1. FC Union : Mit Aberglaube zum Ziel

Union versucht, auf ungewöhnliche Weise seine Auswärtsschwäche zu beenden – vor allem gegen Aufsteiger sieht es schlecht aus.

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Auswärts müssen für Union jetzt wieder mehr Tore fallen - und weniger reingehen. Foto: dapd
Auswärts müssen für Union jetzt wieder mehr Tore fallen - und weniger reingehen.Foto: dapd

Für Außenstehende mag es seltsam anmuten, Aberglaube ist in Fußballerkreisen jedoch eine nicht zu unterschätzende Kraft. Beim 1. FC Union machen sie da keine Ausnahme. Und so versuchte sich Trainer Uwe Neuhaus vor dem heutigen Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig an kleineren Änderungen.

Zum wöchentlichen Gespräch mit den Medienvertretern erschien beispielsweise nur Neuhaus, einen ihn wie sonst üblich begleitenden Spieler suchte man vergeblich. Das alles hat ein Ziel: Union will endlich auch einmal auswärts gewinnen. „Jeder Fußballer ist abergläubisch und an irgendwas muss es ja liegen“, sagte Neuhaus. Seit dem 19. Februar (1:0 in Duisburg) wartet der Berliner Zweitligist auf einen Sieg in einem fremden Stadion. Dabei tut sich Union auswärts mit einer Gruppe von Mannschaften besonders schwer: die der Aufsteiger. Gegen Teams, die im Jahr zuvor noch eine Liga tiefer gespielt haben, weisen die Köpenicker eine katastrophale Bilanz auf.

Seit der Rückkehr in die Zweite Liga 2009 trat Union sechs Mal bei Liganeulingen an, ein Sieg gelang nie. Fünf Niederlagen steht ein mageres Unentschieden gegenüber, bei einem Torverhältnis von 1:13. Nicht selten fiel das Ergebnis dabei drastisch aus, so wie am Anfang dieser Saison, als Union 0:4 bei Dynamo Dresden unterlag. Auch in der Vorsaison endete die Fahrt nach Osnabrück im Desaster, Union verlor 1:4. „Ich kann mir das auch nicht erklären“, sagte Neuhaus, den für diese erschreckende Bilanz keine rationelle Begründung einfallen wollte, was auch daran lag, dass es Unions Trainer dann doch zu viel wurde mit all den Zahlenspielereien. „Wir sollten das nicht zu hoch hängen“, sagte er.

Eintracht Braunschweig ist für Neuhaus auch kein typischer Aufsteiger. Seit Saisonbeginn zeigt die Mannschaft konstant gute Leitungen und hat sich im oberen Drittel der Tabelle festgesetzt. Erst am vergangenen Montag gelang den Niedersachsen eine weitere Überraschung, als sie souverän mit 3:1 bei Aufstiegsanwärter Greuther Fürth gewannen. Parallelen zu Unions Aufstiegssaison 2009/10 sind durchaus erkennbar. Damals starteten die Berliner ebenfalls furios, konnten ihre Form aber nicht halten und sicherten sich am Ende nur mit Mühe den Klassenerhalt. Erste Anzeichen, dass auch Braunschweig einbrechen könnte, gibt es zwar nicht, trotzdem „bietet sich der Vergleich an“, sagt Neuhaus.

Auch was die Begeisterung der Zuschauer angeht, sind sich beide Vereine ähnlich. Für das heutige Spiel waren am Donnerstag nur noch wenige Restkarten erhältlich. Auf Unions Fußballer wartet also wie schon am vergangenen Freitag gegen St. Pauli eine stimmungsvolle Atmosphäre. Bei der 0:2-Niederlage gegen die Hamburger musste Stürmer John Jairo Mosquera verletzt ausgewechselt werden, sein Einsatz in Braunschweig ist laut Trainer Neuhaus eher unwahrscheinlich. Für Mosquera könnte Halil Savran von Beginn an spielen, der zuletzt an Angina erkrankte Marc Pfertzel ist ebenfalls wieder fit. Auch die Variante mit Silvio als einziger Spitze ist denkbar, für diesen Fall könnte Chinedu Ede in die Mannschaft rücken. Der erzielte beim letzten Auswärtssieg in Duisburg das entscheidende Tor. Ein gutes Omen für alle, die sich bei Union dem Aberglaube nicht entziehen können.

So könnte Union spielen:

Glinker - Pfertzel, Stuff, Madouni,

Kohlmann - Karl - Quiring, Mattuschka

Parensen - Silvio, Savaran

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