Sport : 1. FC Union: Verein hält schützend die Hand übers Geld

Karsten Doneck

Heiner Bertrams gute Laune trübte sich ein wenig. Da hatte der Präsident des 1. FC Union noch am Vorabend voller Freude registriert, dass die Mannschaft von Trainer Georgi Wassilew durch ihren 3:0-Sieg im Jahnsportpark über Finnlands Meister FC Haka Valkeakoski einen beträchtlichen Imagegewinn erzielt habe - und dann kam das Los für die zweite Runde des Uefa-Pokals wie ein heftiger Regenguss: Liteks Lowetsch. So heißt der Gegner, angesiedelt im Norden Bulgariens, bisher zweimal Landesmeister. "Unser Wunschlos sah anders aus", maulte Bertram und klagte über bevorstehende Reisestrapazen. "Es macht eine Menge Umstände, dorthin zu kommen", sagte er. Wenigstens Trainer Wassilew freute sich, verschafft ihm das Los doch eine Dienstreise in sein Heimatland. Das Hinspiel findet am 18. Oktober in Berlin statt, die zweite Begegnung am 1. November in Lowetsch.

Der 1. FC Union hat seine europäische Feuertaufe bestanden. Und damit die finanziellen Sorgen auf Null geschraubt. Dank des Überstehens der ersten Uefa-Pokal-Runde hat der Verein den 13,7 Millionen Mark umfassenden Etat für diese Saison bereits jetzt rundum abgesichert. Neue Darlehen von der Sportwelt, dem Partner des 1. FC Union, werden nicht benötigt. Aber: Weil Union nun in die Gewinnzone vordringt, hält jetzt umgekehrt die Sportwelt, das Tochterunternehmen der in einer schweren Finanzkrise steckenden Kinowelt, kräftig die Hand auf. Rund 16 Millionen Mark Darlehensschuld hat der 1. FC Union dort zu tilgen.

Heiner Brands, Geschäftsführer bei der Sportwelt, ließ verlauten, sein Unternehmen wolle nicht nur an den Einnahmen aus der zweiten Uefa-Cup-Runde partizipieren, sondern gleich die gesamte dort erwirtschaftete Summe als erste Tilgungsrate aufs Konto überwiesen bekommen. "Eine voreilige Aussage", meint Heiner Bertram. "Ich kenne die Verträge. Die Rechte liegen bei der Union Marketing GmbH und der Sportwelt. Und den Geschäftsführer der Union Marketing GmbH habe ich eingestellt." Ralf Büttner hat diese Stelle übernommen. Einer, der für Union schon so manchen Werbepartner und so manche Mark aufgetrieben hat. Büttners Aufgabe besteht jetzt darin, "die Gesellschaft so zu führen, dass sie langfristig überlebt", wie er selbst sagt. Und für ihn relativieren sich die zu erwartenden Gewinne dann auch sehr rasch. "Man darf ja nicht von vornherein erwarten, dass wir im nächsten Jahr wieder im Uefa-Pokal vertreten sein werden", sagt er, "also müssen wir Rücklagen bilden oder neue Investitionen tätigen, wenn wir unsere mittelfristigen sportlichen Ziele, den Aufstieg in die Bundesliga oder wenigstens einen vorderen Platz in der Zweiten Liga, auch in Zukunft weiter verfolgen wollen. Ich muss also sehen, dass das hereinkommende Geld in diesem Sinne vernünftig eingesetzt wird."

Büttner ist als Geschäftsführer der Marketing GmbH eigenständig, sein Wort bei Entscheidungsfragen hat Gewicht, auch wenn die Sportwelt mit 80 Prozent und der Verein nur mit 20 Prozent als Teilhaber fungieren. Büttner stellt klar: "Alles Geld fließt in die Marketing GmbH." Die Sportwelt hat angeblich keine Möglichkeit, Geld für sich abzuzweigen. Es sei denn, man erzielt auf dem Verhandlungswege Einigung.

In dieser Hinsicht stellt sich der 1. FC Union keineswegs stur. Präsident Bertram weiß nur allzu gut, dass die Sportwelt einst den Verein vor dem Konkurs gerettet hat. Das erhöht Unions Bereitschaft, den Partner teilhaben zu lassen am Geldsegen aus dem Europapokal. Vielleicht schon in Runde zwei des Uefa-Cups gegen Liteks Lowetsch. "Man wird sich zusammensetzen und darüber diskutieren", sagt Ralf Büttner.

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