Sport : 2:2 gegen die Schweiz ist nicht genug

Deutsches Eishockeyteam ist ausgeschieden

Christiane Mitatselis

Turin - Tino Boos hat ein blaues Auge, im Spiel gegen Kanada ist es ihm verpasst worden. Ansonsten ist es für den Kölner Nationalspieler bisher ganz gut gelaufen beim olympischen Eishockey-Turnier in Turin. Zwei Tore und eine Vorlage sind dem Angreifer in vier Spielen gelungen, neben den Berlinern Stefan Ustorf, Florian Busch und Alexander Barta war er einer besten Profis im Sturm des Nationalteams. „Mit meiner Leistung bin ich ganz zufrieden“, sagt der 30 Jahre alte Boos. „Aber insgesamt wollten wir mehr erreichen.“ Für Turin war das Ziel klar formuliert: Italien und die Schweiz wollten die Deutschen schlagen und ins Viertelfinale einziehen – sie haben es verfehlt: Auf das peinliche 3:3 gegen Italien vom Samstag folgte am Sonntag ein mittelmäßiges 2:2 (0:0, 1:2, 1:0) gegen die Schweiz.

Da Tschechien gestern gegen Italien 4:1 gewann, können die Deutschen schon vor der abschließenden Vorrunden-Begegnung am Dienstag gegen Finnland die Heimreise planen. So wurde gestern schon eifrig Olympia-Bilanz gezogen. Bundestrainer Uwe Krupp mühte sich, die Sache so positiv wie möglich zu sehen. Die Leistung gegen die Schweiz fand er „stark“, nach dem 3:3 gegen Italien habe sich sein Team „zurückgekämpft“. Die deutschen Spieler hatten in der Partie gegen die Schweiz in der Tat wacker geschuftet, läuferisch und spielerisch war ihr Auftritt jedoch erneut schlecht. Denn die Schweizer wären zu schlagen gewesen. Nach ihrem 2:0-Sieg über den Olympiafavoriten Kanada vom Samstagabend wirkten sie behäbig. Zuvor hatten die Schweizer bereits die Tschechen mit 3:2 geschlagen. Die meisten seiner Spieler hätten nachts vor Aufregung über so viel Erfolg kaum schlafen können, berichtete der Schweizer Nationalcoach Ralph Krueger.

So brachte Sven Felski die deutsche Auswahl zwar in der 23. Minute in Führung, Tore von Flavien Conne und Paul DiPietro drehten allerdings das Spiel und ließen die Schweiz vom ersten Sieg bei Olympischen Spielen gegen Deutschland seit dem 6:3 aus dem Jahr 1952 in Oslo träumen. Boos rettete Deutschland dann mit seinem Treffer im letzten Drittel das Remis. Um das 2:2 aufzuwerten, erklärte Krupp kurzerhand die Schweiz zum „stärksten Gegner der Gruppe“, also für stärker als Kanada, Tschechien oder Finnland. Was natürlich so nicht stimmt. Die Schweizer Nationalmannschaft, seit 2002 kaum verändert, ist in ihrer Basis die gleiche, gegen die das deutsche Team früher, in der Ära von Hans Zach, regelmäßig gewann. Nominell ist die DEB-Auswahl in Turin sogar besser besetzt. Während die Deutschen fünf Profis aus der National Hockey League (NHL) aufbieten (vier Feldspieler und einen Torwart), stehen nur drei NHL-Akteure (zwei Torhüter, ein Feldspieler) im Schweizer Team.

Bei den deutschen Nationalspielern ist es zurzeit eben so, dass sie nervös werden, sobald sie unter Druck stehen. Selbst gegen Gegner wie Italien – eine Auswahl alternder Italokanadier – verlieren sie Nerven, Organisation und Überblick. Keine guten Aussichten also für die B-Weltmeisterschaft Ende April in Amiens. Trotzdem meint Krupp: „Der Abwärtstrend ist gestoppt.“

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