Düwel zu Gute, dass er als Nachfolger von Trainer Uwe Neuhaus davon nur neun Partien inklusive eines Sieges zu verantworten hat. Weil die Probleme schon vor der Verpflichtung Düwels entstanden seien, stellte Zingler gar eine Entschuldigung bei Düwel in den Raum.

Düwel mag sich mit dieser Formulierung nicht so recht anfreunden. „Ich weiß nicht, wie Dirk Zingler das gemeint hat. Wenn man als Trainer irgendwo hinkommt, kann man ganz vorn oder ganz hinten mitspielen“, sagte er. „Das muss man wissen. Das wusste ich vorher auch. Ich bin nicht nur hierhergekommen, um ganz vorn mitzuspielen. Ich gehe davon aus, dass wir aus dieser Situation herauskommen. Von daher weiß ich nicht, ob ich ihm da leidtun muss. Ich glaube, eher nicht.“

Zingler hat trotz der seit Monaten fehlenden spielerischen, taktischen und personellen Linie kein öffentliches Ultimatum an den Trainer ausgesprochen. Doch die Maßnahmen in der Länderspielpause sprechen dafür, dass die Partie am Sonnabend gegen den SV Sandhausen Endspielcharakter hat. Am Donnerstag gab es einen Test beim Fünftligisten FC Strausberg (3:0). Am Montag fand in Burg ein Trainingsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den russischen Erstligisten Rubin Kasan (4:0) statt, bei dem Angreifer Bajram Nebihi ein leichtes Schädel-Hirn- Trauma erlitt. Von dort ging es weiter nach Kienbaum, wo Union bis Donnerstag ein Trainingslager abhält. Auch dort sind Zuschauer nicht erwünscht.

So etwas veranstalten Vereine normalerweise nur am Saisonende, wenn es um Meisterschaft oder Abstieg geht. Bei Union ist dieser Aktionismus bereits vor dem zehnten Spieltag ausgebrochen. Auch ein Austausch des Torhüters gehört zum Standardrepertoire für notleidende Trainer. Und gegen Sandhausen könnte sich Daniel Haas tatsächlich auf der Bank wiederfinden, obwohl der Stammkeeper in den bisherigen Partien bis auf den Auftritt gegen Nürnberg (0:4) zu den wenigen Unionern mit Normalform gehörte.

Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist das Aussortieren ganzer Teamteile. Düwel hat die Mannschaft in dieser Woche aufgeteilt. Der vermeintliche Kader für Sandhausen spielte gegen Kasan und ist auch in Kienbaum dabei. Nachwuchstalente sowie der für eine Partie gesperrte Björn Jopek, der zuletzt erkrankte Baris Özbek und der mit der Nationalelf der Slowakei unterwegs gewesene Adam Nemec sind mit Fitnesstrainer Daniel Wolf in Berlin geblieben. Mancher Akteur der Köpenicker Trainingsgruppe II könnte sich zurückgesetzt fühlen. „Das heißt aber nicht, dass diejenigen Spieler komplett weg sind. Ich glaube, man muss in so einer Situation einfach die Kräfte bündeln“, sagte Düwel.

Die Frage ist nur, was Düwel nach dem Spiel gegen Sandhausen machen will, selbst im Falle eines Sieges. Jede Woche kann er die Mannschaft nicht abschotten oder in ein Trainingslager schicken. „Es ist eine außergewöhnliche Situation. Man muss rechtzeitig die Stellschrauben drehen, weil es ansonsten eventuell zu spät ist“, erklärte Düwel. Dies könnte es schon im Falle einer Niederlage sein. Düwel scheint jetzt alles ausgereizt zu haben. Tabellenletzter ist Union schon, bremsen reicht da nicht mehr. Das ist offenbar auch Union aufgefallen – das Facebook-Titelbild mit dem Bremsklotz verschwand nach nicht einmal einem Tag wieder.

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