Sport : 1. FC Union - Waldhof Mannheim: Eine Minute trauern, 90 Minuten kicken

Karsten Doneck

Uwe Rapolder hatte dafür plädiert, "nicht zu spielen, das Wochenende verstreichen zu lassen, um schon aus Pietätsgründen, den nötigen Abstand zu den Ereignissen in den USA zu bekommen". Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hört nicht auf solche Stimmen. Und so kämpfte der von Rapolder trainierte SV Waldhof Mannheim gestern gegen den 1. FC Union Berlin um Punkte in der Zweiten Bundesliga. Beide Mannschaften trennten sich 1:1 (0:0), und beide Trainer sprachen nachher von einem "sehr guten Spiel". Was allerdings übertrieben war. Es sei denn, man legt die mildernden Umstände zu Grunde, die Rapolder angesichts der Gedenkminute für die Opfer in den USA anführte: "Es ist schwer, erst eine Minute lang zu trauern und dann 90 Minuten lang Fußball zu spielen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Rund 700 Fans des 1. FC Union hatten mit einem Sonderzug die neunstündige Fahrt nach Mannheim angetreten. Ein Transparent hätten sie besser zu Hause gelassen. "Massaker Amigos" stand da drauf - und dass solche Geschmacklosigkeiten dann im Carl-Benz-Stadion aufgehängt werden durften, darüber regte sich das Volk dann doch heftig auf. Bemühungen, das Transparent zu beseitigen, scheiterten an der mangelnden Einsicht der Fans. Unions Präsident Heiner Bertram entschuldigte sich später, erklärte aber auch, dass "Fangruppen eben manchmal martialische Namen haben und diese eine eben schon seit Jahren existiert".

Was auf dem Rasen geboten wurde, war dürftig. Die Mannheimer, keineswegs mit hoher Spielkunst gesegnet, verschafften sich mit ihrer rüden Zweikampfführung schnell Respekt. Union fand im Mittelfeld einfach keine Linie und erspielte sich vor der Pause nicht eine einzige erwähnenswerte Torchance. Der SV Waldhof präsentierte sich zwar kampfstark, aber auch äußerst bieder in seinen fußballerischen Mitteln. Wenn Sven Beuckert im Berliner Tor wirklich einmal Gefahr drohte, dann vornehmlich durch Weitschüsse. Wobei vor allem Mannheims Routinier Bernhard Trares, der über einen Erfahrungsschatz von 183 Bundesligaspielen verfügt und mittlerweile das reife Fußballalter von 36 Jahren erreicht hat, immer mal wieder die zweifelsfrei noch vorhandene Kraft in seinen beiden Oberschenkeln überprüfte.

Unions geradezu schlafwandlerische Haltung wurde bestraft. Fünf Minuten nach der Pause schlug der Mannheimer Catic einen Freistoß in den Strafraum, wo die Berliner Abwehr offenbar gerade Arbeitspause hatte. Der hoch hereinfliegende Ball, lange genug in der Luft, wurde nicht abgewehrt sondern bestaunt - und Miodrag Vukotic konnte gar nicht anders, als ihn dann freistehend aus fünf Metern über die Linie zu bringen. Der Rückstand mobilisierte Union. Aber es war schon bezeichnend, wie dann der Ausgleich fiel. Eine Ecke von Kostadin Widolow stolperte Steffen Menze, am Boden liegend, in einer Art und Weise über die Linie, dass er hinterher froh sein konnte, dass Haltungsnoten nach wie vor zum Eiskunstlauf gehören und nicht zum Fußball.

Alles hätte sich für Union noch zum Guten wenden können, doch in der letzten Minute vergab Ristic nach Flanke von Persich das 2:1. Seinen Kopfball meisterte Mannheims Torhüter Hollerieth mit größter Mühe. "Schade, wir hätten das Spiel noch gewinnen können", sagte Unions Trainer Georgi Wassilew. Drei Punkte für Union - das wäre ein bisschen zu viel gewesen.

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