1. FC Union nach Sieg gegen Sandhausen : Norbert Düwel und der Geist von Kienbaum

Der 3:1-Sieg gegen Sandhausen verringert vorerst den Druck auf Unions Coach Norbert Düwel. Wie viel der Sieg wirklich wert ist, zeigt sich aber erst am kommenden Freitag, wenn Union beim VfR Aalen antreten muss.

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Ein bisschen Leichtigkeit. Sören Brandy erzielte das Tor zum 2:1 gegen Sandhausen.
Ein bisschen Leichtigkeit. Sören Brandy erzielte das Tor zum 2:1 gegen Sandhausen.Foto: dpa

Sebastian Polters Gesicht spiegelte die Gefühlswelt beim Zweitligisten 1.FC Union Berlin nach dem 3:1-Erfolg gegen den SV Sandhausen wider. Der Angreifer hatte einen Cut unter seinem linken Auge, als er seine kleine Tochter mit auf die Ehrenrunde im Stadion An der Alten Försterei nahm. Durch die beiden schmalen Pflaster schimmerte Blut. Der Doppeltorschütze war angeschlagen, aber glücklich, auch wenn sich der familieneigene Nachwuchs nicht zum Mittanzen auf dem Rasen vor den Fans auf der Waldseite überreden ließ.

Der zweite Saisonsieg bringt etwas Ruhe in den Verein und die Diskussion um Trainer Norbert Düwel. Dass Union in der ersten Halbzeit kein Zweitliga-Niveau zeigte, konnte durch die deutliche Steigerung nach der Pause kaschiert werden. Im Fußball zählt eben das Ergebnis. Der Pflichtsieg gegen Sandhausen, das auf mehr als ein halbes Dutzend Stammkräfte verzichten musste, sollte irgendwie her – und er wurde eingefahren. Vielleicht spielte hierbei das Geheimtrainingslager in Kienbaum eine Rolle. „Wieviel Geist da zu spüren war, kann ich nicht in Prozenten auszudrücken. Aber ich denke, dass uns das Kurztrainingslager sehr gut getan hat“, sagte Norbert Düwel. „Wir haben in der zweiten Halbzeit das Herz in die Hand genommen. Vielleicht war es der besagte Geist von Kienbaum. Wenn dem so ist, hoffe ich, dass er noch mehrere Spiele anhält.“

Die ersten 45 Minuten zeigten allerdings, dass der Druck auf die Mannschaft sehr groß ist. Trainer Norbert Düwel wirkte ratlos an der Seitenlinie, die Fans mussten sich mit dem Anfeuern der völlig verunsicherten Mannschaft selbst Mut zusprechen. Präsident Dirk Zingler machte auf dem Sitzplatz vor seiner Loge eine sehr nachdenkliche Miene. Die hellte sich später auf. Durch den Sieg muss Zingler erst einmal nicht eingreifen, was schon im Falle einer Niederlage der Fall hätte sein können. Vielleicht haben Düwel nur 45 Minuten von seiner Entlassung getrennt. Doch in der Halbzeitpause hatte er nicht nur den Mut, Kapitän Damir Kreilach durch das offensivstärkere Talent Eroll Zejnullahu zu ersetzen. Düwel fand offensichtlich auch die richtigen Worte. „Der Trainer hat klare Ansagen gemacht, dass das Angsthasenfußball ist. Jeder wollte danach ein anderes Gesicht zeigen“, meinte Mittelfeldspieler Christopher Quiring.

Die Fußballer fühlten sich vielleicht auch an der eigenen Ehre gepackt. „Wir spielen ja nicht für oder gegen den Trainer, sondern erst einmal alle für uns selbst und dann als Mannschaft und dann für den ganzen Verein“, sagte Sören Brandy, Torschütze des Treffers zum 2:1. „Jeder, der auf dem Feld war, wollte das Spiel gewinnen. Wir sind schwer reingekommen, aber in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass das wirklich so ist.“

Allerdings: Schon nach dem ersten Saisonsieg gegen Leipzig (2:1) am 21. September glaubte Union an den Befreiungsschlag. Im Anschluss gab es in drei Partien nur einen Zähler. Deshalb ist man sich diesmal nicht wirklich sicher, ob nun weiter fleißig gepunktet werden kann. Beim nächsten Gegner VfR Aalen unterlag Union in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils mit 0:3. „Man muss den Freitag abwarten. Wenn wir wieder mit einer 0:3-Niederlage nach Hause fahren, hat der Sieg gegen Sandhausen nichts gebracht. Deshalb sollten wir auch auswärts mal drei Punkte mitnehmen“, sagte Christopher Quiring. Im Jahr 2014 konnten die Köpenicker allerdings keine ihrer zwölf Auswärtspartien gewinnen.

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