Sport : 1. FC Union: Mit fremden Federn schmückt sich Tredup nicht

Claus Vetter

Vom Mommsenstadion zur Alten Försterei - das ist für die Verantwortlichen vom 1. FC Union und Tennis Borussia längst kein Neuland mehr. Nur die Anhänger der beiden Berliner Fußball-Regionalligisten stellen sich ob der stets kultivierten Feindschaft zwischen den beiden Lagern gerne quer. So zeigten sich beispielweise im Frühjahr bei einer Abstimmung im Internet 38 Prozent der Union-Fans von einer Verpflichtung Harun Isas angetan, 23 Prozent davon indes mit der Einschränkung, das sich das Betätigungsfeld des ehemaligen TeBe-Stürmers auf das Aufpumpen von Bällen zu beschränken habe. Dass mit Manuel Benthin und Marko Tredup neben dem von Erzgebirge Aue verpflichteten Isa noch zwei Akteure von TeBe, ohne Umwege allerdings, in die Wuhlheide kamen, schien die Fans hingegen nicht sonderlich aufzuregen.

"Ich hatte da überhaupt keine Probleme oder Negativerlebnisse", erzählt Marko Tredup, "zum Einen habe ich ja früher schon mal bei Union gespielt, zum Anderen sind auch ein paar meiner Freunde Union-Fans, die haben es ohnehin nicht gern gesehen, dass ich bei TeBe war." Und was Harun Isa betrifft, da habe sich die Sache inzwischen auch beruhigt, glaubt der 26-Jährige. Statt die Bälle aufzupumpen, hat der dieselben nämlich schon zwei Mal im Netz versenkt. "Ich denke, Harun hat alle Leute überzeugt", sagt Tredup.

Vier Jahre hat der gebürtige Berliner das TeBe-Trikot getragen. Ausgerechnet in der zurückliegenden, verkorksten Zweitliga-Saison war Tredup Publikumsliebling im Mommsenstadion, wurde gar von den Fans zum besten Spieler der Hinrunde gewählt. "Bei TeBe hatte ich eine schöne Zeit", sagt er. Trotzdem - das Thema ist für ihn abgehakt, das am Sonnabend in der Alten Försterei anstehende Lokalderby ein Spiel wie jedes andere. Dass hinter den Kulissen noch um eine angeblich ausstehende Ablösesumme gefeilscht wird - TeBe verlangt noch rund 500 000 Mark für Tredup - störe ihn nicht. "Ich freue mich darauf, am Sonnabend viele Verantwortliche von TeBe wiederzusehen, schließlich sind wir im Guten auseinander gegangen. Was da sonst noch passiert, damit habe ich nichts zu tun. Das sollen die mal so machen, wie sie denken." Über den alten Arbeitgeber kommt Tredup nur Gutes über die Lippen, auch wenn für ihn am Ende der zurückliegenden Spielzeit feststand, dass er in der Regionalliga nicht mehr für TeBe gegen den Ball treten wollte. Union bietet die besseren Perspektiven. Trotz des guten Starts von Union ist er jedoch von der Euphorie in der Wuhlheide ein wenig überrascht. "Ich weiß nicht, ob man nach ein paar Spielen schon vom Aufstieg reden sollte."

Mit der eigenen Rolle ist Tredup - vor Wochen noch als Nachfolger von Jörg Schwanke angekündigt - noch nicht zufrieden. Zuletzt wurde er von Trainer Georgi Wassilew im halbrechten Mittelfeld eingesetzt. "Hier wird eben ein anderes System als bei TeBe gespielt, da muss ich mich noch anpassen." Immerhin, zuletzt beim Spitzenspiel bei Eintracht Braunschweig wurde Tredup in den Gazetten schon mal als Held gefeiert: Weil er angeblich in letzter Sekunde auf der Linie geklärt, und so das 0:0 gerettet hatte. Falscher Lorbeer, klärt Tredup auf. "Das war Ronny Nikol."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben