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101:88 gegen FC Bayern München : Alba Berlin: Im entscheidenden Moment zur Stelle

Alba Berlin überzeugt im dritten Halbfinalspiel gegen den FC Bayern München mit einer starken Mannschaftsleistung. Sieben Alba-Profis erzielten mindestens zehn Punkte beim fünften Sieg im fünften Heimspiel gegen die Bayern

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Albas Akeem Vargas (re.) stürzt bei einem Zweikampf gegen Münchens Nihad Djedovic (li.).
Albas Akeem Vargas (re.) stürzt bei einem Zweikampf gegen Münchens Nihad Djedovic (li.).Foto: dpa

Die Schiedsrichter hatten längst gepfiffen, aber Niels Giffey wollte den Ball einfach nicht hergeben. Alba Berlins Basketballprofi rangelte mit seinem Gegenspieler Paul Zipser, als ginge es um sein Leben. Streng genommen war Giffeys Aktion im ersten Viertel sinnlose Energieverschwendung, schließlich war das Spiel bereits unterbrochen. Symbolisch allerdings war der Kraftakt von besonderem Wert. Giffey zeigte seinem eigenen Team, den 13 133 Zuschauern und dem Gegner: Wir lassen heute nicht locker, dieser Ball, dieses Spiel gehört uns. Das war die richtige Einstellung, um ein hart umkämpftes und hochklassiges drittes Halbfinalspiel gegen den FC Bayern München am Sonntagnachmittag mit 101:88 (50:44) zu gewinnen. Im vierten Spiel der „Best-of-five“-Serie am kommenden Dienstag in München hat Alba damit den ersten von zwei Matchbällen für den Einzug in die Finalserie gegen Bamberg, ein entscheidendes fünftes Spiel würde am Donnerstag wieder in Berlin stattfinden.

Albas Coach Sasa Obradovic hatte seinen Verteidigungsspezialisten Akeem Vargas in die Startformation berufen, die Berliner wollten mit maximalem defensiven Druck beginnen. Anders als im zweiten Halbfinale, das Obradovics Team in München 73:85 verloren hatte, ließen die Schiedsrichter relativ viel Körperkontakt zu, beide Mannschaften machten von diesem Spielraum ausgiebig Gebrauch. Alba kontrollierte das Tempo und die Rebounds, die Münchner blieben vor allen Dingen durch Freiwürfe im Spiel. Anfang des zweiten Viertels konnten sich die Berliner aber absetzen und zogen auf zwölf Punkte Vorsprung davon.

Der FC Bayern München hatte große Probleme mit dem Druck von Alba Berlin

Bei den Bayern machte sich bemerkbar, dass sie erneut ohne Heiko Schaffartzik auskommen musste, dessen Wadenverletzung nach Vereinsangaben noch nicht abgeheilt ist. Die beiden verbliebenen Münchner Spielmacher Vasilije Micic und Anton Gavel hatten bisweilen große Probleme, das Spiel gegen den Druck der Berliner zu organisieren. Zur Pause lag Alba zwar nur mit sechs Punkten vorne, hatte aber starke 50 Punkte erzielt und schien das Geschehen unter Kontrolle zu haben. Die Berliner erspielten sich ihre Punkte als Team, München kam eher durch Einzelaktionen zum Erfolg. Auch der gelbe Fanblock der Gastgeber tat sein Bestes, um sein Team zum Sieg zu brüllen – immerhin hätte es das letzte Heimspiel der Saison für die Berliner werden können.

Auch den Profis des FC Bayern war die Bedeutung des Spiels natürlich bewusst – entsprechend entschlossen traten sie nach dem Seitenwechsel auf. Mitte des dritten Viertels war Albas Vorsprung dahin, Micic glich per Dreier zum 66:66 aus. Jetzt trafen die Gäste plötzlich aus der Distanz, die Berliner leisteten sich einige Ballverluste und Fehlwürfe an der Freiwurflinie, das Spiel schien zu kippen. Bayern ging sogar in Führung, mit einem Treffer mit der Schlusssirene des dritten Viertels glich Marko Banic immerhin zum 74:74 aus – vor den letzten zehn Minuten war die Partie völlig offen.

Sieben Alba-Profis erzielten zehn Punkte oder mehr

Bis zu diesem Zeitpunkt war Reggie Redding nach starkem Beginn lange unauffällig gewesen, jetzt aber drehte der Mann aus Philadelphia auf, am Ende war er mit 20 Punkten bei nur einem Fehlwurf bester Mann des Spiels. In der entscheidenden Phase traf fast jeder der Berliner, am Ende erzielten sieben Alba-Profis zehn Punkte oder mehr. „Einige von uns, die zuletzt nicht so stark waren, haben sich heute ein Herz gefasst und Verantwortung übernommen“, sagte Giffey. Bayern-Center John Bryant ließ sich vier Minuten vor Schluss zu einem Unsportlichen Foul an Vargas hinreißen, das Publikum in der Arena am Ostbahnhof tobte, Bayern-Trainer Svetislav Pesic brauchte dringend eine Auszeit.

Seine Ansprache nutzte nichts: Die Berliner dominierten die Schlussphase und ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen. Bayerns Power Forward Dusko Savanovic verlor darüber eine Minute vor Schluss völlig die Fassung und beschimpfte die Schiedsrichter so vehement und ausdauernd, dass er mit zwei Technischen Fouls bedacht und in die Kabine geschickt wurde. Die Berliner Zuschauer bejubelten am Ende den fünften Sieg im fünften Heimspiel gegen die Bayern. Wenn es nach den Alba-Profis geht, soll kein sechstes hinzukommen und die Serie am Dienstag in München enden. „Wir wollen erstmal nicht wieder hierher zurückkommen“, sagte Giffey. Angesichts der Gefährlichkeit dieses Bayern-Teams keine schlechte Idee.

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