Sport : 1. FC Union: Künstler unter Kraftmeiern

Karsten Doneck

Seine Aktionen wirken so leichtfüßig. Wenn er fast künstlerisch den Ball behandelt, hebt ihn das wohltuend ab von seinen Gegenspielern, die nur allzu oft mit Kraftmeierei ihre Technikdefizite auszugleichen versuchen. Und wenn Chibuike Okeke dann wieder mal auf dem Platz eines seiner Kunststückchen vorgeführt hat, liegen ihm die Fans auf den Rängen im Stadion an der Alten Försterei zu Füßen. Trotzdem: Okeke ist beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union nur Ersatz. Weil aber sein Trainer Georgi Wassilew am Sonntag gegen Schweinfurt 05 einige Stammspieler schonte, durfte Okeke auf der Position des gewöhnlich im zentralen Mittelfeld herumwuselnden Kostadion Widolow mal wieder 90 Minuten lang zeigen, welche Talente in seinen dürren Beinen schlummern. Beim 3:0-Sieg über Schweinfurt schoss Okeke nicht nur das zweite Tor selbst, er war auch der Ausgangspunkt für manch viel versprechenden Angriff.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Für Okeke war der Auftritt auch ein Kampf dagegen, in Vergessenheit zu geraten. "Ich wollte dem Trainer unbedingt zeigen, dass ich auch noch dazugehöre", sagte der Nigerianer hinterher. Was ihm durchaus gelungen ist. Nur Georgi Wassilew, nach altem Trainerbrauch ohnehin nie vollends zufrieden, wollte nach Okekes Leistung nicht gleich in Begeisterungsstürme ausbrechen. "Er hat einfach noch zu viele Leistungsschwankungen, er spielt mir einfach nicht konstant genug", kritisierte Wassilew. Nun ist Okeke gerade 22 Jahre alt geworden, da ist ein steter Wechsel zwischen Hochs und Tiefs sicher noch verständlich.

Aber dieser Okeke ist auch ein Mann, auf den sich Unions Zukunft begründet. Ein junger, talentierter Spieler, der unter Wassilew die Zeit zur Reife bekommt und in sporadischen Einsätzen über 90 Minuten, allmählich herangeführt wird an die großen Aufgaben. Union hat noch mehr von dieser Sorte im Kader: Cristian Fiel zum Beispiel. Oder Manuel Benthin, der gegen Schweinfurt als Einwechselspieler auch schon mal 60 Minuten Zweitligaluft schnuppern durfte. Trainer Wassilew vergisst diese jungen Burschen nicht, sondern gibt ihnen immer wieder das Gefühl dazuzugehören.

Okekes Dilemma besteht in erster Linie darin, dass Union in der Mittelfeldachse für Zweitligaverhältnisse übermäßig gut besetzt ist. "In der Reihe haben wir genügend Alternativen", sagt Wassilew. Nikol und Kremenliew auf den Außenpositionen, Widolow und Koilow in der Zentrale - das ist ein eingespieltes Ensemble. "Wir haben viele gute Spieler", sieht selbst Okeke ein. Wer in dieses Gefüge einbrechen will, muss schon Außergewöhnliches bieten, vor allem darf er sich keine kapitalen Fehler leisten. Und eben das passierte Okeke gegen Schweinfurt. Wassilew grollte: "Auf seinen Fehler hin folgte die Verletzung von Beuckert." Unions Torwart war nach einer halben Stunde bei einer seiner wenigen Rettungstaten mit Schweinfurts Stürmer Nagorny zusammengeprallt und hatte sich eine Prellung am rechten Knie zugezogen. Beuckert gab nachher Entwarnung: "Alles halb so schlimm."

Und auch halb so schlimm für Okeke. Wassilew wollte ihn nicht allzu hart kritisieren: "Ihm sind ein paar gute Pässe gelungen, und er hat das Tor gemacht - das war schon ganz in Ordnung." An weiteren Verbesserungen arbeitet Wassilew, denn auf Dauer kann er auf Okeke nicht verzichten. Schon der Fans wegen. Wassilew weiß: "Der Okeke - der ist doch hier bei uns der Publikumsliebling."

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