140 Festnahmen : Sieger und Verlierer nach dem Champions-League-Finale

Der Polizei hatte mit den gut gelaunten Chelsea-Fans nach dem Champions-League-Finale vergleichsweise wenig Ärger und Sat 1 freut sich gleich über einen doppelten Quoten-Rekord. Sogar in Camp David verfolgte man das deutsch-englische Fußball-Spektakel.

England und Deutschland vereint: Der britische Premier David Cameron und Bundeskanzlerin Angela Merkel verfolgten das Spiel in Camp David, wo gerade der G8-Gipfel statt fand. Nach dem Spiel kommentiere die Kanzlerin, die Bayern bräuchten jetzt "viel psychologische Aufbauarbeit".Alle Bilder anzeigen
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20.05.2012 00:10England und Deutschland vereint: Der britische Premier David Cameron und Bundeskanzlerin Angela Merkel verfolgten das Spiel in...

Rund um das Champions League-Finale zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea hat es nach Polizeiangaben vom Sonntag in München 140 Festnahmen gegeben. Die Vorwürfe reichten von Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Verkauf von gefälschten Trikots, dem Zünden von Knallkörpern bis hin zu Körperverletzung. Schwerverletzte habe es aber nicht gegeben, „es handelte sich eher um Kleinkram“, sagte ein Polizeisprecher.
Nur rund 15 Personen wurden am Morgen noch befragt, der Rest sei wieder auf freiem Fuß. Die Rückreise der deutschen und englischen Fans gestaltete sich laut Polizei unproblematisch. „Ein großer Teil der Besucher ist gestern Abend schon wieder nach Hause gefahren“.

Ein Flughafensprecher bestätigte, dass 16 der etwa 30 Fan-Sondermaschinen noch in der Nacht wieder gen England gestartet seien - sie hatten eine Sondergenehmigung zum Nachtstart erhalten. Insgesamt waren etwa 6000 der 20 000 bis 30 000 mitgereisten Fans aus England eingeflogen. „Alle waren fröhlich und viele sehr stark alkoholisiert“, sagte der Sprecher. Es habe jedoch keine nennenswerten Probleme gegeben. Bei allem Kummer über die bayerische Niederlage sei dies der Vorteil: Fröhliche Fans zerstören weniger.

Mit seiner letzten Champions-League-Übertragung beim Finalschock der Bayern hat der TV-Sender Sat.1 einen doppelten Quoten-Rekord aufgestellt. 16,77 Millionen Zuschauer sahen im Durchschnitt die Live-Berichterstattung des Endspiels am Samstagabend und sorgten so für den bisher besten Wert für eine Partie im wichtigsten Fußball-Europapokal-Wettbewerb.

Das bisher erfolgreichste Champions-League-Spiel war das Finale 1997 von Borussia Dortmund gegen Juventus Turin bei RTL mit 15,26 Millionen Zuschauern. Zugleich war die Niederlage der Münchner gegen den FC Chelsea senderintern die quotenstärkste Fußball-Übertragung in der Geschichte von Sat.1.

Das Endspiel in München kam nach Angaben des Senders auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 55,3 Prozent. In der Spitze verfolgten bis zu 20,38 Millionen den Sieg der englischen Mannschaft im Elfmeterschießen und sorgten für einen Marktanteil von 70,1 Prozent. Auch das ist ein Spitzenwert für Sat.1. In den kommenden drei Spielzeiten überträgt das ZDF die Champions League.

Die hochdramatische Niederlage der Bayern im Champions-League-Finale hat auch die Staats- und Regierungschefs der G-8 in ihren Bann gezogen. Auf dem Landsitz von US-Präsident Barack Obama in Camp David stahlen sich am Samstag Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron aus dem Konferenzraum - und verzogen sich nach nebenan zum Fußballgucken. Nach und nach gesellten sich immer mehr Staatenlenker hinzu, sodass beim Elfmeterschießen gegen Chelsea unter anderem Obama, der australische Premier Stephen Harper sowie EU-Ratspräsident Herman van Rompuy sowie zahlreiche enge Mitarbeiter mitfieberten.

Merkel befürchtet nun, dass die frustrierten Bayern-Stars ihren Kopf nicht freihaben für die wichtige EM-Vorbereitung der Nationalelf. „Da ist viel psychologische Aufbauarbeit notwendig“, sagte die Regierungschefin auf dem Weiterflug zum NATO-Gipfel nach Chicago. Cameron habe zunächst vorhergesagt, dass das deutsche Team sowieso „wie immer“ das Elfmeterschießen gewinnen werde. Als schließlich Chelsea siegte, sei ihr Cameron um den Hals gefallen. „Da hatte ich dann auch nichts von“, kommentierte Merkel trocken.

Zuvor, während der dramatischen Schlussphase, sei Obama spaßhaft dazwischen gegangen, um einen deutsch-britischen Fußball-Streit auf höchster Ebene zu verhüten, berichtete Merkel. (dpa/dapd)

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