Sport : 1. FC Union: Kritisches Stadium

André Görke

Der Waldweg zum Stadion ist matschig und mit Bierdosen übersät. In den Bäumen hängen Halogenscheinwerfer. Der 1. FC Union kickt dort, in der Alten Försterei. Wenn alles gut läuft, steigt der Verein in die Bundesliga auf. Bayern München an der Alten Försterei? Wohl kaum.

Das Fußballstadion in der Wuhlheide ist marode. Seit den Siebzigerjahren ist dort nicht viel investiert worden. Auf den Tribünen stehen die Fans auf Schotter; und wenn es regnet, sind sie gut beraten, Gummistiefel anzuziehen. Bundesliganiveau? Nicht mal im Ansatz. Das Stadion an der Alten Försterei muss saniert werden. Nicht provisorisch, sondern anständig. Da bleibt dem Senat wohl auch in Zeiten des Sparens keine Alternative. Der 1. FC Union ist nach Hertha BSC der beliebteste Fußballverein in der Stadt, und wenn der Verein in sechs Wochen wirklich in die Erste Bundesliga aufsteigt, dann werden die Zuschauerzahlen ansteigen. Die Zeit drängt. Denn Lizenzprobleme zeichnen sich ab. "Die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga können wir in unserem Stadion nicht erfüllen", sagt Unions Geschäftsführer Bernd Hofmann (siehe grauen Kasten). Unions Präsident Heiner Bertram hat vor zwei Wochen gesagt: Wer das Olympiastadion für 300 Millionen Euro saniere, der müsse auch Geld in die Alte Försterei stecken. Die Sanierung des Stadions würde 21 Millionen Euro kosten, nach dem Umbau würde die Alte Försterei gut 25 000 Zuschauer fassen.

Woher kommen diese Zahlen? Ein Anruf bei Michael Bürger, einem Potsdamer Diplom-Ingenieur, der schon die provisorische Haupttribüne entworfen hatte. Bürger sagt: "Ja, wir haben die Studie für die Basis-Sanierung angefertigt." Wann? "Im Herbst." Die Sanierungsstudie für die drei Stehplatztribünen sei weit fortgeschritten. Die Erdwälle sollen um etwa vier Meter erhöht werden. Die Tribünen, die aus Betonfertigteilen auf den Erdwällen errichtet werden sollen, würden dadurch etwas steiler werden. "Die Baumaßnahmen könnten während des Spielbetriebs stattfinden", sagt Bürger. Bauzeit? "Jeweils drei Monate für die Nord- und Südtribüne, etwa ein halbes Jahr für die Gegengerade." Kosten: Sechs Millionen Euro.

Die Planungen gehen ins Detail. "Die Osttribüne, also die Gegengerade, soll nach dieser Studie mit Klappsitzen ausgestattet werden", sagt Steffen Senkbeil, der Sportamtsleiter des Bezirks Treptow-Köpenick. Senkbeil kennt die Studie genau: Die Osttribüne würde nach dem Umbau über rund 5755 Sitzplätze verfügen, die Stehplatztribünen hinter den Toren über insgesamt etwa 12 210 Stehplätze. "Im Bedarfsfall kann das Stadion komplett mit Sitzplätzen ausgerüstet werden", sagt Senkbeil. Dann könnten auch internationale Spiele an der Alten Försterei stattfinden.

Senkbeil kümmert sich seit einem Jahr um die Alte Försterei. Im Frühjahr vergangenen Jahres war der Senat noch Eigentümer des Sportgeländes, "und bis auf die Container, in denen sich die Spieler umziehen können, wurde kaum etwas ins Stadion investiert", sagt Senkbeil. Die sanitären Anlagen in der Alten Försterei waren für 2600 Besucher konzipiert. 18 100 Zuschauer passen ins Stadion. Die Haupttribüne moderte jahrelang vor sich hin, aus den Lautsprecherboxen kam kaum mehr ein Knattern. Dreieinhalb Millionen Mark hat der Bezirk im Sommer in das Stadion gesteckt. Für neue Toiletten, neue Lautsprecher, eine Flutlichtanlage und eine kleine, überdachte Haupttribüne. "Die ist aber nur provisorisch", sagt Senkbeil. Das sind die Umkleidecontainer übrigens auch. Seit Mitte der Neunzigerjahre.

Provisorisch geht es in der Alten Försterei erst einmal weiter. Im Sommer sollen die Stehplatztribünen betoniert werden, damit die Fans nicht mehr im Matsch stehen. Beim Bezirk liegen 410 000 Euro für die Sanierung bereit. Unions Präsident Bertram nennt so etwas "Flickschusterei". Irgendwann müsse Schluss sein mit Übergangslösungen. "Natürlich steckt der Senat in einer schwierigen Situation", sagt Bertram. "Aber wir wollen den Standort beibehalten."

Warum spielt Union nicht im Olympiastadion? Oder im Jahnsportpark? "So etwas ginge höchstens für eine Übergangszeit", sagt Bertram. Das Olympiastadion wird zwar saniert, liegt aber am anderen Ende der Stadt. Und im Jahnsportpark kickte einst der Erzrivale BFC Dynamo. Den Umzug würden die Fans auf Dauer nicht mitmachen.

Sogar an einen Neubau haben sie in Köpenick gedacht. "Der wäre aber zu kostenintensiv", sagt Unions Geschäftsführer Bernd Hofmann. "Wir bräuchten 65 000 Quadratmeter Grund und Boden", sagt Sportamtsleiter Senkbeil. Am jetzigen Standort ginge die Rechnung auf. Hinter der Osttribüne liegen die Plätze für Unions Nachwuchs. Schotterplätze. Neuer Kunstrasen und die Sanierung der Sanitäranlagen sind in den 21 Millionen mit veranschlagt. Wie auch eine Rasenheizung und eine Videowand.

Irgendwann im Winter haben sie wieder über den Plänen gesessen. Was wird aus der Haupttribüne, der Übergangslösung? "Wir müssen wirtschaftlich und langfristig denken", sagt Geschäftsführer Hofmann. Die Kapazität liegt bei 1500 Sitzplätzen, und die bringen kaum Geld ein. Die Stehplätze auch nicht. Dann haben sie nach Lübeck geschielt, zum Stadion an der Lohmühle. Eine schmucke Haupttribüne haben sie dort. Mit einem ordentlichen Kabinentrakt und zwei Dutzend VIP-Logen.

Das Lübecker Modell würde fünf Millionen Euro kosten. Kapazität: 7000 Sitzplätze. Ingenieur Michael Bürger schätzt die Bauzeit auf acht Monate. "Dieses Modell wird isoliert betrachtet", sagt Bürger. Mit einer detaillierten Planung hat er sich noch nicht beschäftigt. Auch nicht mit der kompletten Überdachung des Stadions.

Der Platz sei an der Alten Försterei nicht das Problem, sagt Sportamtsleiter Senkbeil. "Wir kommen mit 48 000 Quadratmetern hin. Der Trainingsplatz hinter der Haupttribüne könnte für den Neubau überbaut werden." Auf dem restlichen Gelände könnte ein dreistöckiges Parkhaus entstehen. Mit Anschluss an die neue Umgehungstraße, die hinter der Nordtribüne gebaut wird. "Aber bislang haben wir nur ein grobes Konzept, keine architektonische Ausarbeitung", sagt Unions Geschäftsführer Hofmann. Seit ein paar Tagen tut sich etwas. "Ich habe positive Signale vom Senat erhalten", sagt Präsident Bertram. "Mehr will ich noch nicht sagen."

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