Sport : 1. FC Union: Zweitligist gönnt sich einen Manager

Andre Görke /Alexander Schlögel

Vor ein paar Monaten hatten die Boulevardzeitungen am Main ziemlich viel zu tun. Als Eintracht Frankfurt tief im Keller der Ersten Fußballbundesliga steckte, sollte ausgerechnet Lothar Matthäus den Klub vor dem Abstieg retten. Zuvor hatte das Unternehmen Octagon mal eben so 50 Millionen Mark in den Verein gesteckt. Doch es kam anders: Wütende Eintracht-Fans hingen schimpfend an den Zäunen. "Lothar nach Offenbach", stand auf einem Plakat. Matthäus unterschrieb ein paar Monate später bei Rapid Wien. Und Eintracht Frankfurt? Der Klub dümpelt jetzt in der Zweitklassigkeit herum - mit einem Etat über 50 Millionen Mark.

Beim 1. FC Union dagegen wollte sich Präsident Heiner Bertram nicht einmal einen Manager leisten. Den hätte er zwar bezahlen können, nur fand Bertram keinen geeigneten Mann für den Posten. Bertram leitete den Klub quasi im Alleingang - seit Monaten schon, rund um die Uhr. Irgendwann wird diese Arbeit für eine Person zu viel. "Ich war nicht unbedingt überlastet", sagt Bertram. "Ich hatte nur sehr wenig Zeit, mich als Präsident um den Verein zu kümmern."

Vor einigen Monaten tauchte dann der in Berlin eher unbekannte Name Klaus Berge auf. Der 40-Jährige hatte früher in Saarbrücken und Schalke gespielt. Im vergangenen März trainierte Berge noch den Regionalligisten Rot-Weiß Essen, vor einigen Tagen hat er die Lizenz zum Fußball-Lehrer erworben. "Klaus Berge ist ein gebildeter Mann", sagt Bertram. "Er passt charakterlich zu uns, ein bescheidener Typ, der aber zupackt. Er kennt sich im Geschäft ganz gut aus." Der Mann passte. Gestern nun hat Klaus Berge seinen Vertrag als Manager beim 1. FC Union unterschrieben. Beim heutigen Spiel gegen Eintracht Frankfurt (15 Uhr; Alte Försterei) wird Berge im Stadion sitzen.

"Union hat hervorragende Perspektiven", sagt Berge. "Ich stand mit dem Verein schon länger in Kontakt. Ich verfolge die Entwicklung mit wachsender Begeisterung." Gewiss, das Image des Klubs ist attraktiv. Die Mannschaft spielt um den Aufstieg in die Erste Liga und steht in der zweiten Runde des Uefa-Cups. "Aber der Europapokal interessiert mich jetzt nicht", sagt Unions Trainer Georgi Wassilew. "Ich habe nur die Frankfurter im Kopf. Die haben zuletzt nicht gut gespielt, aber sie waren in der vergangenen Saison noch in der Ersten Liga. Sie sind gegen uns der Favorit", sagt Wassilew. "Allein schon wegen des Budgets."

Am Main hört man diese Worte nur ungern. Und schon gar nicht nach der letzten 1:4-Niederlage gegen Fürth. "Habe ich genug Mut und Mumm, mit dem Adler in der Brust aufzulaufen? Oder bedeutet das Ziel Wiederaufstieg einen zu großen Druck? Das müssen sich die Spieler fragen", sagte Sportvorstand Tony Woodcock. Frankfurts Trainer Martin Andermatt fordert bereits neue Spieler. Gerade in der Abwehr hat der Erstligaabsteiger Probleme. Libero Rada und Vorstopper Sim haben sich als Schwachpunkte erwiesen. "Ich habe den Spielern deutlich meine Meinung gesagt", erzählt Andermatt. "Ich erwarte jetzt bei Union eine deutliche Reaktion auf meine Kritik."

Libero Rada ist heute wegen Handspiels gesperrt. Seinen Part soll Jens Rasiejewski übernehmen. Uwe Bindewald, auch nicht gerade ein Synonym für Zuverlässigkeit, wird nach überstandener Magen-Darm-Grippe sehnsüchtig zurückerwartet und wohl Sims Posten übernehmen. Sogar ein Torwarttausch (Heinen für Nikolov) ist denkbar, nachdem der Mazedonier die Gegentreffer gegen Fürth geradezu provozierend lässig entgegennahm. Der ehemalige Tennis Borusse Sasa Ciric soll nach elfmonatiger Pause wegen zwei Achillessehnenoperationen wieder auf der Bank Platz nehmen.

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