2:1 gegen Leverkusen : Westermann lässt den HSV jubeln

Der Hamburger SV holt mit einem Sieg gegen Bayer Leverkusen drei wichtige Punkte im Abstiegskampf. Die Hanseaten stehen damit nicht mehr auf einem Abstiegsplatz - zumindest für eine Nacht.

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Matchwinner: Heiko Westermann erzielt den 2:1-Siegtreffer für den Hamburger SV.
Matchwinner: Heiko Westermann erzielt den 2:1-Siegtreffer für den Hamburger SV.Foto: dpa

Der Schuss ließ das ganze Stadion erzittern. Als Heiko Westermann den Ball in der 82. Minute volley ins Tor drosch, brach sich die Erleichterung aus fast 50 000 Kehlen Bahn. Sein Treffer ermöglichte dem Hamburger SV am Freitagabend einen eminent wichtigen 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen. Durch den dritten Sieg unter Trainer Mirko Slomka ist der kampfstarke HSV dem Klassenverbleib ein Stück näher gekommen, während Bayer-Coach Sami Hyypiä mehr denn je um seinen Job bangen muss.

In der Woche bewies Adler noch Sinn für Realismus. „Ich würde auch Rang 16 unterschreiben. Relegation wäre eine Chance, keine Strafe“, sagte er. Wenn man solch eine Rückrunde spielt wie der HSV und bis auf Rang 17 gerutscht ist, wäre die unfreiwillige Saisonverlängerung offenbar eine Belohnung. Und seit Freitag scheint das auch wieder mehr möglich.

Immerhin lässt sich an Adlers Satz ablesen, dass längst nüchterner Realismus Einzug gehalten hat am Volkspark. Wer Trainer Mirko Slomka beim Training sieht, erlebt einen hochkonzentrierten, ernsten und strengen Coach, der auch Stars anbellt. Existenzkampf an der Elbe: Beim Abstieg würde der Etat der Profis von 40 auf 24 Millionen Euro sinken; um die Lizenz fürs Unterhaus zu bekommen, müsste der HSV teure Stars wie van der Vaart, Jansen, Westermann und Adler verkaufen, nur: an wen? Allenfalls Hakan Calhanoglu, um den doch eigentlich das neue Team herum gruppiert werden soll, und Adler könnten Geld bringen. Auch der Umsatz würde geradezu einbrechen – von 125 auf 70 Millionen Euro, durch weniger Fernseh-, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen. Und nicht einmal der aktuelle Trainer wäre gesetzt, denn der HSV-Vorstand würde den Coach gegen eine Zahlung von 600 000 Euro vermutlich aus seinem Vertrag lassen und sich für eine günstigere Lösung entscheiden müssen. Ein düsteres Szenario also im Falle des Abstiegs.

Üerragender Hakan Calhanoglu

Allerdings stemmte sich die dezimierte Hamburger Mannschaft gegen das Unheil. Der verletzte Pierre-Michel Lasogga fehlte ohnehin, später mussten auch Milan Badelj und Rafael van der Vaart angeschlagen vom Feld. Vor allem der überragende Hakan Calhanoglu drehte auf und war an jeder guten Aktion beteiligt. Beinahe wäre dem 20-Jährigen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit das 2:0 mit einem 20-Meter-Schuss gelungen – Bernd Leno im Leverkusener Tor reagierte hervorragend. Machtlos war er dagegen in der vierten Minute gewesen, als Calhanoglu aus ähnlicher Entfernung satt ins lange Eck traf. Abgelegt hatte van der Vaart, der ansonsten allenfalls durch sein Bemühen auffiel.

Ohne Lasoggas Wucht im Sturmzentrum hatte Hamburg gegen schwache Bayer-Profis erhebliche Mühe, in Tornähe gefährlich zu werden. Jacques Zoua hat einfach kein Bundesliga-Niveau. Bayer wirkte verunsichert nach der desolaten Leistung gegen Braunschweig und einer Serie von nur einem Sieg in den vergangenen elf Spielen, bewies aber auch, dass man gegen diesen HSV immer zu Chancen kommt. Das, was dann zum Ausgleich führte, war allerdings keine solche. Als der HSV aussichtsreich dabei war, eine knappe Führung zu verteidigen, griff der ansonsten überragende Torwart René Adler daneben und ließ einen Weitschuss des 17-jährigen Julian Brandt nach einer knappen Stunde zum Ausgleich durch die Hände rutschen. Westermann rückte die Dinge acht Minuten vor dem Ende allerdings wieder zurecht.

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