Sport : 1. FC Union: Gott trägt Rot-Weiß

Andre Görke

Anfang Juni vergangenen Jahres fand Georgi Wassilew geradezu melancholische Worte. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union musste ein paar Stunden später beim Meister der Regionalliga Nord ran, beim VfL Osnabrück. Im zweiten Relegationsspiel um den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Wassilew sagte: "Wenn es einen Gott gibt, dann steigen beide Vereine auf." Gott aber war an diesem Abend kein Unioner. Die Köpenicker verloren nach einem dramatischen Spiel im Elfmeterschießen 8:9. Ein paar Tage später vergeigten die Köpenicker auch die zweite Aufstiegschance beim LR Ahlen. Der 1. FC Union blieb Regionalligist. Ein ganzes Jahr lang reiste der Klub tapfer durch die norddeutsche Provinz. Zum Kick in die Lüneburger Heide. Oder in Städte wie Verl, die noch nicht einmal eine Autobahnabfahrt haben.

Zum Thema Online Spezial: 1. FC Union Seit Sonnabend hat die Qual ein Ende. Der 1. FC Union ist nach dem 5:0-Sieg über den SV Wilhelmshaven in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. "Man könnte glatt denken, der liebe Gott will was jutmachen", schrieb Union-Fan Karsten im Internet-Forum des Vereins.

Die Ausgangssituation vor dem Spiel war nur schwer zu verstehen. Der 1.FC Union musste siegen, Babelsberg 03 durfte nicht gewinnen und Preußen Münster zeitgleich auch noch verlieren. Und siehe da: Union gewann, die Potsdamer spielten Unentschieden in Aue und Münster verlor 0:2 in Leipzig. Die Köpenicker waren durch. "Nie mehr dritte Liga", schallte es von den Rängen, die Fans hüpften jubelnd über den Rasen, Grasbüschel wurden aus dem heiligen Rasen gerupft, grölende Anhänger vergingen sich am Tornetz. Und da einige eh schon ziemlich angetrunken über den Platz torkelten, schien es angemessen, einfach in die nächstbeste Pinte zu ziehen.

"Ich kann das alles gar nicht fassen", sagt ein leicht verkatert klingender Sven Schlensog am Tag danach. Der Fanbeauftragte vom 1. FC Union hat bis tief in die Nacht das eine oder andere Pils gekippt und nun einen schweren Kopf. Erst wurde in der schmuddeligen "Abseitsfalle" gefeiert, Unions Fankneipe an der Alten Försterei, dann im VIP-Zelt mit den singenden Spielern und schließlich irgendwo im Lichtenberger Kiez. Um kurz nach drei war Schlensog endlich zu Hause.

"Ich habe mit Union noch nie etwas erreicht", sagt er. "Und jetzt? Wir stehen im DFB-Pokal-Finale, stehen im Uefa-Cup und sind nun auch noch in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Als Union-Fan kannst du das alles noch gar nicht verkraften."

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