Sport : 1. FC Union: Mit den Eisernen endlich Geld verdienen

Stefan Hermanns

Michael Kölmel, der Chef der Kinowelt Medien AG, hat ein Faible für finanziell taumelnde Traditionsvereine. 13 Klubs zählen inzwischen zu seinem Portfolio, der erste Verein aber, den er mit seinen Millionen vor dem Ruin gerettet hat, war der 1. FC Union. "Ein ganz knapp zweistelliger Millionenbetrag" ist nach Angaben Kölmels bisher nach Köpenick geflossen. Mit Nächstenliebe hat das nur bedingt zu tun. Kölmel hat Mathematik studiert und ist promovierter Volkswirt. Die Investitionen sollen sich also irgendwann auch für ihn rechnen.

Bei Union könnte dies nun "relativ schnell gehen", sagt Kölmel. Vier Millionen Mark hat der Regionalligist bisher im DFB-Pokal eingenommen, 2,5 Millionen kommen beim Finale aus Eintrittsgeldern, Fernsehhonoraren und Bandenwerbung hinzu - Geld, das im Etat für diese Saison logischerweise nicht eingeplant war und das jetzt zur Tilgung der Darlehen an die Kinowelt fließt. Wirklich interessant wird die bisher einseitige Geschäftsbeziehung für Kölmel aber erst, sollte Union kommende Saison im Europacup spielen. Ausgeschlossen ist dies nicht mehr: Wenn Finalgegner Schalke 04 in der Bundesliga unter den ersten vier landet, sich somit für die Champions League qualifiziert, dürfte Union im Uefa-Cup starten, unabhängig davon, ob der Klub das Finale gewinnt oder verliert. Wird Schalke Fünfter oder Sechster, ginge Union leer aus. Dann rückte der Ligasiebte nachträglich in den Uefa-Cup.

Kölmel hat Schalke daher im Halbfinale gegen Stuttgart "die Daumen gedrückt". Das lag weniger an seinem Faible für Traditionsvereine, sondern hatte ausschließlich finanzielle Gründe. Anders als bei der Champions League werden die Fernsehrechte für den Uefa-Cup nicht zentral vom Europäischen Fußballverband vermarktet. Jeder Verein ist selbst dafür verantwortlich, was er bei den Fernsehanstalten für sich herausschlagen kann. Für Kölmel wäre es "das erste Mal, dass wir in Aktion treten könnten", das erste Mal also, dass die Kinowelt mit Union Geld verdienen könnte: Sein Unternehmen bekomme für die Vermarktung, wie Kölmel sagt, "marktübliche Provisionen".

Die Konstellation, dass mit Union ein Dritt- oder bestenfalls Zweitligist im Europapokal anträte, hält er für "so exotisch", dass sie bestimmt das Interesse des Fernsehens wecken würde. Finanziell spränge "sicher ein Millionenbetrag heraus", sagt Kölmel. Was im Fall der Fälle mit diesem Geld passierte, "müssen wir besprechen". Der Verein mache dazu die Vorschläge. Schöne Aussichten also für Union und seinen Mäzen; nur eine Ungewissheit bleibt: Dass Schalke in der Bundesliga unter die ersten vier kommt, sagt Kölmel, "ist leider noch keine sichere Sache".

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