Sport : 100 000 Mark-Belohnung führt zu den ersten Hinweisen

Die Jagd nach dem Unbekannten hat nach der von Dieter Baumann ausgesetzten Belohnung für Hinweise auf den Täter in der "Zahnpasta-Affäre" erste kleine Erfolge. Bis Donnerstag seien zehn neue Hinweise eingegangen, die nun geprüft und bewertet würden, teilte die Landespolizeidirektion Tübingen mit, bei der eine Hotline eingerichtet wurde. "Das ist inzwischen wie in einem Krimi", sagte Baumanns Anwalt Michael Lehner, "100 000 Mark sind viel Geld. Das ist ein übliches Mittel, um den Kreis möglicherweise zu schließen. Wenn der Deutsche Leichtathletik-Verband meint, mein Mandant müsse den Täter liefern, wird er alles dafür tun. Das ist nicht nur um der Show willen gemacht, sondern um den Täter zu finden." Gleichzeitig warf der Anwalt dem DLV Befangenheit vor. "Aus Angst, Baumann nicht zu sperren, ist eine Contra-Baumann-Handlung entstanden", sagte Lehner.

Derweil spitzt sich die Situation für Wilhelm Schänzer, Leiter des Doping-Kontrolllabors in Köln, zu. Drei Tage nach dem vom DLV initiierten Entzug des Analyseauftrages von Trainingskontrollen deutscher Leichtathleten im Kölner Labor erteilte der Verband Schänzers Hoffnungen auf eine schnelle Rücknahme des im deutschen Sport einmaligen Vorgangs eine Absage. "Es passiert aktuell nichts", sagte Theo Rous, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission (ADK) des DLV, am Donnerstag. Der Verband wolle erst ein für Ende Januar auf Einladung der ADK des Deutschen Sportbundes (DSB) geplantes Gespräch aller Beteiligten abwarten. "Vorher sehen wir keinen Handlungsbedarf", erklärte Rous.

Zugleich droht Schänzer von internationaler Seite Ungemach. Denn der DLV findet in seinem Vorgehen Unterstützung durch den Schweden Arne Ljungqvist. Als "empörend" bezeichnete der Vorsitzende der Anti- Doping-Kommission des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) die Äußerungen Schänzers. Leiter von IOC-akkreditierten Labors "sollen Proben analysieren, die Resultate den Auftraggebern der Analysen mitteilen - und ansonsten ihren Mund halten", sagte Ljungqvist in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Das Mitglied der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees und Vorstandsmitglied der neuen Anti-Doping-Weltagentur (WADA) kündigte Konsequenzen an. Der Fall Schänzer werde von ihm "sicher in der WADA zur Sprache gebracht. In jedem Fall werden wir darauf reagieren", erklärte der Schwede.

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