2:1 gegen den VfB Stuttgart : Hertha BSC feiert ersten Heimsieg der Saison

Gegen den VfB Stuttgart schafft es Hertha BSC endlich, sich nach einer ordentlichen Leistung in einem Heimspiel auch mit einem Sieg zu belohnen.

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Erstes Saisontor: Der Japaner Genki Haraguchi bejubelt seinen Treffer zur 1:0-Führung.
Erstes Saisontor: Der Japaner Genki Haraguchi bejubelt seinen Treffer zur 1:0-Führung.Foto: dpa

Pal Dardai konnte sich einfach nicht entscheiden. Sollte er seinen Stehplatz in der Coaching-Zone einnehmen? Oder doch lieber die gepolsterte Sitzvariante auf der Auswechselbank? Angesichts des Resultats und des Verlaufs war das gar nicht so einfach für den Trainer von Hertha BSC. Am vierten Bundesliga-Spieltag führte sein Team zwar gegen den VfB Stuttgart, aber so richtig sicher war die Sache mit dem ersten Heimsieg in der neuen Saison lange Zeit nicht. Stehen? Sitzen? Dardais Hibbeligkeit ließ sich durchaus als Sinnbild deuten für eine gewisse Unsicherheit bei den Berlinern, die es bereits im ersten Heimspiel gegen Werder Bremen (1:1) versäumt hatten, eine gute Leistung mit drei Punkten zu veredeln. Am Samstag ist ihnen das nun gelungen: Nach Toren von Genki Haraguchi und Fabian Lustenberger setzten sie sich mit 2:1 (2:1) gegen den weiterhin punktlosen VfB Stuttgart durch.

Dardai veränderte sein Team im Vergleich zum letzten Punktspiel in Dortmund auf drei Positionen: Für Peter Pekarik (Schulterverletzung) rückte Mitchell Weiser auf die rechte Außenverteidigerposition; der gerade erst genesene Neuzugang vom FC Bayern stand zum ersten Mal seit seinem Wechsel nach Berlin in der Startelf. Darüber hinaus ersetzte Kapitän Fabian Lustenberger in der Innenverteidigung John Anthony Brooks (Oberschenkelverhärtung). Auch Salomon Kalou und Roy Beerens standen wieder in der Startformation, dafür musste Johannes van den Bergh zurück auf die Bank.

Der VfB Stuttgart stand wesentlich tiefer als in den bisherigen Spielen

Auf der anderen Seite modifizierte VfB-Coach Alexander Zorniger sein zuletzt praktiziertes 4-4-2-System, in dem die Schwaben an den ersten Spieltagen zwar recht ansehnlich und vor allem offensiv, aber nicht eben zielführend agiert hatten. Zorniger stellte also auf 4-1-4-1 um, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit; seine Elf stand wesentlich tiefer als noch zuletzt, verengte die Räume zwischen den Viererketten und überließ den Berlinern die Initiative. Allerdings ging der Plan des VfB nicht sehr lange auf: Odisseas Vlachodimos, für gewöhnlich dritter Keeper hinter dem verletzten Mitch Langerak und dem gesperrten Przemyslaw Tyton, konnte die erste Chance der Partie durch Salomon Kalou zunächst noch verhindern, wenig später war er aber machtlos – weil ihn seine Vorderleute geschlossen im Stich ließen: Mitchell Weiser bediente Genki Haraguchi, der Adam Hlousek mit einem Haken schwindelig spielte und nach einer Viertelstunde zum 1:0 traf.

Von diesem erneut frühen Rückstand ließen sich die Gäste aber nicht aus dem Konzept bringen, in der Folge spielten sie mutiger nach vorn. Thomas Kraft im Berliner Tor musste zwei Mal in höchster Not gegen Daniel Ginczek klären. Nach einer guten halben Stunde führte Herthas Defensive dann ein Lehrbeispiel dafür auf, wie Standardsituationen in der Bundesliga auf gar keinen Fall zu verteidigen sind: Daniel Didavis Freistoß flog in den Strafraum und genau auf den Kopf von Toni Sunjic, für den sich in einem Radius von geschätzten fünf Metern niemand zuständig fühlte. Der Bosnier bedankte sich artig für den Freiraum und traf zum verdienten 1:1-Ausgleich.

Fabian Lustenberger brachte das Olympiastadion doch noch einmal zum Beben

Als sich die meisten der 45994 Zuschauer, unter ihnen 1000 eingeladene Flüchtlinge und ein beträchtlicher Stuttgarter Block in rot-weiß, bereits mit einem Remis zur Pause abgefunden hatten, brachte Fabian Lustenberger das Olympiastadion doch noch einmal zum Beben. Der Kapitän beförderte eine Bogenlampe per Direktabnahme aus 20 Metern zum 2:1-Pausenstand in den Winkel. Für Herthas Kapitän war es der vierte Treffer in acht Jahren Berlin und wahrscheinlich auch der schönste. Die Einwechslung des ehemaligen Stuttgarters Vedad Ibisevic ging angesichts des Jubelschreis beinahe unter. Kurz vor dem Seitenwechsel war Herthas kürzlich verpflichteter Angreifer für den verletzten Roy Beerens aufs Feld gekommen.

Kurz nach Wiederanpfiff hätten die Berliner für klare Verhältnisse sorgen können. Salomon Kalou stürmte bei einem Konter allein aufs VfB-Tor zu, verstolperte den Ball aber auf den letzten Metern und blieb schließlich an einem der vielen mitgelaufenen Stuttgarter Verteidigerbeine hängen. Überhaupt verlor die in der ersten Halbzeit recht ansehnliche Begegnung im weiteren Verlauf zusehends an Niveau und war geprägt von vielen kleinen Fouls und immer mehr größeren Ungenauigkeiten. Abgesehen von einem Distanzschuss ans Außennetz durch Alexandru Maxim brachte der VfB nach vorn aber nicht mehr viel zu Stande, so dass sich selbst Pal Dardai irgendwann entscheiden konnte: für den Sitzplatz. Da war die Nachspielzeit schon so gut wie abgelaufen.

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