1. FC Union : Spielkunst aus Köpenick

Der Zweitligist 1.FC Union dominiert beim 2:1 im Testspiel den Erstligisten Schalke 04. Die Gelsenkirchener enttäuschen vor 13 504 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei.

Katrin Schulze
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Allein gegen alle. Karim Benyamina (Mitte) vom 1. FC Union kann sich gegen drei Schalker durchsetzen. Foto: Contrast Photoagenturcontrast photoagentur

Berlin - Felix Magath ließ sich noch einmal kurz ablenken. Als er den Rasen betrat, schweifte sein Blick ins weite Rund. Und ein breites Lächeln huschte ihm übers Gesicht, bevor er in aller Ruhe auf der Trainerbank Platz nahm. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 war offensichtlich angetan von dem, was er da sah. Schon vorher hatte er von einem „echten Schmuckkästchen“ gesprochen. „Ich habe es kaum wieder erkannt“, sagte er. Gemeint war das aufgemotzte Stadion An der Alten Försterei, in dem Magaths Mannschaft gestern dem 1. FC Union im Vorbereitungsspiel 1:2 (0:1) unterlag.

Was Felix Magath nach dem Anpfiff der Begegnung zu sehen bekam, dürfte ihn weniger erfreut haben. Seine Schalker ließen sich nämlich gleich zu Beginn vom Zweitligisten aus Köpenick überrumpeln. Nur 90 Sekunden brauchten die Berliner, bis sie ihre Spielkunst das erste Mal gekonnt vorgetragen und die Schalker Abwehr schwindelig gespielt hatten: Nach einem Querpass von Hüzeyfe Dogan erzielte Unions Stürmer Karim Benyamina aus 15 Metern prompt die 1:0-Führung. Es folgte ein kollektiver Jubelreigen der Union-Fans.

Und was machte Magath? Der sprang von seiner Bank auf und war sichtlich erbost, hatte er sein Team doch noch vor der Partie explizit vor dem „stärksten Gegner in der Testphase“ gewarnt. Nun musste er feststellen, dass „wir nicht so stabil waren, vielleicht auch, weil wir so schnell überrascht wurden“. In der Tat hinterließen die Schalker besonders anfangs einen eher mäßigen Eindruck – die Abstimmung innerhalb der Mannschaft wirkte zumindest ausbaufähig.

Anders bei den Köpenickern. Sie setzten das Motto des Spiels „Gib Gas gegen Gewalt“ gekonnt um: Immer wieder entzückten sie die 13 504 Zuschauer mit schnellen und einfallsreichen Kombinationsspiel und vergaben in Person von Benyamina sogar eine weitere Großchance zum 2:0. Zwar hatte Trainer Uwe Neuhaus angekündigt, noch ein bisschen experimentieren zu wollen, doch mit der gezeigten Leistung seiner Startelf konnte er durchaus zufrieden sein. „Wir haben ein ordentliches Spiel abgeliefert“, sagte Neuhaus nach der Partie. „Gegen einen technisch sicherlich versierteren Gegner sind wir schnörkellos und direkt aufgetreten und haben auch verdient gewonnen.“

Gute Nachrichten gab es bei Union aber nicht nur in Sachen Fitness, sondern auch in punkto Stadionkonstruktion zu berichten. Das neu errichtete Dach trotzte erfolgreich dem Starkregen, der pünktlich zu Spielbeginn eingesetzt hatte. Nicht annähernd so miserabel wie das Wetter präsentierten sich allerdings die Profis auf dem Platz. Wer dachte, dass es die Mannschaften bei einem lauen Trainingsspielchen für einen guten Zweck – die Einnahmen kommen einem Unioner Fanhaus und dem Berliner Fußball-Verband zugute – belassen würden, der täuschte sich. Und das lag nun auch an den Gästen.

Mit zunehmender Spieldauer wurden nämlich auch die die Schalker stärker. Nachdem Jefferson Farfan und Carlos Zambrano zunächst an Unions Torhüter Jan Glinker gescheitert waren, profitieren sie zu Beginn des zweiten Abschnitts von einer Einwechslung. Vicente Sanchez schoss mit seinem ersten Ballkontakt gleich den Ausgleich – von der Strafraumgrenze zirkelte er den Ball ins Tor. Doch die folgende Kurz-Party der etwa 1200 mitgereisten Schalker Anhänger dauerte lediglich acht Minuten an – dann sollten die Gastgeber wieder ihre Bühne bekommen. Nach einer Hereingabe von Benyamina hatte Neuzugang John-Jairo Mosquera kaum Mühe, den Ball zum 2:1 über die Linie zu drücken. Eine Aktion, die symptomatisch für den gelungenen Auftritt der Berliner war. „Bei so einem Sieg gegen einen Erstligisten gibt es nicht viel zu meckern“, sagte Uwe Neuhaus.

Auf der anderen Seite hielt sich die Euphorie dagegen in Grenzen. Nachdenklich trottete Magath nach Spielschluss in die Kabinen. Er sah nicht annähernd so zufrieden aus wie zwei Stunden zuvor.

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