Sport : 100 000 für den Titel

Was die EM den deutschen Fußball-Bund kostet

Michael Rosentritt

Porto - Torsten Frings hat neulich eine beruhigende Nachricht erhalten. Es soll sich lohnen, zum FC Bayern München zu wechseln, habe ihn sein Mannschaftskollege Michael Ballack gesagt. Frings beeilte sich zwar, seine Aussage allein auf sportliche Dinge verstanden zu wissen, doch finanziell wird sich sein Wechsel zum 1. Juli von Dortmund nach München gewiss lohnen. „Wer will sich schon verschlechtern“, sagte der Mittelfeldspieler, der die klamme Borussia verlassen hat. Und damit ihm die Zeit bis zur ersten Gehaltsüberweisung nicht zu lang wird, wirft sich Frings am unteren Ende des Kontinents mächtig ins Zeug. Bei der EM können die deutschen Nationalspieler bis zu 100 000 Euro verdienen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lässt sich das Unterfangen Euro 2004 einiges kosten. Rund 250 Euro pro Nacht und Person werden in feudalen Ria Park Garden Hotel fällig. „Ich habe zwar schon schöner gewohnt“, sagt der Stuttgarter Andreas Hinkel, „aber hier ist es auch ganz nett.“ 58 Mann stark ist der Tross, der das von Pinien und Palmen umsäumte DFB-Quartier in Vale do Garrao bewohnt. Ein möglicher finanzieller Erfolg ist vom sportlichen Abschneiden der Nationalmannschaft abhängig. Bei einem erneuten Vorrunden-Aus wie bei der EM 2000 wären die Kosten gerade einmal gedeckt – trotz erheblich gestiegener Uefa-Prämien. „Damit die EM nicht nur sportlich ein Erfolg wird, müssen wir die Vorrunde überstehen“, sagt DFB-Teammanager Bernd Pfaff. Wichtiger aber sei ihm der „Imagegewinn vor der WM im eigenen Land“. Mit einem Erfolg im Rücken wird die Mannschaft bei Werbepartnern, aber auch bei Gegnern für Freundschaftsspiele begehrter.

Ab dem Viertelfinale winkt ein Gewinn, der bei einem EM-Triumph immerhin auf maximal elf Millionen Euro ansteigen könnte. Insgesamt erhält der neue Europameister bis zu 18 Millionen Euro an Uefa-Prämien. 4,9 Millionen Euro erhalten die 16 Teilnehmer jeweils als Antrittsgeld. Für jeden Gruppensieg gibt es zusätzlich 650 000, für ein Unentschieden 350 000 Euro. Der Einzug ins Viertelfinale wird mit 1,96 Millionen, der ins Halbfinale mit 2,61 Millionen Euro prämiert. Der unterlegene Finalist kassiert 3,92 Millionen, der Sieger 6,53 Millionen Euro.

Damit wird beim DFB nicht geplant. „Wir gehen kein finanzielles Risiko ein“, sagt Pfaff. Rund sieben Millionen Euro, fast genauso viel wie bei der WM 2002 in Japan und Südkorea, wird das Unternehmen Euro 2004 verschlingen. Allein die Unterkunft an der Algarve kostet eine Million Euro. Noch einmal eine Million gibt der DFB für die Versicherung der Nationalspieler aus. Dazu kommen Kosten für Flüge (50 000 Euro), Sicherheitsmaßnahmen (100 000), Material, drei Ärzte und vier Physiotherapeuten (250 000) sowie Prämien für Trainer und Spieler. Im Optimalfall wären das etwa drei Millionen Euro. Für den EM-Titel würde jeder Spieler und Teamchef Rudi Völler 100 000 Euro kassieren. 70 000 gibt es für die Finalteilnahme und 60 000 wäre es pro Mann für das Erreichen des Halbfinals. 35 000 werden pro Kopf für den Einzug ins Viertelfinale ausgeschüttet. Nur bei einem Aus in der Vorrunde gehen alle leer aus.

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