1. FC Union : Sponsor gekündigt, Konsequenzen unklar

Nach dem Rauswurf des Hauptsponsors wurde der Etat der Berliner von zwölf auf rund zehn Millionen zurückgefahren. Nun muss ein neuer Geldgeber her.

Katrin Schulze
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Freifläche. Nach dem Rauswurf des Hauptsponsors ist auf den Trikots des 1. FC Union nun wieder Platz für eine neue Beflockung. -Foto: dpa

Der Blick war ihm gestattet. Jan Glinker lugte nach dem Freundschaftsspiel gegen Bayern München nochmal aus dem Fenster der Mannschaftskabine. Ein bisschen sehnsuchtsvoll schaute der Torwart des 1. FC Union im Dunkeln dem abfahrenden Mannschaftsbus des FC Bayern hinterher, als der vom Gelände der Alten Försterei rollte. Die großen Bayern verschwanden im protzig-schwarzen Vehikel – und mit ihnen verabschiedete sich auch das große Geld aus Berlin–Köpenick. Erst gestern sollen die Münchner Arjen Robben für 25 Millionen Euro verpflichtet haben. Eine Summe, die für den Fußball-Zweitligisten derzeit nicht mehr als eine schöne Utopie ist.

Von zwölf auf rund zehn Millionen wurde der Etat der Berliner nach dem Rauswurf des Hauptsponsors am vergangenen Montag zurückgefahren. Der laufende Spielbetrieb sei deshalb zwar nicht gefährdet, wie der die Köpenicker betonen, dennoch suchen sie schon fleißig nach einem neuen Geldgeber. Wohl auch um den Zahlungs-Engpässen, die sie auch in der jüngsten Vergangenheit noch ereilt haben, entgegenzuwirken. Die Deutsche Fußball-Liga hat ihre Freigabe dafür bereits erteilt. Im kommenden Ligaspiel am Sonntag in Augsburg werden die Unioner Profis wohl trotzdem – wie gegen den FC Bayern – noch mit der Aufschrift „frei!“ auf der Brust spielen.

Frei – das waren die Spieler trotz des Trubels um den nebulösen Sponsor, dessen undurchsichtige Geldquellen ebenso wie die Stasi-Tätigkeit von Aufsichtsratschef Jürgen Czilinsky Aufsehen erregten, offenbar tatsächlich. „Ich konnte keine Beeinflussung durch diese Geschichte erkennen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. „Nicht bei der Konzentration im Training und auch nicht beim Spiel.“ Da nämlich präsentierten sich Neuhaus’ Spieler ziemlich aufgeweckt, auch wenn sie dem Bundesligisten mit 1:3 (0:2)unterlagen. Auch nach eigenen Angaben beeindruckt die Sponsoren-Affäre die Berliner Profis nicht. „Das ist nicht unser Gebiet“, sagte Mittelfeldspieler Björn Brunnemann stellvertretend. „Das geht nur die Geschäftsführung etwas an.“

Und die wird das Gebiet Sponsoring in den nächsten Tagen vermutlich noch mächtig auf Trab halten. Der Auflösungsvertrag mit dem Unternehmen International Sport Promotion (ISP) steht an und nicht nur dort schwanken die Köpenicker momentan zwischen Freiheit und Recht: Im Prinzip haben sie dem Sponsor gekündigt, welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben, ist aber immer noch weitgehend unklar. Der Klub beruft sich bei der Kündigung in erster Linie auf die Tatsache, dass der Sponsor bei Vertragsabschluss falsche Angaben gemacht hätte – zum Beispiel über seine Eintragung in Dubai.

Darüber hinaus ist noch offen, ob Union die bereits überwiesene erste Rate an ISP zurückzahlen muss. Zwar betont der Geschäftsführer des Unternehmens, Dieter Fietz, „vernünftig ohne Streit mit Union auseinandergehen zu wollen“, dennoch verweist er auch auf seine Geldgeber in fernen Ländern, die möglicherweise Ansprüche geltend machen könnten. Ein möglicher Rechtsstreit über diese Ungereimtheiten könnte beide Parteien länger aneinanderketten, als es zumindest dem Fußballklub lieb sein dürfte.

Im Gegensatz zur Köpenicker Klubführung hat sich die Basis längst vom Sponsor losgesagt: Beim Spiel gegen Bayern München deutete kaum noch etwas auf den gefeuerten Gönner hin. Nur ein einziges kleines Fan-Plakat verlor sich diesbezüglich im Stadion. „Ehre ist mehr wert als Geld. Bleibt eisern!“ stand darauf geschrieben. Es ist davon auszugehen, dass Unions Bosse die Botschaft künftig beherzigen werden. Aus gegebenem Anlass „wird man sich den neuen Sponsor mit besonderer Sorgfalt auswählen“, heißt es aus Vereinskreisen.

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