1. FC Union : Teurer Umzug

Den Fußball-Drittligisten 1. FC Union kostet der Umzug in den Jahnsportpark einen Haufen Geld, beunruhigen tut das aber niemanden

Karsten Doneck

Rainer Adrion fühlte sich zu einem Kompliment bemüßigt. „Die Atmosphäre war toll“, pries der Trainer des VfB Stuttgart II das ganze Drumherum. Hätte sich Adrion im nächsten Moment umgeschaut, wäre er sicher verwundert gewesen, wie seine Worte ankamen: Ringsum hätte er nur versteinerte oder gequälte Mienen gesehen. Die Atmosphäre mag noch so stimmungsvoll sein: Richtig arrangieren kann sich der Fußball-Drittligist 1. FC Union mit seinem zeitlich befristeten Umzug in den ungeliebten
Jahnsportpark nicht. Der Standortwechsel gilt als notwendiges Übel, mehr nicht. „Alles ist sehr gewöhnungsbedürftig, es ist für alle nicht so leicht“, sagt Unions Sportdirektor Christian Beeck. Und: „Meine Vorfreude auf die Rückkehr steigt von Woche zu Woche.“
Beeck und der Anhang des Köpenicker Klubs werden sich länger als gedacht gedulden müssen. Grund: Der Umbau des Stadions an der Alten Försterei, Unions traditionsreicher Herzblut-Heimstätte, verzögert sich. Die Überdachung des Stadions erfordert mehr Zeit als angenommen. Union kehrt deshalb nicht schon Ende Oktober, wie zunächst geplant, sondern erst vier Wochen später auf gewohntes Terrain zurück. Präsident Dirk Zingler empfindet jedes Heimspiel, das nicht in der Alten Försterei stattfindet, als „sehr schmerzhaft“.

Und das ist durchaus verständlich. Die Zuschauerzahlen im Jahnsportpark liegen unter dem kalkulierten Durchschnitt von 8000 pro Spiel. Beim 3:1 gegen Stuttgarts „Zweite“ zahlten 5107 Besucher Eintritt, gegen Wacker Burghausen (4:0) waren es 5612. „Das entspricht nahezu unseren Erwartungen. Für den Jahnsportpark hatten wir ja, gerade in der Ferienzeit, auch nicht mit einem deutlich größeren Zuschaueraufkommen gerechnet“, sagt Geschäftsführer Oskar Kosche. Rund 5300 Zuschauer fehlen nun aber bereits gegenüber der Kalkulation – Tendenz steigend?

Das wiederum drückt sich auch auf der Einnahmeseite aus. Bei einem durchschnittlichen Nettopreis für die Eintrittskarte von 7,85 Euro bei Union – der Klub setzt außergewöhnlich viele ermäßigte Billets ab – ergibt sich derzeit ein Minus von knapp über 40 000 Euro – nach nur zwei Spielen. Acht Heimspiele in dieser Saison wird Union aber insgesamt im Jahnsportpark bestreiten müssen, ehe am 29. November gegen Erzgebirge Aue die neue Försterei eingeweiht wird. Bis dahin könnte der Verlust durch ausbleibende Zuschauereinnahmen in sechsstellige Größenordnung angewachsen sein.

Für Union aber (noch) kein Grund zur Beunruhigung. Den ersten beiden Gegnern mangelte es zweifellos an Attraktivität. Oskar Kosche sagt: „Dresden, Aue, Braunschweig zum Beispiel – das sind doch für uns die Knackpunkte.“ Union rechnet nach wie vor damit, den kalkulierten Schnitt zu erreichen und damit eine Deckungslücke im Fünf-Millionen-Etat zu vermeiden. Vor allem setzt der Verein auf eine Art Magnetwirkung des neuen Stadions. „Ich hoffe, da kommen alle Unioner“, sagt Kosche.

Sportlich gesehen kommt Union im Jahnsportpark indes gut zurecht. Aus den beiden bisherigen Heimspielen sprang die Optimalausbeute von sechs Punkten bei 7:1 Toren heraus. In der vorigen Saison, als durchgängig im Stadion Alte Försterei gespielt wurde, war die Heimbilanz mit sieben Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen eher mau. Dennoch stößt der Jahnsportpark bei Union weiter auf Ablehnung. „Ja, er ist hässlich, er ist abstoßend, unsympathisch in seiner Ausstrahlung, rein schon von der Bauweise her“ – dies ist keine Meinung eines einzelnen Fans. So stand es zum Spiel gegen Stuttgart im Programmheft – und das bezeichnet sich immerhin als „offizielle Vereinszeitschrift“.

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