Sport : 107 Jahre und ein Mittwochabend - jetzt ist für Hertha alles möglich (Kommentar)

miro

1892, im Gründungsjahr Hertha BSC, war natürlich nicht daran zu denken, dass dieser Verein einmal den AC Mailand schlagen würde. Den gab es damals nämlich noch gar nicht. Viele Jahre später, sehr viele Jahre später, also vor gut drei Jahren, war erst recht nicht damit zu rechnen, dass Hertha so etwas einmal gelingen würde. Die Berliner kickten gegen den Abstieg in die deutsche Drittklassigkeit, während der AC bis dahin 15-mal Italienischer Meister und viermal Pokalsieger geworden war, fünfmal den Europapokal der Landesmeister, zweimal den Europapokal der Pokalsieger, dreimal den europäischen Supercup und dreimal den Weltpokal gewonnen hatte.

Kaum zu glauben, dass Berlin vor drei Jahren Europas einzige Hauptstadt ohne erstklassigen Fußball war. Jetzt ist Hertha in Europa angekommen. Und ärgert gleich die steinreiche Prominenz. Die würde jetzt ganz gern einen Bogen um Berlin machen. Nicht die Dortmunder Borussia, die die Champions League schon einmal gewann, nicht der FC Bayern München, dem drei Minuten dazu fehlten, und auch nicht die Profis von Bayer Leverkusen, die über Scherben und glühende Kohlen laufen mussten, machen von sich reden. Ausgerechnet Hertha BSC, der scheinbar schwächste deutsche Vertreter, verbreitet dicke Luft, in Istanbul, London und Mailand. In der Champions League eilt das Team von Jürgen Röber von Höhepunkt zu Höhepunkt. Mag sein, dass man Hertha unterschätzt hat, dass Hertha überraschen konnte. Die Leistung vom Mittwoch Abend gegen Mailand war famos. Die Jetzt-ist-alles-möglich-Stimmung soll ruhig noch ein bisschen andauern. Die Stadt soll die Freude genießen und den neuen Stolz zeigen. Andere Tage kommen bestimmt. Spätestens, wenn Unterhaching kommt.

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