1. FC Union : Schmerzen statt Party

Mit der ersten Niederlage nach 18 Spielen hat der 1. FC Union den vorzeitigen Aufstieg in die Zweite Liga verpasst. Der Ärger darüber war den Spielern deutlich anzumerken.

Katrin Schulze
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Frustbiss. Karim Benyamina muss mit Union auf den Aufstieg warten. Foto: König

Berlin - Weg war er. Vor allen anderen verschwand Karim Benyamina im Eilgang in die Kabine. Kein Wort. Und kein Blick zurück. Der Torjäger in Diensten des 1. FC Union konnte seine schlechte Laune nicht verbergen. 18 Spieltage in Folge hatte er mit seinem Team nicht verloren, bevor die Berliner am Samstagnachmittag 0:1 (0:1) gegen die Spielvereinigung Unterhaching unterlagen. Allein die Tatsache, dass Serien im Fußball endlich sind, brachte Benyamina aber wohl nicht in Aufruhr. Schließlich führt Union weiterhin souverän die Tabelle der Dritten Liga an und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Aufstieg in die Zweite Liga auch rechnerisch gelingt – zu groß ist der Vorsprung auf die Verfolger. Vielmehr schmerzte der Misserfolg, weil die Unioner ihre Aufstiegsparty, die es bei einem Sieg gegeben hätte, gerne vor eigenem Publikum geschmissen hätten.

Genug Möglichkeiten dazu hatten sie. „Aber uns hat die letzte Konsequenz gefehlt“, sagte Hüzeyfe Dogan. „Vielleicht hat auch die Konzentration ein wenig nachgelassen.“ Dogan meinte damit vermutlich vor allem sich selbst: Nach einer Flanke von Benyamina köpfte er in der 58. Spielminute aus kurzer Distanz völlig frei stehend am Tor vorbei – die beste Gelegenheit für den 1. FC Union. Sie war symptomatisch für das Spiel der Berliner, die schlicht nicht zwingend genug agierten.

Natürlich kamen sie dann, die typischen Fragen nach so einer Partie. Hat der Gedanke an den Aufstieg die Mannschaft nervös werden lassen? Oder war sie gedanklich etwa sogar schon in der Zweiten Liga? Und natürlich gab es auch wieder jene Verweise auf die Vergangenheit, als die Unioner bei entscheidenden Begegnungen oft Nerven zeigten. Wie war das doch gleich, als sie vor einigen Jahren nach einer 1:0-Führung in der zweiten Relegationsrunde beim LR Ahlen in der Schlussphase noch 1:2 verloren und den Zweitligaaufstieg verspielten? Hat Union davor Angst? Dogan verneinte Fragen dieser Art artig, dennoch ordnete er die Niederlage gegen Unterhaching in die Kategorie „besonders bitter“ ein.

Die Einschätzung der Partie spaltete den Klub am Sonnabend. Für die emotionale Seite waren die Spieler verantwortlich. Die nüchterne Sichtweise übernahm die Berliner Chefetage. Allen voran Trainer Uwe Neuhaus. Er formulierte es so schlicht wie treffend: „Unterhaching liegt uns anscheinend nicht.“ So sieht es aus, denn auch vor ihrer beeindruckenden Serie verlor seine Mannschaft – natürlich – gegen Unterhaching. Dass eben diese Bayern den Köpenickern nun auch ihren ersten Misserfolg in ihrer ungeliebten Ersatz-Heimspielstätte, dem Jahnsportpark, beibrachten und damit die Feierlichkeiten anlässlich des Aufstiegs verschoben werden mussten, kommentierte Neuhaus mit lobenden Worten an den Gegner und dem Verweis auf das Schicksal: „Solche Tage gibt es eben.“

Allem fußballerischem Karma zum Trotz: Auch Unions Trainer weiß, dass „es uns bald gelingen wird, den Aufstieg zu sichern“. Nächste Woche hat sein Team die nächste Gelegenheit dazu – bei der Partie am Sonntag in Sandhausen. Und diese Aussicht stimmte dann auch die Spieler irgendwann wieder milde. Nachdem die zahlreichen Anhänger sie am Sonnabend mit lautstarken Rufen auf den Rasen zurückgeholt hatten, gab es aufmunternden Applaus und zumindest eine kleine Behelfsfeier. Nur einem fehlten 20 Minuten nach Spielschluss immer noch die Worte. „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll“, sagte Karim Benyamina.

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