1. FC Union : Klub-Aktien-Verkauf hat begonnen

Während hunderte Fans seit den frühen Morgenstunden für Klub-Aktien Schlange stehen, will der 1. FC Union heute gegen Cottbus eine sportliche Bestmarke erreichen.

Matthias Koch und Sebastian Stier
Von links nach hinten: Außenbahnspieler Michael Parensen (M.) könnte gegen Cottbus wieder vor der Abwehr auflaufen.
Von links nach hinten: Außenbahnspieler Michael Parensen (M.) könnte gegen Cottbus wieder vor der Abwehr auflaufen.Foto: dpa

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag war es auch in Berlin-Köpenick sehr kalt. Trotzdem bildete sich vor der Geschäftsstelle des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union noch weit vor dem Morgengrauen eine lange Schlange. Obwohl am ersten Tag des Verkaufs der Aktien am Stadion An der Alten Försterei die Geschäftsstelle erst um 9 Uhr öffnete, kam jedoch nie schlechte Laune auf. Ab 7.15 Uhr gab es belegte Brötchen und Kaffee. Und warme Gedanken angesichts des möglicherweise historischen Ereignisses hatten viele der kaufberechtigten Mitglieder und Sponsoren ohnehin, die bis zum 31. Dezember pro Person maximal 10 der 10 000 zur Verfügung stehenden Aktien zum Wert von jeweils 500 Euro erwerben können.

„Wenn keiner von uns Aktien kauft, geht das Stadion vielleicht in andere Hände. Das möchte ich nicht“, begründete Ralf Kokles sein Erscheinen. Der 49-jährige Köpenicker, der um 5.30 Uhr als erster Kaufinteressent vor Ort war, hielt um 9.04 Uhr als erster Unioner eine Zeichnungsbestätigung in den Händen. Während draußen über 100 Menschen in der Schlange standen oder ihre Zeichnungsscheine einfach in eine extra bereitgestellte Tonne warfen, sagte Kokles: „Ich war überrascht, dass ich der Erste war. Aber unmittelbar nach mir kamen noch zwei weitere Fans. Wir haben uns kennen und lieben gelernt.“

Kokles hatte sogar einen mit Propangas betriebenen mobilen Heizkörper dabei. Neben den 500 Euro für die gezeichnete Schmuckaktie kommen deshalb noch 10 Euro Heizkosten dazu. Doch wenn es um Geld für den Verein geht, sind Unioner bekanntlich strapazierfähig.

Auch wenn Union am ersten Zeichnungstag keine Angaben zum Verkauf machte, war Präsident Dirk Zingler sehr zufrieden. „Jedes Mitglied hat die Chance, Stadioneigentümer zu werden. So eine Chance bietet sich in Deutschland nicht allzu oft. Das haben wir an der Schlange vor der Geschäftsstelle gesehen“, sagte Zingler. „Die Menschen kommen hierher, obwohl sie faxen könnten. Es geht um die Geschichte, dabei gewesen zu sein.“

Auch sportlich läuft es derzeit für die Berliner bestens. Seit drei Spielen hat man nicht mehr verloren, gegen Energie Cottbus ist die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus sogar Favorit. Die Köpenicker stehen derzeit auf Platz acht und damit einen Rang vor den Cottbussern in der Tabelle, haben den attraktiveren Fußball gespielt und mehr Tore geschossen als Energie.

Nun soll bis zur Winterpause eine neue Bestmarke aufgestellt werden. „Wir können mit 28 Punkten eine Duftmarke setzen. Das wäre die beste Ausbeute in der Hinrunde, seit wir wieder in der Zweiten Liga sind“, sagt Neuhaus. Im Moment kommt Union auf 25 Zähler, angesichts der ausstehenden Gegner Energie Cottbus, FSV Frankfurt und Greuther Fürth ist dieses Ziel durchaus erreichbar. „Wenn man auf die Tabelle schaut, könnten wir uns in den nächsten Spielen im oberen Drittel behaupten“, sagt Michael Parensen, der wieder gegen Cottbus im defensiven Mittelfeld auflaufen könnte.

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