2:1 in Köln : Hertha siegt und bleibt Verfolger

Hertha BSC gewinnt 2:1 in Köln. Da die direkte Konkurrenz auch siegt, bleiben die Berliner Dritter. Josip Simunic sagt: „Jetzt glauben alle, dass die Meisterschaft möglich ist.“

Stefan Hermanns[Köln]
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Grund zum Jubeln haben Herthas Spieler allemal - auch ohne Sprung an die Tabellenspitze.Foto: dpa

Unmittelbar vor der Pause erhielten die Spieler von Hertha BSC auch von den Rängen einen Hinweis darauf, dass sie ihre Sache mehr als zufrieden stellend erledigt hatten. „Ihr werdet nie Deutscher Meister“, sangen die Fans des 1. FC Köln in der Südkurve. Spott war das nicht, eher Enttäuschung. Bis zu diesem Zeitpunkt war von der Meisterschaft in Müngersdorf nicht die Rede gewesen, dann aber erhielten die Ambitionen des Berliner Fußball-Bundesligisten auf den Titel einen neuen Schub: Der Brasilianer Cicero brachte Hertha BSC nach zähem Beginn 1:0 in Führung. Am Ende hieß es 2:1 (1:0) für die Berliner, die allerdings weiterhin mit einem Punkt Rückstand stand auf Wolfsburg und Bayern auf dem drittten Tabellenplatz in der Verfolgerrolle bleiben. Da Borussia Dortmund in in Wolfsburg verlor, sind die Berliner seit gestern auf jeden Fall sicher für die Europa League qualifiziert. „Wir sind nicht zufrieden. Wir wollen mehr“, sagte Josip Simunic. „Jetzt glauben alle, dass die Meisterschaft möglich ist.“

Weil beide Mannschaften so spielten, wie sie immer spielen, im Zweifel nämlich eher reserviert, passierte unmittelbar vor den Toren nicht allzu viel. Der FC hatte zwei Kopfballchancen durch Fabrice Ehret und Manasseh Ishiaku, Hertha wurde in der Offensive auch nicht besonders auffällig. Die erste gute Gelegenheit vergab Gojko Kacar, dessen Kopfball knapp am Pfosten vorbei ging, und kurz vor der Pause konnte Kölns Ersatztorhüter Thomas Kessler Raffael den Ball gerade noch vom Fuß stibitzen. Der 23-Jährige kam gegen die Berliner zu seinem Bundesligadebüt und machte bei hohen Bällen nicht immer den sichersten Eindruck. Doch die Berliner spielten nicht zwingend genug, um sich die Nervosität des jungen Torwarts zunutze zu machen.

Während die Kölner vier Stammkräfte ersetzen mussten, kann Herthas Trainer Lucien Favre im Endspurt um die Meisterschaft fast über sein komplettes Personal verfügen. Kapitän Arne Friedrich saß nach seiner Meniskusverletzung erstmals wieder auf der Bank und befand sich dort in bester Gesellschaft: Wie erwartet stand auch Andrej Woronin gegen seinen früheren Verein nicht in der Startelf. Erst 20 Minuten vor Schluss kam er für Marko Pantelic ins Spiel, dem Favre den Vorzug gegeben hatte. Kurz vor der Pause durfte sich Herthas Trainer in seiner Entscheidung bestätigt fühlen: Pantelic setzte sich an der linken Seite mit einem entschlossenen Sololauf gegen Kevin McKenna durch, drang in den Kölner Strafraum ein und legte den Ball dann überlegt auf Cicero zurück. Der Brasilianer vollendete zur Führung für die Berliner.

Hertha wirkte vor dem 1:0 keineswegs so kühl wie in den vergangenen Wochen. Es schien, als würde die realistische Chance auf den Titel die Spieler doch gedanklich stärker beschäftigen, als bisher angenommen. Die Kölner, frei von allen Zwängen, kombinierten zeitweise recht ansehnlich – auch weil Hertha sie kombinieren ließ. Nach etwas über einer Stunde hätten die Kölner einen Handelfmeter bekommen müssen, als Josip Simunic im Strafraum am Boden liegend mit der Hand den Ball aufhielt. Schiedsrichter Kircher ließ aber weiterspielen.

Will man der Berliner Mannschaft wirklich vorwerfen, wenn es so läuft wie gestern Abend? Mit dem letzten Schuss vor der Pause ging sie in Führung, mit dem ersten nach der Pause baute sie den Vorsprung aus. Der an sich ungefährliche Versuch von Patrick Ebert aus stattlicher Distanz wurde von Pedro Geromel so abgefälscht, dass der Ball sich unhaltbar über Kessler ins Tor senkte. Nur zwei Minuten zuvor hatte es auf der anderen Seite eine ähnliche Szene gegeben. Der Schuss von Wilfried Sanou aber flog über Torhüter Drobny und über die Latte hinweg.

Mit dem 2:0 hatten die Berliner ihren Teil zum Projekt Titel früh erledigt, doch unmittelbar nach Eberts Treffer wurde der Mannschaft schmerzlich vor Augen geführt, dass sie zur Realisierung des großen Ziels auf fremde Hilfe angewiesen ist. Auf der Anzeigetafel wurde gleichzeitig das 2:0 der Wolfsburger und die Führung für die Bayern verkündet. „Ihr werden nie Deutscher Meister“, sangen die Kölner Fans. Zweimal müssen die Berliner noch hoffen, dass sie Unrecht behalten. Kölns Treffer zum 1:2 durch Adil Chihi in der letzten Minute schmälerte Herthas Chancen jedenfalls nicht mehr.





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