1. FC Union : Hinten wackelt es gewaltig

Trotz des Punktgewinns gegen St. Pauli ist Unions Trainer Lewandowski mit der Defensive unzufrieden.

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Nimm du ihn, ich hab ihn sicher. Die Unioner Damir Kreilach (l.) und Michael Parensen (r.) beackern St. Paulis Marc Rzatkowski. Nicht immer setzten sich die Köpenicker in den Zweikämpfen durch.
Nimm du ihn, ich hab ihn sicher. Die Unioner Damir Kreilach (l.) und Michael Parensen (r.) beackern St. Paulis Marc Rzatkowski....Foto: dpa/Hilse

In seinen Oberschenkeln loderten die Flammen. „Es brennt, aber das ist nicht so schlimm. Es hat sich gelohnt, über die Schmerzgrenze hinausgegangen zu sein. Wir sind mit dem Ausgleich belohnt worden“, sagte Maximilian Thiel nach dem 3:3 gegen den FC St. Pauli. Wer den Offensivspieler des 1. FC Union so sah, voller Adrenalin, aufgekratzt, der konnte sich gut vorstellen, dass Thiel tatsächlich keine Schmerzen spürte. Zumindest nicht nach dem Spiel. Am Sonntag mag das anders ausgesehen haben, aber da hatten die Spieler des 1. FC Union frei.

Thiel, der Torschütze zum 2:1, war zufrieden. „Es ist wichtig, dass wir dieses positive Erlebnis jetzt mit ins nächste Spiel gegen Paderborn nehmen können.“

Benjamin Kessel, der das späte 3:3 erzielt hatte, war ebenfalls zufrieden, aber er fand auch Kritikpunkte. „Wir kassieren einfach zu viele einfache Gegentore, die waren absolut vermeidbar.“

Es liegt in der Natur der Position, dass Offensivspieler ein 3:3 wohlwollender betrachten als Verteidiger – oder Trainer. Unions Trainer Sascha Lewandowski hatte wenig Freude am Defensivverhalten seiner Mannschaft – trotz einiger positiver Ansätze. „Wir machen mannschaftstaktisch vieles richtig, aber wenn wir individuell nicht auf der Höhe sind, wird es schwer“, sagte Unions Trainer.

Beim ersten Gegentreffer verlängerte Roberto Puncec eine Flanke unglücklich, beim zweiten passierte der Ball den Berliner Strafraum, ohne dass ein Verteidiger entschlossen eingriff. Das dritte Gegentor hatte Torwart Daniel Haas mit zu verantworten, als er einen Eckball beim Rauslaufen nicht erwischte. Nach elf Spielen hat der 1. FC Union schon 20 Gegentore hinnehmen müssen – nur Nürnberg und der Tabellenletzte Duisburg sind noch schlechter.

Trainer Lewandowski mahnt die mangelnde Defensivarbeit an

„Um Spiele zu gewinnen, müssen wir defensiv gewaltig zulegen“, sagte Lewandowski. Ihm konnte nicht gefallen, dass seine Verteidiger oft zu spät an ihre Gegenspieler heranrückten und deshalb nicht in die Zweikämpfe kamen. „Wir haben zu langsam geschaltet und nicht so aktiv verteidigt, wie ich mir das vorstelle. Wir müssen das schnell reinbekommen, sonst können wir in der Tabelle nicht klettern“, sagte Lewandowski. Genau darauf warten sie aber beim 1. FC Union seit seiner Amtsübernahme. Der Berliner Zweitligist bleibt als Zwölfter weiter im unteren Tabellendrittel hängen. Gegen St. Pauli, aktuell in der Tabelle vorn mit dabei, wurde deutlich, was Unions Mannschaft von den Spitzenteams der Liga trennt. Die Hamburger verfügten über die bessere Grundordnung, blitzschnell bekamen sie immer wieder alle elf Spieler hinter den Ball. Zwischen den Mannschaftsteilen stimmten die Abstände, Union konnte sich in der ersten Halbzeit keine einzige Torchance herausspielen.

Beim 1. FC Union wackelte die Defensive, wenn sie in Druckphasen des FC St. Pauli gefordert wurde. So zum Beispiel in den ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit. „Da sind unsere Schwächen richtig zum Tragen gekommen“, sagte Lewandowski. Personelle Alternativen hat er derzeit nicht. Fabian Schönheim ist noch verletzt, Dennis Prychynenko nicht in Form. In Person von Toni Leistner und Roberto Puncec stehen nur zwei echte Innenverteidiger im Kader. In der Länderspielpause hatte Unions Trainer intensiv am Abwehrverhalten gearbeitet, gegen St. Pauli waren in der Hinsicht wenig Erfolge zu verzeichnen.

Hoffnung auf Besserung verbreitet immerhin Benjamin Kessel. Unions torgefährlicher Außenverteidiger sagte: „Die Situation erinnert mich an die mit Eintracht Braunschweig in der vergangenen Saison. Damals habe ich gegen Greuther Fürth auch in der Nachspielzeit das 2:2 gemacht. Danach haben wir fünf Spiele in Folge gewonnen.“ Gegen eine Wiederholung der Geschichte hätten sie beim 1. FC Union ganz sicher nichts einzuwenden.

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