Sport : 10 cent of a dollar

Warum es für Rocchigiani so schwer ist, vom Box-Verband WBC sein Geld zu bekommen

Frank Bachner

Berlin. Der Mann zittert öfter, und wenn er geht, muss er sich schwer auf seinen Stock stützen. Jedenfalls immer dann, wenn Fernsehkameras in der Nähe sind. Da zeigt Jose Sulaiman ganz gern, dass er nun doch schon 71 Jahre alt ist. So einer darf sich nicht aufregen. Schrecklich also, wenn er in eine Massenschlägerei gerät. Und deshalb will Sulaiman auch 56 Millionen US-Dollar von den Profiboxern Mike Tyson und Lennox Lewis. Beide haben im vergangenen Jahr um die Schwergewichts-WM geboxt. Bei der Pressekonferenz davor kam’s, wie das so ist beim Profiboxen, zu einer wilden Prügelei. Jose Sulaiman, der Präsident des Verbandes World Boxing Council (WBC), der den Kampf veranstaltete, hat seither neue Zähne und Erinnerungslücken, weil er mit dem Hinterkopf auf einen Tisch knallte und eine Gehirnerschütterung erlitt. Jetzt will der Senior Geld sehen.

Das braucht er freilich dringend. „Der Sulaiman ist clever“, sagt Jean-Marcel Nartz, der Technische Leiter der Universum Box-Promotion aus Hamburg, „aber in seiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Er könnte ja seinen Posten verlieren.“ Er könnte vor allem viel Geld verlieren. Denn Sulaimans WBC schuldet dem Profiboxer Graciano Rocchigiani 31 Millionen Dollar. Doch das WBC hat Insolvenz angemeldet, und jetzt wird geklärt, ob bei einer Totalpleite Sulaiman persönlich haftbar ist.

Aber der Dumme ist erst mal Rocchigiani. Das WBC meldete an seinem Sitz in Puerto Rico Insolvenz an, damit fällt es unter das US-Insolvenzrecht. Und nach dem genießt das WBC Gläubigerschutz. Damit hat Rocchigiani vorerst keinen Zugriff auf WBC-Einnahmen. Ein Insolvenzgericht führt die WBC-Geschäfte, und dieses Gericht „wird eine Prioritätenliste erstellen, auf der Gläubiger mit Sicherungsrecht an oberster Stelle stehen“, sagt die Anwältin Birgit Kurtz von der Kanzlei Alston & Bird in New York. Rocchigiani dürfte immerhin weit oben auf der Liste stehen. Geht das WBC Pleite, „werden alle Vermögensgegenstände zusammengerechnet, mit den Forderungen verglichen und dann verteilt. Es kann sein, dass jeder eher unwichtige Gläubiger ,10 cent of a dollar’ bekommt, zehn Prozent seiner Forderung“, sagt Kurtz. Alles hängt also davon ab, wie wichtig Rocchigiani ist.

Vor allem aber ist wichtig, wie viel Geld überhaupt noch zu holen ist. „Das WBC bekommt Anteile an den Gesamtbörsen, aber so viel ist das gar nicht“, sagt Nartz. „Millionenkämpfe sind ja eher die Ausnahme. Und dann gibt’s auch viele Ausgaben. Bei einem WBC-Kongress sitzen 50 Offizielle auf der Bühne, die wollen alle Geld haben.“ Beim Geldverdienen nimmt’s das WBC dann nicht so genau mit den Regeln. „Alle Verbände haben Leichen im Keller“, sagt Nartz. Natürlich auch das WBC. „Da läuft vieles nicht korrekt. Weltmeister, die einen großen Namen haben, werden geschützt.“ Die bringen das meiste Geld. „Da wird mal eine Pflichtverteidigung verschoben, da wird mal ein freiwilliger Titelkampf eingeschoben, so läuft das“, sagt Nartz. So läuft das seit Jahren. „Es kann doch nicht sein, dass Sugar Ray Leonard gleich einen WM-Kampf gegen Marvin Hagler bekommt, obwohl Leonard zwei Jahre inaktiv war. Oder dass Leonard später in einem Kampf gleich um zwei WM-Titel, im Supermittelgewicht und im Halbschwergewicht, boxen darf.“ Das war vor rund 20 Jahren. Die WBC-Stars von heute heißen Lewis, Oscar de la Hoya oder Kostya Tszyu. „Die dürfen sich mehr leisten als andere“, sagt Nartz.

Universum läuft seit Monaten dem WM-Kampf Lewis gegen Witali Klitschko hinterher. Lewis wäre auf Grund der Regeln zu der Pflichtverteidigung gezwungen. Der Brite will lieber erneut gegen Tyson boxen. Dann könnte er eine Rekordbörse kassieren. WBC-Chef Sulaiman hatte Verständnis dafür. Inzwischen hat Tyson zwar erst mal zurückgezogen, aber wann Lewis gegen Klitschko boxt, ist immer noch unklar. Die Sache ließe sich vor Gericht klären, aber Universum-Chef Klaus-Peter Kohl regelt solche Fälle gern außergerichtlich. Er muss mit dem Verband ja weiter arbeiten. Klitschko hat eine Klage gegen das WBC zurückgezogen.

Sulaiman ist weniger zurückhaltend. Er will die 56 Millionen Dollar, auch wenn der Prozess nur der Ablenkung von seinen Probleme dienen sollte. Allerdings klagt er gegen Lewis, und das ist nicht ungefährlich. Gegen den Weltmeister hat vor rund zwei Jahren auch dessen Ex-Promoter Panos Eliades, ein damals reicher Immobilienmakler, auf Schadenersatz geklagt. Lewis reichte Gegenklage ein – mit durchschlagendem Erfolg: Lewis gewann, Eliades ist insolvent.

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