1. FC Union : Sebastian Polter: Masse und Klasse

Der 1. FC Union hatte lange erfolglos nach einem Angreifer gesucht, der vorn immer anspielbar ist, seine Mitspieler in Szene setzt und nebenbei auch noch Torgefahr ausstrahlt. Mit Sebastian Polter hat ihn der Verein endlich gefunden, doch mit jedem Tor wird Polters Verbleib beim 1. FC Union unwahrscheinlicher.

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Polter, immer wieder Polter. Der Stürmer hat schon sieben Mal getroffen.
Polter, immer wieder Polter. Der Stürmer hat schon sieben Mal getroffen.Foto: dpa

Im Unterhemd schlenderte Sebastian Polter durchs Stadioninnere, von Kamera zu Kamera, von Mikrofon zu Mikrofon. Die rote Textilie spannte über dem muskulösen Oberkörper, Polter ist derzeit in beneidenswerter Form. Beim 2:0-Sieg gegen den Karlsruher SC war der Angreifer wie so oft der entscheidende Mann aufseiten des 1. FC Union. Das 1:0 bereitete er uneigennützig vor, indem er den besser postierten Christopher Quiring bediente, das 2:0 erzielte er per Kopf selbst. Es war sein siebtes Saisontor, dazu kommen vier Vorlagen. Effektiver ist kein Spieler beim Berliner Zweitligisten. Polter, immer wieder Polter.

Lange hatten die Berliner erfolglos nach einem solchen Stürmer gesucht, weil dieser Typ Spieler schwer zu finden und noch schwerer zu bezahlen ist. Polter ist 1,91 Meter groß und kräftig, vorn immer anspielbar, er kann Bälle behaupten und verteilen. Er reibt sich in Zweikämpfen auf und zeigt vor dem Tor keine Nerven. Polter ist der eindeutige Fixpunkt im Spiel des 1. FC Union – zumindest für diese Spielzeit.

Denn mit jedem Tor wird Polters Abschied am Saisonende wahrscheinlicher. Der 23-Jährige ist vom FSV Mainz 05 nur ausgeliehen, und natürlich verfolgen sie dort ganz genau die Entwicklung ihres Angreifers. „Stand heute werde ich im Sommer nach Mainz zurückkehren. So ist die Vertragssituation“, sagt Polter. Dass ihm das nicht unlieb ist, muss er nicht extra erwähnen.

Als Polter im August nach Berlin wechselte, von der Bundesliga in die Zweite Liga, war es der bewusst gegangene Schritt zurück, um zwei nach vorn zu kommen. In Mainz war die Aussicht auf Spielzeit unter dem neuen Trainer Kasper Hjulmand gering, doch ein weiteres verschenktes Jahr wollte und konnte sich Polter nicht leisten. In der Vergangenheit hatte er sein Potenzial immer mal wieder angedeutet, beim VfL Wolfsburg, beim 1. FC Nürnberg und in den verschiedenen Nachwuchs-Nationalmannschaften. Nur der endgültige Durchbruch wollte ihm nie gelingen.

Dass er Potenzial für höhere Aufgaben besitzt, lässt sich bei Union Woche für Woche verfolgen. Mit seinem massigen Körper und der unerschrockenen Spielweise kann er in der Zweiten Liga eine komplette Abwehrreihe allein beschäftigen. Trainer Norbert Düwel schätzt seinen enormen Einsatzwillen, auch im Training. „Da sieht man, dass er trotz seines jungen Alters schon über viel Erfahrung verfügt.“

Die vielen Vereinswechsel haben Polter eine professionelle Distanz zu seinem Beruf aufbauen lassen. Er betrachtet sie als Teil des Geschäfts, Sentimentalitäten sind seine Sache nicht. Auch deshalb funktionierte er im Gegensatz zu anderen Leihspielern beim 1. FC Union sofort, als er während der laufenden Saison nach Berlin kam. Wie viele Tore er sich als Ziel gesetzt hat, wurde Polter jüngst gefragt. Er schwieg dazu, es dürften aber mindestens 15 sein. So viele hat noch kein Spieler seit dem Wiederaufstieg für Union erzielt. „Ich hoffe, dass es für den Verein und für mich bis zum Ende eine Win-win-Situation bleibt“, sagt Polter. Danach sieht es derzeit aus.

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