Sport : 1. FC Union - VfL Bochum: Reine Verhandlungssache

Karsten Doneck

Mit ihrer Prämienforderung waren die Spieler ähnlich flink und geschickt wie sonst im Umgang mit dem Ball. Frühzeitig handelten sie ihren Extralohn für Erfolge im DFB-Pokal aus, ohne auch nur zu ahnen, dass daraus in diesem Jahr für sie tatsächlich eine gut sprudelnde Geldquelle werden würde. Sollte sich der Fußball-Regionalligist 1. FC Union heute (19 Uhr, Stadion Alte Försterei) auch noch im Viertelfinale des Wettbewerbs behaupten, bekommen die Spieler von ihrem Arbeitgeber 16 000 Mark aufs Konto überwiesen. Ein Weihnachtsgeld, das freilich hart erarbeitet werden muss, denn Gegner ist immerhin der Bundesligist VfL Bochum. Spitzenverdiener sind Unions Fußballer deshalb keineswegs. Zum Vergleich: Oberligist 1. FC Magdeburg lobte 20 000 Mark Prämie für einen Sieg im Viertelfinale gegen Schalke 04 aus.

Der 1. FC Union hat in den bisherigen Pokal-Runden gegen die Zweitligisten RW Oberhausen, SpVgg. Greuther Fürth und SSV Ulm nicht nur gewonnen, sondern auch Kasse gemacht. Zusammen mit der Partie gegen Bochum kommt der Klub auf 1,5 Millionen Mark Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Kein umwerfender Betrag bei einem Saisonetat von 11,5 Millionen Mark, aber immerhin. "Und", so sagt Unions Präsident Heiner Bertram, "zwei Millionen Mark könnten ja in der nächsten Runde noch hinzukommen." Da würden dann auch die finanziellen Anreize für die Spieler kräftig steigen. "Die Prämien verdoppeln sich von Runde zu Runde", verrät Bertram. Im Klartext: Die Gage für einen Halbfinal-Sieg beträgt 32 000 Mark, im Endspiel ginge es dann um 64 000 Mark. Für Union-Trainer Georgi Wassilew ist das weitere Vordringen seiner Elf im Pokal durchaus denkbar. Er fragt rein rhetorisch: "Wenn man so eine Möglichkeit hat, warum soll man sie dann nicht nutzen?"

Mit dem im DFB-Pokal eingenommenen Geld besitzt Union auch mehr Handlungsfreiheit für Verstärkung der Mannschaft. Der Klub holte sich freilich erst einmal nur Abfuhren. Marius Ebbers, Torjäger von Wattenscheid 09, hatte mit seinen bisher 15 Saisontreffern die Aufmerksamkeit der Wuhlheider auf sich gelenkt. "Wir haben ihm ein extrem gutes Angebot gemacht", sagt Bertram. Ebbers lehnte ab, wechselte zum MSV Duisburg. "Er wollte aus dem Westen nicht weg", meint der Union-Präsident. Und dann war da noch Achim Weber vom Pokalgegner VfL Bochum. Auch mit ihm verhandelten die Union-Verantwortlichen. Ergebnis? "Weber will seine Chance in der Zweiten Liga oder im Ausland suchen", sagt Bertram.

Union sucht unverdrossen weiter. Und testet immer wieder mal Spieler. Zurzeit schießt ein gewisser Torsten Bauer im Union-Training Tore. Der 23-jährige Stürmer kommt vom Oberligisten KSV Baunatal. "Er steht schon seit insgesamt zwei Monaten unter unserer Beobachtung", sagt Georgi Wassilew. Der Trainer hat dem Präsidium inzwischen den Vorschlag unterbreitet, Bauer zu verpflichten. Jetzt muss nur noch die Frage der Finanzierbarkeit geklärt werden, und ob Bauer bereits jetzt oder erst zur neuen Saison verpflichtet wird.

Zum Pokalspiel gegen die Bochumer, die auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht sind, muss sich Wassilew auf das vorhandene Personal stützen. Wobei Stürmer Djurkovic wegen einer Leistenverletzung ausfällt. Dafür steht Steffen Menze erstmals nach seiner am 30. September erlittenen Schulterverletzung wieder im Union-Kader, wird aber nicht von Anfang an spielen.

Unions Präsident Bertram rechnet heute, selbst wenn die in großangelegter PR-Aktion eingeladenen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Sänger Herbert Grönemeyer nicht kommen, mit 15 000 Zuschauern an der Alten Försterei. "7000 Karten haben wir schon im Vorverkauf abgesetzt", sagt er. Auch eine Einnahme, von der sich eine eventuelle Siegprämie locker zahlen ließe.

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