Sport : 1. FC Union: Wenn der Sponsor selbst Geld braucht

Claus Vetter

Vor dreieinhalb Jahren half Michael Kölmel dem damals konkursbedrohten 1. FC Union mit einer kräftigen Finanzspritze aus der Bredoullie. Nicht zuletzt dank der Hilfe des Münchener Unternehmers sind die Köpenicker unlängst in die Zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Nun geht es dem Retter von einst weniger gut, inzwischen braucht Kölmel selbst Hilfe. Die von Kölmel gegründete Kinowelt AG steckt laut einem Bericht des "Stern" in akuten Zahlungsschwierigkeiten. Nach Informationen des Magazins ist das Unternehmen auf der Suche nach einem Investor.

Den 1. FC Union tangieren die Meldungen über die angeschlagene Kinowelt, schließlich engagiert sich bei den Köpenickern die von Kölmel ins Leben gerufene Sportwelt AG, an der die Kinowelt mit zehn Prozent beteiligt ist. 90 Prozent werden von privaten Investoren gehalten, darunter ist auch der Privatmann Michael Kölmel. Über die Höhe dieser persönlichen Beteiligung gibt die Sportwelt keine Auskunft, Kölmel selbst äußert sich zu dem Thema überhaupt nicht.

Kölmel soll angeblich für Union kurz vor Toresschluss beim Deutschen Fußball-Bund 3,6 Millionen Mark für die zur Lizenzerteilung erforderliche Bürgschaft hinterlegt haben. Bei Union wird inzwischen laut über eine Trennung von der Sportwelt nachgedacht. "Das muss kurzfristig geschehen", sagte Präsident Heiner Bertram unlängst, "wir sollten das innerhalb eines Jahres deutlich auf den Weg gebracht haben."

Bei insgesamt 14 Fußballklubs ist die Sportwelt noch engagiert, nur beim SSV Ulm ist das Unternehmen bisher ausgestiegen. Dabei gibt es zwei Arten der Beteiligung: eine Standortbeteiligung wie bei Schweinfurt 05, dem Karlsruher SC, Alemania Aachen und Borussia Möchengladbach, und dann ein Vermarktungsmodell. Dieses greift bei den übrigen Klubs der Sportwelt, auch bei Union. Die Berliner haben gegen Darlehen von der Sportwelt 74,9 Prozent ihrer Vermarktungsrechte an das Unternehmen abgetreten. Für Union ist das kein Nachteil - laut Aussage von Michael Meeske, dem Sprecher bei der Sportwelt. "70 bis 80 Prozent der Einnahmen fließen in den Spielbetrieb. Wir sind nur mit dem marktüblichen Provisionssatz von 15 Prozent am Gewinn beteiligt, wenn es denn Gewinn gibt."

Der Umstand, dass die Kinowelt AG in Schieflage geraten ist, wird bei der Sportwelt mit Sorge betrachtet, auch wenn der Kinowelt nur 10 Prozent der Sportwelt AG gehört. Meeske sagt: "Kölmel hat sich beim Aufbau der Sportwelt engagiert, vor allem im operativen Tagesgeschäft. Die enge namentliche Anlehnung an die Dachmarke Kinowelt beeinflusst natürlich auch die Entwicklung der Sportwelt."

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