1. FC Union : Wut auf das System

Der 1. FC Union profitiert vom Spiel mit zwei Sechsern, der Zweitligist tritt nun variabler und massierter im Mittelfeld auf. Und ein Defensiver wird zum Torjäger.

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Defensiver Torjäger: Damir Kreilach (oben).
Defensiver Torjäger: Damir Kreilach (oben).Foto: dpa

Damir Kreilach war glücklich, als er sich bei den Fans des 1. FC Union für die Unterstützung im Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt bedankte. Nach dem 1:1 des Berliner Zweitligisten verschenkte der Kroate sein Trikot. Im Anschluss klatschte Unions Torschütze mit nacktem Oberkörper fast alle Hände ab, die sich ihm entgegenreckten. Der Neuzugang hat sich ein bisschen zum „Fehleinkauf“ entwickelt, allerdings im positiven Sinne.

Der 24-Jährige war im Sommer als defensiver Mittelfeldspieler vom kroatischen Erstligisten HNK Rijeka verpflichtet worden. Nun erzielte er in Frankfurt im fünften Meisterschaftsspiel bereits seinen dritten Treffer. Er steht damit auf einer Stufe mit Unions Sturmführer Adam Nemec, der ebenfalls drei Tore vorzuweisen hat. Uwe Neuhaus bescheinigt seinem Neuen auch offensive Qualitäten. „Das habe ich ihm schon zwei Mal, auch in Frankfurt gesagt. Ich will mich nicht beklagen“, sagte Unions Trainer. „Wenn es so weiter geht, bin ich am Ende überrascht. Ich will nichts beschreien. Aber es ist nicht alltäglich.“

Kreilach profitiert von der veränderten Taktik mit zwei defensiven Mittelfeldspielern – den Doppelsechsern – und nur einem nominellen Angreifer, die Neuhaus seit dem 3:1-Erfolg in Dresden praktizieren lässt. Vorher wirkte er als alleiniger Gestalter im Spielaufbau manchmal überfordert, Eingewöhnungsprobleme waren nicht zu übersehen.

Nur aufs Verteidigen ist Kreilach als Mann vor der Abwehr nämlich nicht aus. In Dresden traf er aus rund 20 Metern Entfernung. In Frankfurt schlug er im gegnerischen Fünf-Meter-Strafraum zu. „Für seine Position ist es einfacher, wenn man noch einen neben sich hat, der sich sofort fallen lassen kann“, sagt Neuhaus.

Kreilach selbst, der im vergangenen Winter bei Dynamo Dresden im Gespräch war, ist das Prinzip der Doppelsechs aus Kroatien gewohnt. Vor zwei Jahren erzielte er neun Tore und in der vergangenen Serie fünf Treffer für seinen langjährigen Verein Rijeka, der am Donnerstag im Play-off-Rückspiel zur Euro League gegen den VfB Stuttgart einen 2:1-Vorsprung aus dem Hinkampf verteidigen will. Kreilach lebt bei Union im neuen System so richtig auf. „In den letzten Spielen sah das ganz gut aus. Aber das ist eine Entscheidung unseres Trainers“, meinte Kreilach.

Zu genau weiß er, dass Neuhaus öffentliche Taktikdiskussionen nicht besonders mag. Auch der verletzte Baris Özbek, der derzeit durch Michael Parensen auf der Doppelsechs ersetzt wird, hatte nach dem Sieg in Dresden schon seine Vorliebe für das 4-2-3-1-System geäußert. Neuhaus ist davon jedoch nicht restlos überzeugt, er präferiert seit vielen Jahren ein System mit nur einem Sechser. Auch nach der Partie in Frankfurt wollte sich Neuhaus noch nicht von seiner bevorzugten 4-4-2-Taktik verabschieden, auf die er im Verlauf der zweiten Halbzeit mit der Einwechslung von Simon Terodde umgestellt hatte. „Ich bleibe dabei, dass beide Varianten nicht so weit entfernt sind wie die Erde vom Mond“, sagte Neuhaus.

So lange Union weiter nicht verliert wird Neuhaus kaum vom 4-2-3-1-System abrücken. Der Erfolg ist nicht zu übersehen. Genau so wenig wie, dass die Berliner nun variabler und massierter im Mittelfeld auftreten.

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