1. FC Union : Sascha Lewandowski - ein Mann für alle Register

Unions Trainer Sascha Lewandowski setzt auch nach dem ersten Saisonsieg auf eher untypische Methoden.

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Richtige Ansprache. Chef mit Personal.
Richtige Ansprache. Chef mit Personal.Foto: dpa/Deck

Sascha Lewandowski fuhr am Sonntag mit dem Fahrrad am Übungsgelände vor. Der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union hatte sich einen Tag nach dem 3:0-Erfolg beim Karlsruher SC, dem ersten Sieg der neuen Saison, zunächst um die Stammspieler gekümmert. Später sah der 43-Jährige beim Training seiner Ersatzspieler zu. All jene, die in Karlsruhe gar nicht oder nur sehr kurz zum Einsatz gekommen waren, wurden vorsorglich von den Co-Trainern André Hofschneider und Sebastian Bönig beaufsichtigt. Und Lewandowski?

Der neue Coach nutzte hin und wieder die Zeit, um sich mit Bauchmuskelübungen oder Liegestützen in Form zu halten. Da so etwas in den letzten Jahren von seinen Vorgängern Norbert Düwel und Uwe Neuhaus zumindest auf dem Trainingsrasen nicht zu sehen war, wirkten vor allem die ständigen Beobachter des Köpenicker Klubs ziemlich überrascht. Die Erklärung war jedoch plausibel. „Ich habe mein sporadisches Programm, bei dem ich mich bewege. Das ist die einzige Zeit, in der ich selbst ein bisschen Zeit habe, wenn die Co-Trainer das machen“, sagte Lewandowski am Sonntagmittag. Anschließend wollte er sich das Spiel der Konkurrenz zwischen Fürth und Nürnberg im Fernsehen ansehen, das eigene Spiel sei auch noch nicht durchanalysiert.

Das Ergebnis vom Vortag in Karlsruhe hat für große Erleichterung bei Spielern und Fans gesorgt. Der erste Saisonsieg wurde von vielen als Befreiungsschlag gefeiert. Lewandowski sah nach zehntägiger Amtszeit durchaus Fortschritte. „Wir haben zumindest schon kleine Ansätze gesehen. Mehr war nach der kurzen Zeit nicht zu erwarten. Vorher ist die Mannschaft sehr oft ohne Not in die Tiefe gefallen. Sie hat teilweise in Überzahl Räume im Mittelfeld aufgegeben“, erklärte er. „Deswegen war für mich einer der Hauptansatzpunkte, dass man in der Arbeit gegen den Ball sieht, dass man vorwärts verteidigt.“

Geht es jetzt "richtig los" bei Union?

In den ersten Minuten erhielt Stürmer Bobby Wood als einzige echte Spitze im 4-2-3-1-System vor allem durch Damir Kreilach Unterstützung. Der Kapitän lief wie ein Vollblutstürmer die Hintermannschaft des KSC an, wenn dieser in Ballbesitz war. „Wir hatten uns vorgenommen, dass wir in den ersten Minuten raufgehen. Danach sind wir zum Mittelfeld-Pressing übergegangen“, sagte der in Karlsruhe stark verteidigende Toni Leistner. „Ich denke, es hat auch gut geklappt. Der Sieg tut uns gut. Jetzt können wir Schritt für Schritt umsetzen, was der Trainer sehen will. Man kann sagen, jetzt geht es richtig los.“

Das war im Grunde allen Beteiligen schon vor dem Spiel anzumerken. Die Erwärmung überließ Lewandowski im Gegensatz zu Düwel nicht nur seinen Co-Trainern, im Gegenteil: Der neue Trainer war, mittendrin, redete auf die Spieler ein, klatschte sie ab oder nahm sie umarmend beiseite. „Wir arbeiten in der Woche eng zusammen, man spricht und macht viel. Da will ich schon vor dem Spiel individuell klare Botschaften loswerden“, sagte Lewandowski. „Ich will dicht dran sein an den Spielern. Das hat viel mit Emotionen und enger Zusammenarbeit zu tun.“

Zum Debüt passte dieser Motivationsschub vermutlich ganz gut. Es könne aber auch einmal andere Situationen geben, in denen er auf Distanz gehe. „Ich muss als Trainer alle Register ziehen können“, sagte Lewandowski. Bei den Spielern kommt das bislang sehr gut an. Es sei vorher „nicht alles scheiße“ gewesen, meinte Torhüter Torwart Daniel Haas. Man habe in der einen oder anderen Situation nicht das Glück gehabt. „Dann hätten wir einige Punkte mehr auf dem Konto. Wir sind jetzt mit einem sehr positiven Gefühl ins Spiel gegangen“, berichtete Haas. „Der neue Trainer hat versucht, uns den Druck von außen zu nehmen. Er sagte, dass natürlich noch nicht alles klappen kann. Wir waren bemüht, die Sachen umzusetzen. Ich denke, das hat man gesehen.“

Eine neue Sichtweise hatte auch Co-Trainer Hofschneider. Während Lewandowski und der zweite Assistent Bönig am Spielfeldrand saßen, beobachtete Hofschneider die Partien in beiden Spielhälften jeweils zeitweise unter den Zuschauern auf der Tribüne. „Warum sollen wir zu dritt unten sitzen und alle die gleiche Perspektive haben?“, meinte Lewandowski darauf angesprochen. „Wenn man von oben das Spiel beobachtet, sieht man aufgrund der Höhe mannschaftstaktische Dinge besser und leichter.“

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