Sport : 1. FC Union: Mit den Toren wächst das Konto

Karsten Doneck

Heiner Bertram hat in den Jahren seiner Präsidentschaft beim 1. FC Union ein Gespür für die Sorgen und Nöte seines Vereins entwickelt. Da kommt es nicht von ungefähr, dass er in letzter Zeit häufiger mal von "einem echten Glücksfall" spricht. Eigentlich sind es mehrere Glücksfälle: der Aufstieg in die Zweite Liga, das Erreichen des DFB-Pokalendspiels, die Teilnahme am Uefa-Cup. Hart erarbeitet einerseits und andererseits belohnt von finanziellem Segen.

Union genehmigte sich für diese Saison einen Etat in Höhe von 13,7 Millionen Mark. Das ist Zweitliga-Mittelmaß, aber eine Menge für einen Verein, dessen ehedem spendabler Gönner Michael Kölmel mit seinem Unternehmen Kinowelt in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Union fehlten dadurch von Kölmel zugesicherte Darlehen in Höhe von 1,4 Millionen Mark.

Deshalb wurde erst einmal auf Transfergeschäfte im großen Stil verzichtet. Für bescheidene 700 000 Mark kamen nach dem Aufstieg fünf neue Spieler hinzu. Durch den Pakt mit Rechtevermarkter Ufa für die Erstrundenspiele im Uefa-Pokal gegen Finnlands Vertreter Haka Valkeakoski nimmt Union rund eine Million Mark ein. Da Union auch die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht hat, ist die Finanzlücke von 1,4 Millionen Mark im Etat schon mal geschlossen. Erreicht der 1. FC Union die zweite Runde im Uefa-Pokal, was nach dem 1:1 im Hinspiel in Valkeakoski realistisch ist, beginnt der Verein schwarze Zahlen zu schreiben. Die Ufa hat bereits zugesichert, alle Uefa-Cup-Spiele Unions zu vermarkten. Damit würde der Verein in Runde zwei wieder mindestens eine Million kassieren, müsste allerdings einen Teil davon abgeben. Kölmel wäre in dem Fall angeblich mit 30 Prozent an den Einnahmen beteiligt. Der Vorstoß bis in Runde drei im DFB-Pokal, im Auswärtsspiel beim fünftklassigen SSV Ulm denkbar, würde das Konto weiter wachsen lassen.

Rosige Zeiten also? Nicht ganz. Der Zuschauerkalkulation läuft Union hinterher. Mit 9000 im Schnitt hat der Verein gerechnet, aber in den drei bisherigen Heimspielen schauten nur 8500 Besucher im Schnitt an der Alten Försterei vorbei. Der Zuspruch weist sinkende Tendenz auf: Kamen zum ersten Spiel gegen Hannover 96 noch 9072 Zuschauer, so waren es beim zweiten gegen LR Ahlen nur noch 8607 und zuletzt gegen SSV Reutlingen 7849.

Jede Mark mehr kann Union gut brauchen. Denn es gibt Begehrlichkeiten. Trainer Wassilew wünscht sich eine Sturmverstärkung, im Stadion ist manches baufällig, dann möchte Union zwecks weiterer Professionalisierung der Strukturen gerne noch einen Manager anstellen, der frühere Schalker Profi Klaus Berge (40) ist erster und einziger Anwärter auf den Posten. Aber immerhin können diese Begehrlichkeiten durchdacht werden, ohne all die Glücksfälle wäre der 1. FC Union wieder das, was er längst zu überwunden haben glaubte: bettelarm und vom Konkurs bedroht.

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