Sport : 150 Trainingspartner

Hollands Weltklasse-Eisschnellläufer klagen über miserable Bedingungen

Frank Bachner

Berlin – Ab Krook erzählt die Geschichte mit den Kindern und den Bussen. Er hat nichts gegen Kinder, natürlich nicht, aber auch sie symbolisieren sein größtes Problem. Der Niederländer Krook wohnt in einer Kleinstadt mit gerade mal 8000 Einwohnern, und jeden Samstag stehen drei Großbusse im Ortszentrum. Sie nehmen 150 Kinder auf, transportieren sie zur nächsten Eisbahn und bringen sie Stunden später wieder zurück. Die drei Busse reichen eigentlich nicht. „Es gibt bei uns noch Wartelisten für Kinder“, sagt Krook.

Dann sagt er ein paar Sekunden gar nichts. Er lässt das wirken, 150 Kinder, drei Großbusse, Warteliste. Das spricht doch für sich, findet Krook, der Cheftrainer der niederländischen Eisschnellläufer. Schlittschuhlaufen ist Volkssport in den Niederlanden, quasi ein ganzes Land bewegt sich in der Wintersaison auf dem Eis. Und der Cheftrainer Krook verzweifelt fast daran. Denn zwischen diese Massen trainieren viele seiner Topathleten. Unfreiwillig natürlich.

In den Niederlanden gibt es keine Stützpunkte für Eisschnellläufer, es gibt keine Bahnen, auf denen die Hochleistungssportler ungestört trainieren können. Es gibt nur private Eisbahnen, deren Betreiber vom Eintritt leben und deshalb Massen aufs Eis lassen. In Spitzenzeiten kurven mehrere hundert Menschen übers Eis. „Die Trainingsbedingungen sind nicht optimal“, sagt Krook.

Es ist hochgradig kurios: Ausgerechnet die Eisschnelllauf-Großmacht Niederlande, die serienweise Olympiasieger, Welt- und Europameister hervorbringt, hat die miserabelsten Trainingsbedingungen aller führenden Nationen. „Wir sind neidisch auf die Trainingszentren Berlin, Erfurt oder Calgary“, sagt Krook. Dort herrschen ideale Bedingungen.

In Heerenveen nicht. In Heerenveen findet an diesem Wochenende der Weltcup statt, die Zuschauerplätze sind natürlich ausverkauft. „In Heerenveen konnten wir vor zwei Jahren nur zwischen 12 und 13.30 Uhr auf dem Eis einigermaßen trainieren. Und das nicht mal jeden Tag“, sagt Krook. Abends gibt es in Heerenveen oder auf anderen Bahnen noch Vereinstraining, für die organisierten Läufer. Aber selbst dann sind 150 Mann auf dem Eis.

Und weshalb sammeln die niederländischen Stars trotzdem reihenweise Medaillen? Weil vor allem die Sprinter so oft wie möglich fliehen. Sie gehen pro Saison mehrere Wochen ins Ausland zum Training. Die Langstreckenläufer dagegen bleiben meist in der Heimat. Sie arrangieren sich mit den Verhältnissen, irgendwie. Auch der 5000-m-Star Gianni Romme ist viel in den Niederlanden.

In Heerenveen hat sich die Situation jetzt etwas gebessert. Bis zum Weltcup hatte Krook immerhin vier Mal pro Woche jeweils vormittags und nachmittags Trainingszeiten, in denen weniger Menschen als sonst auf dem Eis liefen. Aber diese Verbesserungen verdankt der Cheftrainer lediglich den finanziellen Problemen des Heerenveener Eisbahn-Besitzers. Der hatte trotz des enormen Andrangs große Probleme. Der Hauptsponsor des niederländischen Eisschnelllauf-Verbandes half dem klammen Unternehmer mit viel Geld. Aber weil der große Spender auch den Breitensport fördert, verzichtete er darauf, als Gegenleistung für sein Geld den Topstars exklusive Eiszeiten zu sichern. Ab Montag werden die Trainingszeiten sogar wieder eingeschränkt. Dann haben Kroogs Athleten nur an zwei Vormittagen pro Woche einigermaßen freies Eis. Aber Krook sieht das ganz pragmatisch: „Was wir jetzt erreicht haben, wäre vor drei Jahren noch völlig unmöglich gewesen.“

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