Sport : 1. FC Union: Weckruf in Wattenscheid

Karsten Doneck

Der Bochumer Ortsteil Wattenscheid ist nicht eben der Nabel der Welt. Auch das Lohrheidestadion gilt da nicht unbedingt als ein Hort überbordender Ausgelassenheit. Oft treffen sich dort gerade mal 600 Unentwegte, um ein Heimspiel der SG Wattenscheid 09 zu erleben. Derlei tristes Ambiente hat freilich auch seine gute Seite: Dem 1. FC Union wird heute im Auswärtsspiel in Wattenscheid schon vom äußeren Rahmen her gleich ziemlich drastisch vor Augen geführt, dass nach den Pokal-Höhenflügen nun wieder der graue Alltag in der Fußball-Regionalliga Nord eintritt.

Brav hatten die Union-Spieler nach ihrem Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Mönchengladbach das nachgebetet, was ihnen Präsident Heiner Bertram als Verantwortlicher an Vorgaben mit auf den Weg gegeben hatte. "Der Pokal ist für uns ein Event", hat Bertram immer wieder betont, "ein sehr schönes zwar, aber was für uns wirklich zählt, das ist allein der Aufstieg in die Zweite Liga." Auch die Spieler hatten diese Worte am vorigen Dienstag, kaum dass im Elfmeterschießen gegen Gladbach der finale Schuss von Ronny Nikol im Netz gezappelt hatte, in nahezu jedes Mikrofon gesprochen. Und es wurden ihnen viele hingehalten.

Georgi Wassilew, der gestrenge Lehrmeister der Union-Spieler, wusste auch, was ihm bevorstand. "Das wird die schwerste Woche, seitdem ich bei Union bin. Ich muss die Köpfe meiner Spieler wieder frei bekommen. Sie müssen sich einzig und allein auf Wattenscheid konzentrieren." Leicht gesagt. Ob das Vorhaben des Trainers gelang, wird das Ergebnis zeigen.

Zumindest Daniel Ernemann braucht den 120-Minuten-Spielfilm plus Elfmeter-Nachspann vom Pokal noch nicht gar so schnell zu verdrängen. Der Verteidiger, der unbedingt in den Profifußball möchte und angesichts der ungeklärten Aufstiegssituation bei Union mit der Unterschrift unter einen neuen Vertrag zögert, hat sich einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zugezogen. Ernemann steht gegen Wattenscheid nicht zur Verfügung. Libero Jens Tschiedel, der wegen einer Fußprellung mit dem Training etwas kürzer treten musste, könnte hingegen dabei sein. "Das muss der Trainer entscheiden", sagt Unions Mannschaftsarzt Thorsten Dolla.

Einen Vorgeschmack auf die Rückkehr in den Regionalliga-Alltag holten sich die Union-Spieler übrigens schon am Freitagabend. Da schauten sie im Mommsenstadion gemeinsam mit tausend anderen bei Tennis Borussia gegen den VfB Lübeck zu. Lübeck, ein nunmehr schon mit sieben Punkten Vorsprung enteilter Mitaufstiegsaspirant, gewann locker 3:0. Und auch dieses Ergebnis müsste Union eigentlich aus allen Pokal-Träumen wachrütteln.

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