Sport : 1. FC Union: Nur unentschieden

Karsten Doneck

Guter Service ist wichtig. Daher veröffentlicht der 1. FC Union in seinen Programmheften zu den Heimspielen regelmäßig die günstigsten Bahnverbindenungen zum nächsten Auswärtsgegner. Wer diesmal dem vorgegebenen Fahrplan folgte, der war indes angeschmiert. Die Programmmacher schlugen für die Rückfahrt vor: Schönes-Wochenende-Ticket, Abfahrt Wattenscheid, Gleis 4, um 15.28 Uhr. Da freilich waren im Lohrheidestadion erst 28 Minuten gespielt. Wer von den Union-Fans zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon im Zug saß, versäumte ein recht flottes, teilweise auch dramatisches Regionalliga-Spiel, in dem sich der Favorit aus Berlin gegen Wattenscheid 09 nicht durchsetzen konnte. Das 2:2 war für Union besonders deshalb schmerzlich, weil der Kontrahent eine Halbzeit lang mit nur zehn Mann auskommen musste.

Der durchweg unsichere Schiedsrichter Marc Seemann (Essen) schickte kurz vor der Pause den Wattenscheider Przybilla mit der Gelb-Roten Karte vom Feld. Der Gastgeber führte zu diesem Zeitpunkt 1:0 durch Iyodo und geriet in Unterzahl mächtig unter Druck. Der Ausgleich durch Menze (48.) und die 2:1-Führung durch Teixeira waren die fast logische Konsequenz. Doch dann passierte das, was Union-Stürmer Harun Isa in Harnisch versetzte. "Da müssen unsere Abwehrspieler wohl irgendwo im Container geschlafen haben, dass wir uns gegen zehn Leute noch das 2:2 einfangen", grollte Isa. Shittu war der Torschütze für Wattenscheid (69.).

Union konnte mit der Punkteteilung die Position im Aufstiegskampf nicht verbessern. Sechs Punkte beträgt der Abstand zu den ersten beiden Plätzen. Eine Menge Holz, zumal nur noch 13 Spiele anstehen, das nächste gegen Spitzenreiter Eintracht Braunschweig. Doch den Stab wollte Trainer Georgi Wassilew über sein Team nicht brechen. "Wir waren besser", urteilte er, "aber in mancher Situation fehlte bei uns nach der ganzen Pokal-Euphorie auch ein bisschen die Konzentration, und am Ende auch die Kraft." Kaum einer in den rot-weißen Trikots bot Überdurchschnittliches. Allenfalls kämpferisch gaben die Union-Spieler alles.

Hannes Bongartz, Wattenscheids Trainer, grollte vor allem Andreas Przybilla. "Durch eigene Nachläsigkeiten bringen wir uns um den Lohn unserer Arbeit", rügte er seinen Spieler, der Gelb wegen Meckerns sah und drei Minuten später Gelb-Rot für ein Foul. "Ich weiß gar nicht, wie man so einen bestrafen soll", sagte Bongartz. "Eine Geldstrafe geht nicht, weil die Spieler bei uns sowieso nicht so viel verdienen. Am besten wäre, wenn man solche Leute sofort auswechselt."

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