1. FC Union : Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Union kämpft um sein Image

Wie angelt man sich einen Millionär? Am Montag hat sich der Köpenicker Verein von seinem neuen Sponsor getrennt. Nun sucht Union einen neuen Geldgeber.

Mathias Koch,Katrin Schulze

Berlin - Alles muss raus! In Windeseile ließen die Verkäufer im Laden An der Alten Försterei gestern die Fußballtrikots mit dem dicken Aufdruck „ISP“ verschwinden. Eines nach dem anderen flog auf den Boden, bis die Kleiderstangen, an denen sie hingen, endgültig abgeräumt waren. Die Spuren des gefeuerten Berliner Hauptsponsors waren im Fanshop schnell verschwunden. In fast allen anderen Bereichen sind sie jedoch noch gegenwärtig. Zu tief sitzt die Wunde, die eine Firma namens International Sport Promotion (ISP) beim 1. FC Union hinterlassen hat.

Am Montagabend hatten sich die Köpenicker von ihrem erst vor Saisonbeginn eingestiegenen Sponsor getrennt. Als Grund nannten sie falsche Angaben des Vertragpartners beim Zustandekommen des Kontrakts. Nach mehreren Unklarheiten über die Arbeitsweise der Firma und die wohl inkorrekte Aussage über die Eintragung der Firma in Dubai lieferte die Stasi-Vergangenheit von ISP-Aufsichtsratschef Jürgen Czilinksy den letzten Auslöser für die Kündigung des Sponsors.

Dass die Krise um ISP nun sogar das heutige Testspiel gegen den FC Bayern (siehe nebenstehenden Text) in den Hintergrund drängt, wiegt schwer. Es war ein schmerzhafter Schritt, den der Zweitliga-Aufsteiger gegangen ist, versprach der vermeintliche Finanzcoups mit ISP doch eine wirtschaftliche Gesundung und Stabilisierung. „Natürlich trifft uns das, aber es war die richtige Entscheidung“, sagt der Aufsichtsratschef von Union, Antonio Hurtado. Zehn Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre wollte der Sponsor in den Klub pumpen. Wie der erst im Frühjahr dieses Jahres gegründete Betrieb so viel Geld aber überhaupt heranschaffen wollte, war bis zuletzt sein Geheimnis geblieben.

Das beunruhigte insbesondere den treuen und traditionsbewussten Fan-Kern der Berliner. Schon seit Bekanntgabe des Engagements diskutierten Unions Anhänger hitzig und kontrovers über die Beweggründe und Machenschaften des nebulösen Hauptsponsors, dessen Name noch nicht mal Insidern vorher etwas gesagt hatte. Waren die Köpenicker, vielleicht auch durch Anwalt Michael Müller, der schon beim Streit mit ihrem ehemaligen Profi Nico Patschinski nicht unbedingt die beste Figur abgab, schlecht beraten? Oder warum haben sie sich überhaupt auf ein solch vages Unterfangen mit einer undurchsichtigen Firma eingelassen? Ließen sie sich zu sehr von den Lockungen des Geldes verführen? Fragen wie diese muss der Verein sich nun gefallen lassen.

Am Tag nach der Trennung von ISP gaben sich die Verantwortlichen rund um das Stadion An der Alten Försterei allerdings eher mundfaul. Bevor sie womöglich etwas Falsches sagen, schweigen sie sich über die kurze Liaison mit dem grenzwertigen Geldgeber lieber aus. Dass der Sponsor die Kündigung von Union am Montag eher öffentlich machte als der Klub, passt ins Bild: Man ist vorsichtig geworden in Berlin-Köpenick.

Zwar ist der Spielbetrieb in der laufenden Saison nicht gefährdet, wie es aus Vereinskreisen heißt, trotzdem muss Union die Suche nach einem neuen Sponsor zügig vorantreiben – es gibt einfachere Unterfangen nach Saisonbeginn. Zumal die Finanzen seit jeher ein heikles Thema bei den Berlinern sind. Erst im Juni war der Klub mit der Zahlung von Krankenkassenbeiträgen für seine Mitarbeiter in Verzug geraten.

Bei der Findung eines neuen Geldgebers scheint Eile geboten, auch wenn Union ohne die Mittel seines Hauptsponsors immerhin noch auf einen Etat von rund zehn Millionen Euro kommt und die Lizenz damit wohl nicht gefährdet ist. „Wir werden uns mit dem Präsidium bald zusammensetzen, um eine gute Lösung für zu finden“, sagt Aufsichtsratschef Hurtado. Momentan verhandeln die Berliner noch mit ISP über die bereits überwiesene Summe für die laufende Saison: Eine Million Euro soll bisher geflossen sein.

Dass der neue Sponsor ähnlich viel Geld zahlen wird, ist eher unwahrscheinlich. „Das waren keine marktgerechten Summen, die ISP Union angeboten hat“, sagt Sven Walter vom Unioner Ko-Hauptsponsor kfzteile24. „So viel Geld bekommt vielleicht ein Mittelfeldteam der Bundesliga, aber kein Zweitliga-Aufsteiger.“

Walters Firma hatte sich vor der Saison auch um das Hauptsponsoring bei den Köpenickern beworben, konnte der Finanzwucht von ISP aber nichts entgegensetzen. Ob das Fahrzeugteileunternehmen jetzt groß einsteigt? „Wir können uns vorstellen, unser Engagement auszuweiten, da die Zusammenarbeit mit Union bisher gut funktioniert hat“, sagt Walter. Konrekte Gespräche hätte es aber noch nicht gegeben.

Im Punktspiel am Wochenende in Augsburg und heute gegen Bayern werden die Spieler vom 1. FC Union jedenfalls keinen Sponsor auf ihrer Brust präsentieren. Die alten Trikots sind ja schon aussortiert.

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