1. FC Union : Patschinski: Geduldet in Liga sechs

Der 1. FC Union muss Nico Patschinski in seiner zweiten Mannschaft mittrainieren lassen, nachdem dieser sich erfolgreich gegen seine Kündigung gewehrt hat. Er ist mit 15.000 Euro Gehalt vermutlich der teuerste Sechstliga-Spieler der Welt.

Matthias Koch
1. FC Union Berlin II Training 2009-2010
Training eingeklagt. Nico Patschinski hat vor dem Arbeitsgericht erreicht, dass er beim 1. FC Union aufs Feld darf - allerdings...Foto: City-Press

Berlin - Im Stadion An der Alten Försterei fehlte eigentlich nur der rote Teppich. Als Nico Patschinski am Donnerstagabend erstmals nach über vier Monaten wieder das Gelände des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union betrat, war das Medienaufkommen für einen Sechstligaspieler gigantisch. Vier Fotografen und drei Printjournalisten beobachteten das Auftakttraining der zweiten Mannschaft der Köpenicker. Dorthin hat ihn die Vereinsführung beordert, nachdem sich der 32 Jahre alte Stürmer am 3. Juni vor dem Berliner Arbeitsgericht erfolgreich gegen seine fristlose Kündigung vom 4. März wegen angeblich vereinsschädigenden Verhaltens gewehrt hatte.

„Ich fühle mich gut. Es ist schön, wieder mal mit einer richtigen Mannschaft auf dem Rasen zu stehen“, sagte der fit wirkende Angreifer nach der ersten Einheit unter Trainer Theo Gries. In der Kabine hatte Gries den gefallenen Star nicht besonders vorgestellt. „Ich bin doch bekannt durch Presse, Funk und Fernsehen und die Panini-Bilder“, sagte Patschinski. Seinen Humor hat der frühere Spieler des FC St. Pauli nicht verloren, obwohl er unter strenger Beobachtung steht. Mit Journalisten darf er nur reden, wenn Vereinssprecher Christian Arbeit dabei ist. Sonst drohen Patschinski weitere Abmahnungen. Auch vor seinem ersten Training auf den Plätzen der Nachwuchsabteilung hatte Arbeit den Stürmer noch einmal auf diesen Sachverhalt hingewiesen.

„Ich will in der zweiten Mannschaft auffallen, ein Führungsspieler sein und mich dann über einen weiten Weg vielleicht für die erste Mannschaft anbieten“, sagte Patschinski. „Die Chance ist gering. Aber wenn ich der zweiten Mannschaft helfe, helfe ich auch ein Stück weit dem Verein.“ Momentan läuft die Zusammenarbeit außerhalb des Rasens aber nur über die Anwälte oder den Gerichtsvollzieher. Letzterer soll bei Union ein Konto gefährdet haben, weil der Verein der vom Arbeitsgericht angeordneten Auszahlung einer einbehaltenen Vertragsstrafe in Höhe von 5000 Euro wohl noch nicht nachgekommen ist. Unions Geschäftsführer Oskar Kosche möchte sich dazu nicht äußern, zumal sein Klub auf die Berufung hofft.

Bis dahin oder bis zum Vertragsende am 30. Juni 2010 ist Patschinski mit einem Gehalt von monatlich 15.000 Euro brutto vielleicht der teuerste Sechstligaspieler der Welt. Eine außergerichtliche Einigung ist wohl erst bei rund 150.000 Euro Abfindung möglich. Das ist rund die Hälfte dessen, was der Spieler bis zum kommenden Sommer verdienen würde.

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