11-mm-Gala : Elf Filmfans sollt ihr sein

Mit großer Gala und Preisverleihung ging das sechste internationale Fußballfilmfestival „11 mm“ gestern Abend zu Ende. Doch ein Herthaner schaute lieber "Dirty Dancing" - während ein Unioner gern in der Jury saß.

Milan Jaeger

Er hatte Wichtigeres zu tun. Eigentlich hätte Marc Stein in der Jury der „11 mm shortkicks-Gala“ sitzen und am Montagabend den besten Fußballkurzfilm des „11 mm“ Fußballfilmfestivals auswählen sollen. Doch der Abwehrspieler von Hertha BSC Berlin, zog es vor, mit Teilen der Mannschaft das Musical „Dirty Dancing“ anzuschauen. „Das ist natürlich schade, ich hätte ihn gerne mal wieder gesehen,“ sagte Jurymitglied Daniel Schulz, Kapitän des 1.FC Union. Die beiden kennen sich noch aus der Jugend des BFC Dynamo.

Bessere Unterhaltung als die „11 mm“ Abschlussgala wird "Dirty Dancing" kaum geboten haben. Denn den Fußballfilmfreunden wurde bei kalten Getränken und Snacks gutes Kino geboten. Die Festivalleitung hatte neun Filme aus der Rekordanzahl von über 100 Einreichungen ausgewählt und der Jury zur Auswahl gestellt. Das Gremium um Daniel Schulz, dem auch der Schauspieler Andreas Schmidt („Sommer vorm Balkon“) und die aktuelle Tischfußballweltmeisterin Lilly Andres angehörten, kürte „Eight“ zum „shortkicks“-Gewinner 2009. Der Film erzählt von einem achtjährigen Jungen, der mit seiner Leidenschaft zum FC Liverpool die traurige Erinnerung an seinen toten Vater bewahrt. Juror Thorsten Merten zum Film: „Er zeigte einfach am besten, dass Fußball Leidenschaft ist und damit meine ich nicht Fanatismus.“

Eher im Bereich des Fanatismus liegt die Geschichte von „Temporada 92/93“, der von zwei befreundeten Fußballfans erzählt, die sich am letzten Spieltag, der über den Verbleib ihres Vereins in der Liga entscheidet, über eine Fußballwette in die Haare bekommen. „Temporada“ landete auf dem zweiten Platz.

Doch nicht nur die Jury hatte gestern das Wort, denn es wurde auch der Publikumspreis „Goldene Elf“ vergeben. Das Publikum hatte während des gesamten Festivals die Gelegenheit über die Filme abzustimmen und so den besten abendfüllenden Fußballfilm auszuwählen. Ganz vorn lag schließlich Emir Kusturicas Dokumentation „Maradona par Kusturica“. Kusturica verbindet in ihr die fußballerische Karriere Diego Armando Maradonas und seinen Absturz in den Drogensumpf auf der einen Seite, mit der idealistischen Einstellung des Fußballidols auf der anderen. Dass Regisseur Kusturica Maradona über alle Maßen verehrt, ist dem Film deutlich anzumerken. Obendrein ernannte er sich selbst zum „Maradona des Kinos.“

Die Festivalleitung um Organisator Birger Schmidt zog ein positives Fazit der vier Festivaltage. „Wir hatten fast 3000 Besucher, so viele Filmeinreichungen, wie noch nie und vor allem ein Kinopublikum das nicht nur aus knallharten Fußballfans bestand.“ Das war schließlich das erklärte Ziel des Festivals, auch die fußballfremden Kinogänger für den Fußball zu interessieren. Vor allem die vielen Filme über den DDR-Fußball seien im Jubiläumsjahr 20 Jahre nach dem Mauerfall gut angekommen.

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