Sport : 1. FC Union: Noch eine Momentaufnahme

Karsten Doneck

Mal angenommen, Schalke 04 vergeigt jetzt noch, dicht vor dem Ziel, die Deutsche Meisterschaft. Und der 1. FC Union würde mit seinem fast realisierten Vorhaben, in die Zweite Liga zu klettern, in letzter Minute scheitern. Derlei Malheur würde beim DFB-Pokalfinale am 26. Mai in Berlin, in dem beide Vereine aufeinandertreffen, zu einem kollektiven Wehklagen königsblauer und rot-weißer Fangemeinden führen. Selbst der Pokalgewinn könnte dann wohl kaum als Seelentröster herhalten. Zu den Dingen, die wirklich wichtig sind in deutschen Fußball-Landen, gehört dieser DFB-Pokal nicht mehr unbedingt. Meisterschaft und Aufstieg, dauerhaftere Werte also, haben Priorität. Der DFB-Pokal - er ist Beiwerk.

Nur weil die Bundesligaklubs Jahr für Jahr weniger Lust verspüren, sich durch die einzelnen Pokalrunden Richtung Berlin ins Finale zu quälen, tauchen überhaupt vermehrt unterklassige Klubs im Endstadium dieses Wettbewerbs auf. Für die, die sich in Liga zwei oder - wie Union - sogar in der Regionalliga um den Aufstieg bemühen, ist das Fortkommen im Pokal zwar genauso mühsam, hat aber durchaus angenehme Begleiterscheinungen. Nicht nur, weil diese Fußballer im Vergleich zu ihren Kollegen in Liga eins sonst eher etwas im Verborgenen gegen den Ball treten, sondern weil für ihren Klub finanzielle Reize geboten werden.

Zum Thema Online Spezial: Schafft Union den Aufstieg? "Unser Kapitalbedarf hat sich in dieser Saison schlichtweg halbiert", sagt Heiner Bertram, der Union-Präsident. Noch vor der Saison ging Union, seit Bertrams Amtsantritt endlich seriös wirtschaftend, davon aus, man müsse in dieser Saison den Sponsor, das Unternehmen Kinowelt von Michael Kölmel, um Darlehen von rund acht Millionen Mark angehen. Durch die Einnahmen im DFB-Pokal konnte diese Summe auf vier Millionen gedrückt werden. Allein bei der Teilnahme am Pokalfinale sind jedem Klub 2,5 Millionen Mark netto garantiert. Für Schalke keine weltbewegende Summe, für Union indes ein kleines Vermögen. Derlei Aufbauhilfe ist gerade für einen Drittligisten immens wichtig. "In dieser Regionalliga kann man nicht wirtschaftlich arbeiten", hat Bertram erkannt. Längst kursiert das böse Wort von der Schuldenliga.

Da sich Schalke schon zwei Spieltage vor Saisonende zumindest die Qualifikation für die Champions League gesichert hat, zieht Union als Pokalfinalist auf jeden Fall in den Uefa-Cup ein. Aber auch da gilt für Heiner Bertram: Liga-Alltag vor Pokal. "Der Europapokal", so der Präsident, "ist doch nur eine Momentaufnahme."

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