Sport : 127 Tage und kein Heimsieg

Der 1. FC Union muss sich im Zweitligaspiel gegen den Karlsruher SC mit einem 0:0 begnügen

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Bertram stellt sich das alles ganz anders vor. „Wir wollen in Zukunft locker mitspielen in dieser Liga und unsere Zuschauer wieder mit gutem Fußball begeistern“, sagte der Präsident des 1. FC Union. Ein paar Minuten zuvor war die Zweitligapartie gegen den Karlsruher SC im Stadion an der Alten Försterei abgepfiffen worden, und mancher der 7211 Zuschauer hatte diesen Pfiff angesichts des zuvor Dargebotenen als größte Wohltat in den 90 Minuten empfunden. 0:0 endete das Spiel. Und Bertram formulierte umständlich: „Wir bewegen uns im Moment nicht in einer normalen Zweitliga-Qualität.“ Solche Unzufriedenheit ist verständlich: Seit nunmehr 335 Minuten hat Union vor eigenem Publikum kein Tor mehr erzielt, der letzte Heimsieg, ein 3:1 gegen den VfB Lübeck, liegt 127 Tage zurück.

Alarmierende Zahlen. Bertram übersieht die Zeichen nicht. Er sagt zwar: „Das ist keine Abstiegsmannschaft.“ Aber er weiß, dass es so auf Dauer nicht weitergehen darf. „Wir müssen nach der Saison einen Schnitt machen. Wir brauchen eine Mischung aus gestandenen Spielern, die schon lange bei uns sind, und neuen jungen Leuten.“

Einer, der zu den gestandenen und derzeit leistungsstärksten Kräften zählt, trägt indes Abwanderungsgedanken: Ronny Nikol. An ihm ist der MSV Duisburg brennend interessiert, offenbar fehlt dem Klub aber für eine Verpflichtung das nötige Kleingeld. Union hat Nikol bereits ein Angebot zur Vertragsverlängerung unterbreitet, war mit dem Profi auch zum Gespräch verabredet, „doch Nikol hat den Termin verstreichen lassen“, wie Bertram leicht angesäuert feststellt. Union bewahrt bei dieser Personalie Gelassenheit. Bertram: „Ronny Nikol hat ja schon ein paar Mal Erfahrungen gemacht mit seiner Schaukelpolitik.“ Ein Transfer zu LR Ahlen war mal vor längerer Zeit nach unzähligen Pokerrunden geplatzt.

Nikol hätte gegen Karlsruhe rein sportlich Schlagzeilen machen können. Fast wäre ihm eine exakte Kopie des spektakulären Tores von Bremens Fabian Ernst vom Vortag in Dortmund gelungen. Nikol versuchte kurz hinter der Mittellinie einen Heber über den weit vor dem Tor postierten KSC-Schlussmann Martin Fischer. Fischer erwischte aber den Ball im Zurücklaufen, lenkte ihn mit den Fingerspitzen gerade noch so über die Latte.

Nikol ärgerte sich nicht über die knapp verpasste Ruhmestat. „Egal, wie wir das Tor machen, nur: Wir müssen es machen“, sagte er.

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