Sport : 1860 München - HSV: Von wegen Frohes Fest

"Ein frohes Fest", rief "Löwen"-Präsident Karl-Heinz Wildmoser zum Abschied Frank Pagelsdorf noch zu - doch nach der 1:2 (0:1)-Niederlage am späten Samstagabend beim TSV 1860 München war dem Trainer des Hamburger SV wahrlich nicht nach Weihnachten, geschweige denn nach Feiern zumute. Vielmehr hat sich bei den mit hohen Zielen in die Saison gestarteten Hanseaten nach dem tiefen Fall in den Tabellenkeller kollektive Katerstimmung breit gemacht. Pagelsdorf: "Das hatten wir uns alles ein wenig anders vorgestellt. Ich bin jedenfalls sehr enttäuscht. Anderen geht es hoffentlich ähnlich."

Vor allem Sportdirektor Holger Hieronymus fand für die prekäre Lage des HSV zum Abschluss des Jahres ganz deutliche Worte. "So gewinnen wir kein Spiel mehr. Es ist zu wenig, was einige auf dem Platz leisten. Die Situation ist wirklich kritisch, wenn man so spielt wie wir", sprach Hieronymus Klartext und fügte süffisant an: "Gut, dass wir jetzt Pause haben."

Darüber war auch Pagelsdorf nach der sechsten Niederlage in den letzten sieben Bundesligaspielen froh. "Die Pause kommt für einige zur rechten Zeit", sagte der HSV-Trainer und suchte händeringend nach Entschuldigungen für die jüngste Pleitenserie: "Man hat gemerkt, dass uns die Erfolgserlebnisse fehlen. Das Nervenkostüm ist angekratzt. Wir haben auch nicht das nötige Glück."

Trotzdem wollte der HSV-Coach nicht von den Saisonzielen, sprich Teilnahme am internationalen Geschäft, abweichen: "Unser Ziel bleiben ganz klar 30 Punkte für den Rest der Rückrunde." Das wären am Ende der Saison 51 Zähler, was durchaus für einen Platz im Europacup reichen könnte.

Doch daran wollte Hieronymus nach einer erneut enttäuschenden Vorstellung der HSV-Profis nicht denken: "Über unsere Saisonziele machen wir uns in den nächsten vier Wochen Gedanken." Veränderungen des Kaders schloss er allerdings aus: "Die Spieler, die wir haben, müssen da jetzt durch."

Frust beim HSV, neue Euphorie bei 1860 München nach dem dritten Erfolg in nur einer Woche. Sogar der Europapokal ist für die Sechziger wieder ein Thema. "Vielleicht können wir noch an Platz sechs anklopfen. Die Qualität unseres Kaders lässt auf eine gute Zukunft hoffen", meinte Wildmoser, der seine Rücktrittspläne endgültig ad acta gelegt hat.

Auch Trainer Werner Lorant war wieder obenauf. Fast schon vergessen sind die zehn Spiele in Folge ohne Sieg und das Gerede von einer Krise bei den Sechzigern. "Ich bin hochzufrieden. Dieser Sieg und der gute Abschluss waren wichtig. Das hat sich die Mannschaft verdient", erklärte Lorant, fand aber trotzdem Anlass zu Kritik: "Wir müssen nach vorne besser spielen. Auch das Gegentor darf nicht passieren. So etwas ärgert mich."

Grund des Ärgers war das 1:2 durch Sergej Barbarez in der 74. Minute. Der Bosnier, der fünf Minuten vor Schluss die Gelb-Rote Karte sah, hatte Christian Pürk bei seinem zwölften Saisontreffer ganz alt aussehen lassen. Es war jedoch der einzige Höhepunkt aus Sicht des HSV, der sich vor 19 700 Zuschauern im Olympiastadion über weite Strecken "zerfahren, sehr nervös und ohne Spielfluss" (Pagelsdorf) präsentiert hatte.

Zu allem Überfluss musste Stammtorhüter Jörg Butt in der 13. Minute wegen Rückenproblemen ausgewechselt werden. Ersatzmann Mathias Schober war bei den Münchner Toren durch den "U21"-Nationalspieler Daniel Bierofka (23.), der sein erstes Bundesligator überhaupt erzielte, und Paul Agostino (63./elfter Saisontreffer) jedoch machtlos.

Den Gastgebern war dies ohnehin egal. Sie verabschiedeten sich beruhigt in die Winterpause. Lorant: "Ich bin froh, wenn ich die Spieler 14 Tage nicht sehe. Die sind froh, dass sie mich nicht sehen."

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