1. FC Union nach Pleite gegen TSV 1860 : Norbert Düwel verteidigt Stinkefinger

Mal wieder überlagern Nebengeräusche beim 1. FC Union das sportliche Geschehen. Trainer Norbert Düwel kommt das nach der Heimpleite gegen den TSV 1860 München gar nicht ungelegen.

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Zaudern statt zaubern. Unions Trainer Norbert Düwel hatte gegen 1860 München kein Glück mit seinen Personalentscheidungen. Der Berliner Zweitligist hofft nach dem 1:4 weiter auf ein Ende der Krise. Foto: imago/Sebastian Wells
Zaudern statt zaubern. Unions Trainer Norbert Düwel hatte gegen 1860 München kein Glück mit seinen Personalentscheidungen. Der...Foto: imago/Sebastian Wells

Berlin - Die Trainingseinheit am Sonntagmorgen verbrachte Norbert Düwel hauptsächlich damit, Einzelgespräche mit seinen Spielern zu führen. Nach der 1:4-Niederlage gegen 1860 München hatte der Trainer des 1. FC Union Redebedarf, zu erschreckend schwach war die Leistung seiner Mannschaft über weite Strecken des Spiels gewesen. „Wir werden das sehr intensiv aufarbeiten und uns sicher auch morgen noch mal mit dem Spiel beschäftigen“, sagte Düwel. Die teilweise recht langen Unterredungen seien also „nichts Außergewöhnliches“.

Außergewöhnlich war aber das Spiel für Düwel gewesen. Zumindest dessen Ende. Der Trainer hatte für einen kurzen Augenblick die Nerven verloren und einen ausgestreckten Mittelfinger Richtung Tribüne gezeigt. Sie galt einem Union-Fan, der zuvor gepöbelt hatte.

Einen Tag nach dem Vorfall nahm Düwel noch einmal ausführlich Stellung: Er sei gerade auf dem Weg zur Trainerbank gewesen, um seinen Kollegen von 1860 zu beglückwünschen. „Da hat eine Person mich und meine Familie aufs Übelste beschimpft. Natürlich würde ich meine emotionale Reaktion gern ungeschehen machen, aber bestimmte Dinge haben auch ihre Grenze.“ Für persönliche Beleidigungen habe er kein Verständnis. „Die sind mit einer Eintrittskarte nicht gerechtfertigt. Keiner, der sich eine Eintrittskarte kauft, erkauft sich damit das Recht zu beleidigen“, sagte Düwel. Nur weil er der Union-Trainer sei, gebe er nicht automatisch seine Persönlichkeitsrechte auf. Vom Verein erwarte er keine Strafe für sein Verhalten, so Düwel.

Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Nebengeräusche vom sportlichen Geschehen beim 1. FC Union ablenken. Nach der desaströsen Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg (0:4) war es der sich anbahnende Abschied von Torsten Mattuschka, der die Verfehlungen auf dem Feld in den Hintergrund rücken ließ.

Norbert Düwel dürfte das trotz aller Aufregung um seine Person auch dieses Mal nicht ganz ungelegen kommen. Gegen 1860 München hatte er im Nachhinein mit einigen Entscheidungen ziemlich daneben gelegen. Nach mehrwöchiger Verletzungspause nahm Düwel Verteidiger Fabian Schönheim wieder in die Mannschaft, Roberto Puncec blieb dafür draußen. Schönheim sah bei allen vier Gegentoren schlecht aus. „Er hat einen rabenschwarzen Tag erwischt, natürlich trägt er bei den Gegentoren eine Schuld“, sagte Düwel über Schönheim.

Auch der Wechsel auf der Torhüterposition brachte nicht die gewünschte Stabilität, obwohl Daniel Haas keinen entscheidenden Fehler beging. Unions größtes Problem bleibt, dass die Mannschaft nicht in der Lage ist, über 90 Minuten eine konstant gute Leistung abzurufen. In der zweiten Halbzeit, als das Spiel nach dem 0:4 entschieden war, drehten die Berliner plötzlich auf. Achtzehn Mal schossen sie nach der Pause auf das gegnerische Tor, in der ersten Halbzeit waren es nur drei Versuche gewesen. Diese Schwankungen innerhalb eines Spiels gab es in dieser Saison schon häufiger zu sehen. „Es ist erstaunlich, dass wir zwei so extrem unterschiedliche Gesichter zeigen“, sagt Düwel.

Bisher ist es dem Trainer noch nicht gelungen, daran etwas zu ändern.

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