Sport : 152 Mal Hoffnung für Sotschi

Erstmals mehr Frauen im deutschen Olympiateam.

Reinhard Sogl

Frankfurt am Main - Wenn die deutschen Wintersportler bei den Spielen in Sotschi so die Kurve kriegen wie Präsident Alfons Hörmann beim Neujahrsempfang des von ihm angeführten Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) am Donnerstag in Frankfurt am Main, dann kann es was werden mit dem ambitionierten Ziel von 30 Medaillen. „Wir werden Deutschland mit einem schlagkräftigen und starken Team würdig vertreten“, sagte Hörmann sichtlich begeistert.

Nach der Nominierungspressekonferenz in der DOSB-Zentrale, bei der der langjährige Präsident des Deutschen Ski-Verbands ein erfolgreiches Abschneiden der 152 Athletinnen und Athleten „nicht nur an der Frage des Medaillenzählens“ festmachen wollte, fand der Nachfolger des zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählten Thomas Bach offene und launige Worte. Im Kaisersaal des Römers trauerte Hörmann zwar noch der abgelehnten Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 hinterher. Er richtete aber auch den Blick in die Zukunft und mahnte für Olympia, wegen Umweltsünden, explodierender Kosten und Menschenrechtsverletzungen weltweit mit Argwohn betrachtet: „Wir sind gehalten, vorurteilsfrei nach Sotschi zu reisen, aber auch mit kritischem Blick.“ Trotz der notwendigen Einhaltung der olympischen Charta, die politische Demonstrationen verbietet, dürften deutsche Sportler ihre Meinung sagen: „Einen Maulkorb gibt es nicht.“

Von der präsidialen Ansage dürfen sich 77 Athletinnen – wegen der Nichtqualifikation der Eishockey-Männermannschaft stellen die Frauen erstmals die Mehrheit – und 75 Athleten angesprochen fühlen. Aus „moralisch-ethischen Gründen“ wurde nach Aussage von DOSB-Generalsekretär Michael Vesper die Meldung von Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr abgelehnt. Der 70-Jährige war 1995 wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener vom Landgericht Stuttgart zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Geht es nach Vesper, wird das deutsche Team nicht nur sportlichen Gegnern, sondern auch den Terrordrohungen trotzen. „Wir kapitulieren nicht. Wir müssen davon ausgehen, dass die Sicherheit aller gewährleistet ist“, sagte der frühere Grünen-Politiker. Vesper erinnerte daran, dass es schon oft vor Olympischen Spielen Ankündigungen von Anschlägen gegeben habe. Er wolle die Situation aber auch nicht verharmlosen. Reinhard Sogl

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