2:0 gegen Belgien : Ein Sieg mit Wirkung

Bundestrainer Joachim Löw ist angetan vom 2:0-Erfolg gegen Belgien – er weiß jetzt, dass er Alternativen hat.

Michael Rosentritt
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Der kurvige Weg zum Tor. Marko Marin.Foto: AFP

Irgendwie sah er stolz aus, der Bastian Schweinsteiger, als er den Rasen des Nürnberger Stadions am späten Mittwochabend verließ. Das tat er mit der Kapitänsbinde am Arm und der Gewissheit, mit seinem verwandelten Elfmetertor den Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eingeleitet zu haben. Am Ende hieß es 2:0 über weitgehend harmlose Belgier. Schweinsteiger aber freute sich über den gelungenen Start. „Ein neues Abenteuer beginnt. Jeder Spieler muss versuchen, sich einen Platz zu erkämpfen. Und die gestandenen Spieler müssen Leistung bringen, um in der Mannschaft zu bleiben“, sagte der Mittelfeldspieler des FC Bayern, der in Abwesenheit Michael Ballacks und nach der Auswechslung von Ersatzkapitän Miroslav Klose die Mannschaft führte.

Joachim Löw war angetan vom Auftritt seiner Mannschaft, besonders von dem Schweinsteigers. Er habe viele Länderspiele gemacht und einige Turniere bestritten. „Der Bastian muss jetzt, wie beim Elfmeter, auch Verantwortung übernehmen“, sagte Löw. 52 Tage nach dem EM-Finale von Wien mochte der Bundestrainer das Spiel gegen Belgien als Beginn einer neuen Zeitrechnung verstehen. Anfang September beginnt für das deutsche Team die WM-Qualifikation. Der Vizeeuropameister muss die starken Russen in seiner Gruppe hinter sich lassen, will er sich die nervigen Relegationsspiele ersparen.
 
Als Auftaktspiel wichtig

„Es war ein gutes Warm-up“, sagte Löw nach dem Spiel. Der Bundestrainer weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig so ein Auftaktspiel sein kann. Traditionell finden im August die ersten Freundschaftsländerspiele der neuen Saison statt, meist stellen sie eine Zäsur dar, weil nach großen Turnieren nicht selten die Trainer getauscht wurden. Für Löw beginnt die zweite Periode seiner Amtszeit. Vom Papier her endet sie nach der WM 2010. Ende 2009, wenn die WM-Qualifikation abgeschlossen ist, wollen Löw und DFB über eine eventuelle Vertragsverlängerung sprechen.

Der Start ist gelungen. Zwar sind die Belgier nur noch im europäischen Mittemaß einzuordnen, aber ein Sieg zu Saisonauftakt kann psychologisch wirken. Vor acht Jahren etwa startete Rudi Völler als Bundestrainer mit einem 4:1-Sieg über Spanien. Völlers Nachfolger Jürgen Klinsmann gelang seinem Trainerdebüt 2004 ein 3:1 in Wien und auch Löw erstes Spiel als Bundestrainer nach der WM 2006 war ein 3:0 über Schweden.

Ein Signal, noch keine Wachablösung

In Nürnberg standen noch fünf Spieler des EM-Finals in der Startelf – ein erstes Signal. Von einer Wachablösung zu sprechen wäre verfrüht. Ballack und Frings mussten verletzt passen, sie werden in die Mannschaft zurückkehren, ebenso der angeschlagene Mertesacker. Aber Löw hat Alternativen. Der Bundestrainer hatte bereits angekündigt, dass er auf allen Positionen Konkurrenzkampf sehen möchte. Das gilt nicht nur für das Tor. „Form und Fitness zählen mehr als Namen“, hatte Löw gesagt. Der 48-Jährige wird sich daran messen lassen müssen. Bei der EM hielt er an Spielern wie Lehmann, Frings und Metzelder fest, obwohl sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sein konnten.

Gegen Belgien blieb Metzelder draußen. Für ihn und Mertesacker spielten Heiko Westermann und Serdar Tasci, der 18. Neuling der Löwschen Amtszeit. Der Deutsch-Türke Tasci zählte neben Marko Marin zu den Gewinnern. Der Mönchengladbacher Mittelfeldspieler schoss nach wunderschönem Doppelpass mit Philipp Lahm das 2:0. Als „frech und qualitativ gut“, bewertete Löw den Auftritt von Marin. Über Tasci urteilte der Bundestrainer: „Er spielt taktisch einen guten Ball, vor allem seine Spielauflösung nach vorn mit langen Pässen ist hervorragend.“ Der Start ist nicht nur Joachim Löw gelungen.

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